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goldene Kerze

Eine goldene Kerze für Julius Lolom Erstling


Am 07.11.2012 um 16:24 Uhr
wurde von eine Kerze entzündet.
Mein geliebter Sohn.

Giftler, Alk, Looser und noch viel mehr, das sind die Namen, die sie dir geben, obwohl sie nicht wissen, warum dein Leben so wurde, wie es jetzt ist. Ganz tief drinnen ist deine Seele krank, du leidest schon dein ganzes Leben lang.
Mein Kind, selbst du hast mich gefragt, als einst die Erinnerungen an deine Kindheit zurück kamen und du wieder "von vorne anfangen" wolltest - ganz von vorne, als Säugling: „Warum Mami, warum nur bin ich so, ich will nicht so sein, möchte raus aus meiner Haut!“, schluchzest du, während du dein Gesicht ganz tief in meine Schulter gegraben hattest.
Die Antwort, mein Sohn, kann ich dir nicht geben, ich weiß nur, es ist für uns beide, ja für die ganze Familie, ein sehr schweres Leben.
Viele Tränen habe ich geweint, oft weit entfernt von deinem Herzen, von dir selbst veranlasst, und doch mit dir vereint in meiner Seele.
Du hast zwei Seelen in deiner Brust, die liebe, sanfte und die voller Angst, Frust und den daraus resultierenden Aggressionen.

Zweifel plagen mich oft sehr stark, habe ich als Mutter bei dir versagt? Nein, ich glaube nicht, denn ich habe versucht, dir all das zu vermitteln, was man braucht für ein glückliches Leben. Was man braucht um die nötige Stärke in seinem Innersten zu finden. Dein Vater tat das ebenfalls, er gab sein Letztes um dir den Weg zu einem zufriedenen Leben zu zeigen..... jedoch konntest und wolltest du all dies nicht annehmen, nicht verstehen.
Sicher haben wir auch Fehler gemacht. Doch Menschen werden nicht als Eltern geboren... Ich kann dir nur versichern, dass alle von uns an dir begangenen Fehler aus Unwissenheit geschehen sind. Wir wollten dich nie verletzen, im Gegenteil, ganz im Gegenteil.....

Du wirst dein Glück noch finden, die Suche dauert schon sehr lang, aber wenn du wirklich damit anfangen würdest... Ich würde dir so gerne dabei helfen wenn du es zulassen würdest. Es gäbe Ärzte und Institutionen, die uns dabei unterstützen können. Du könntest zurück ins Leben kommen..... und dein Neubeginn wäre möglich.
Deine sog. Freunde / Freundin / nen können dir nicht helfen, sie sitzen alle in dem Boot, in dem auch du sitzt, und darum werden sie zwangsläufig mit dir zusammen untergehen müssen. Wirklich retten können dich nur Menschen, die mit beiden Beinen fest am Ufer stehen und dich dadurch aus dem Wasser ziehen können. Du musst es nur wollen und dich an ihren starken Armen festhalten. Das kann dir leider niemand abnehmen.

Ist einer von euch Suchtkranken und gesellschaftlich im Abseits stehenden tot, interessiert sich niemand mehr für dessen Höllenleben. Endlich ist wieder einer gegangen, der wusste eh nicht, wie man sein Leben erfolgreich gestaltet. Endlich ist er krepiert, ein gutes Wort über ihn im Nachruf? Nein, welches gäbe es denn zu sagen?. Meist wird er vor seinem Sterben schon tot geschwiegen.
Endlich wieder einer verreckt, selber schuld, entdeckt wurde er in seiner Wohnung, auf einer Toilette, einer Parkbank, einem Hinterhof... Gott sei Dank, er lebte auf unsere Kosten viel zu lang. Das ist es, was viele Menschen sagen. Vielleicht wird auch über sie das Leid einst kommen, nicht zur Strafe, sondern einfach um verstehen zu lernen.
Wen interessieren schon die seelischen Zerissenheiten und die sich dahinter verbergenden Tragödien? Keiner will sich damit auseinander setzen, dafür nimmt sich keiner Zeit.
Man denkt, "es trifft mich ja nicht", und "mir könnte das nie passieren". Viele Eltern denken dies ebenfalls von ihren Kindern. Doch: so sehr kann der Mensch sich irren…..

„Ich will nicht so leben“ , hörte ich öfter von dir, „keiner weiß, welche Schmerzen, Kummer und Leid mich plagen. Diese kleine Zeit, wenn ich auf Alk bin, Party mache, Dope nehme, vertreibt meine Trauer, lässt mich kurz atmen und so tun, als hätt ich mit meinen Problemen nichts zu tun.
Meine Seele ist befreit, ……… "
Das ist ein Trugschluss, mein Kind, das ist gewiss!

Wenn jemand über dich schlecht spricht, das möchte ich dir sagen, das ertrag ich nicht. Höre ich schlechte Sprüche über dich ist es, als würden sich 1000te Nadeln in mein Herz bohren. Ich bin ein sehr friedliebender Mensch, schwer bringt man mich aus dem Gleichgewicht, aber wenn man mein Kind verletzt, bin ich zutiefst getroffen, es macht mich todunglücklich.

Schlimme Zeiten sind wir durchgegangen, wann hat eigentlich alles begonnen??? Ich glaub es schon zu wissen, du warst ein kleines Kind, hattest schon immer ADS und konntest den Ansprüchen deiner Umwelt nie genügen. Dadurch ist dem ganz kleinen Jungen ein großer Schmerz wiederfahren - bereits in seinem noch so jungen Leben.
Deine Lebensziele zu erreichen war dir unmöglich, alles lief schief, was dein Herz begehrt! Schulabschluss? Lehre? Führerschein? Nein - nichts davon und auch sonst nichts...
Psychologe wolltest du stets werden, weißt du es noch?

Ich hab wirklich alles versucht was in meiner Macht stand, du solltest von mir all meine Liebe bekommen. Ich wollte dein gebrochenes Herz heilen mit all meiner Kraft, doch nicht ich, sondern der Alk, die Partys, die falschen Freunde und die Drogen haben gewonnen.
Doch der Alkohol und der Dope lindern dein Leid nur für kurze Zeit, sie geben nicht auf, liegen ständig auf der Lauer. Die Depressionen, die Psychosen, der Absturz.
Wenigstens ein kurzes Gefühl zum Glücklich sein, oh mein Kind, wie todtraurig du sein musst...

Oft sagt man mir, dir zu helfen ist sinnlos, obwohl ich deine Mutter bin. Du hast mich bestohlen, belogen, betrogen und hintergangen, obwohl du wusstest, dass der schwere Einbruch 2004 - du warst damals noch ein Kind - mich fast umbrachte und ich viele Jahre brauchte, um das Trauma zu verarbeiten.
Doch mein Mutterherz, das ist bei dir, ich bin dir wegen gar nichts gram, weil ich dich liebe. Machst du mir noch so viele Sorgen und bringst mir großes Leid, ich bin deine Mamus, in guten und in schlechten Zeiten.
Dich fallen zu lassen, kommt mir nie in den Sinn, denn du bist ganz tief in meinem Herzen.
Wenn einst mein Herz aufhören wird zu schlagen, werde ich immer noch bei dir sein und über dich wachen. Du musst keine Angst haben, ich werde dich nie alleine lassen denn ich habe dich unendlich lieb. Liebe kann auch der Tod nicht beenden.......

So viele Wege sind wir schon zusammen gegangen, und eines ist ganz gewiss, dass du mein heißgeliebter Junge bist und bleibst. Mein Erstling.
Mein Sohn, es hört sich für Außenstehende vielleicht dumm an, aber ich weiß, dass ich auch auf dich stolz sein kann.
Du warst und wirst es immer bleiben: mein einziger Sohn, dessen Platz niemand je einnehmen kann weil du unersetzlich bist!

Kaum einer hat die Kraft, dass er den Absprung wirklich schafft. Wenn der Wille da ist und er dann unter den „Cleanen“ lebt, fehlt oft derjenige, der die Seele heilt. Für manche ist der Heiler jedoch trotzdem da, man muss ihn nur erkennen und annehmen.....

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen sich tiefer ins Herz hinein, und während die Tage verstreichen, werden sie Stein. Du bist irgendwie anwesend und doch unerreichbar für mich. Meine Qualen scheinen geronnen zu Schaum, aber ich spüre ihre lastende Schwere bis in meine Träume. Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Licht, die Welt wird ein Blumenmeer, aber in meinem Herzen ist ein Platz, an dem nichts mehr blüht.
Ich kann mir denken, dass du lange Nächte schlaflos liegst, unerträglich lange Nächte. Dann irrlichtern die Gedanken irgendwohin und wollen sich nicht einfangen lassen. Dann ist es gut, wenn mir dein Bild klar vor meinem inneren Auge steht, das Bild, das ich in glücklichen Tagen von dir hatte, als du mir besonders nahe warst, als etwas besonders Schönes gelang, als ich besonders groß von dir dachte. Nicht so, dass ich mir etwas vormache, sondern klar und wahrhaftig. So bildet sich in meiner Seele ein Raum, in dem du wohnen kannst und in dem vielleicht auch der Schlaf gelingt. Deine Stimme hören. So, wie sie früher war, als komme sie nicht nur aus der Erinnerung. So werden die leisen Stimmen vernehmbar, auf eine neue Weise. Als die Stimme eines Friedens, der nicht von dieser Welt ist. Ich vermisse dich so sehr, mein Sohn!

Ich habe gemerkt das ich immer einsamer wurde. Ich war nur noch damit beschäftigt aus dieser heiklen Situation wieder raus zu kommen, ohne das mein Umfeld davon etwas mit-bekommt. Mit am Schlimmsten war es als du, mein Sohn, die Psychose bekamst. Mit kaum einen Menschen kann man darüber reden. Kaum einer fragt nach seinem Befinden. Kaum einer fragt, wie es mir geht. Es ist eine Krankheit die den Mitmenschen Angst macht. Sie können damit nicht umgehen. Sie schweigen dich, mein Kind, tot....... Es ist als hättest du eine ansteckende Krankheit. Nur hinterm Rücken, da wird getuschelt. Man wundert sich, das ich mich verändere. Ja ich war mal lebenslustig und unbekümmerter. Jetzt bin ich traurig ,besorgt und depressiv. Darf ich das nicht mit einem drogen.-und psychosekranken Kind? Darf ich nicht trauern über deine, meine, unsere verlorenen Jahre? Ja ich trauere, über dein Potenzial, das du mit dem polytoxen Drogenkonsum und Alkoholmissbrauch in den Wind geschossen hast.

Es war mir ein Bedürfnis dir zu schreiben, es ist einfach über mich gekommen….. und ich möchte dir damit nur sagen, wie wichtig du mir bist. Lass dich niemals entmutigen, von Menschen welche keine Ahnung haben, überhaupt keine Ahnung haben können, weil sie nicht in deinen Schuhen laufen….

Und bitte vergiss niemals, wenn alles noch so düster aussieht, ich bin immer für dich da…………dein Platz in meinem Herzen ist immer für dich frei und wartet darauf, dass du ihn beanspruchst....genauso wie dein Platz in unserem Zuhause... wir haben es immer wieder geschafft……..

Ich hab dich lieb! Mu..f (unser Geheim-Wort)

Deine Mamus
In fine est pincipium meum.
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Dirp am 28.01.2013Eintrag melden
Hi Lora,
nein, ich schäme mich nicht! Warum sollte ich auch? Ich bin kein Sozialschmarotzer, der die anderen für seine selbstgeschaffenen Krankheiten zahlen läßt und ihnen auf der Tasche liegt, vielleicht sogar lebenslang, wenn er bleibende Schäden durch seinen unverantwortlichen Lebensstil behält.
Ich bin auch keiner, der denen, die ihn lieben, das Leben zerstört indem er sie zwingt, seinem Untergang zuzusehen. Ich beute auch meine Familienangehörigen nicht aus, indem ich ihnen das Geld mit allen Mitteln und Tricks aus der Tasche ziehe um meinen schwachen Charakter mit seinen Süchten zu befriedigen. Ich trage Verantwortung und zwar nicht nur für mich, sondern vor allem für meine Familie, meine Eltern, meine Mitmenschen. Das ist der Unterschied zwischen sozial und assozial.

Wie gesagt, einem Selbstmörder eine Träne nachzuweinen ist ebenso albern als auch sinnlos wie einem Abhängigen, der an seinen Süchten zugrunde geht. Beide haben ihr Leben aus eigener Entscheidung weggeworfen und keiner hat sie dazu gezwungen. Genau so ist es mit Therapien und Stabilisierungsmaßnahmen für beide auf Kosten der Allgemeinheit. Teuere Krankenhausaufenthalte und Ärzte auf Kosten der Krankenkassen sind für diejenigen, die ihr Leben wertschätzen und lieben.
Für die anderen zu zahlen, mag als Hobby von Sponsoren akzeptabel sein, kann jedoch nicht von einer Gemeinschaft "verlangt" werden, für die der Betroffene selbst keinen Finger jemals gerührt hat!
@ no one am 28.01.2013Eintrag melden
ja ich arbeite vollzeit nach meiner krankheit und zahle steuern wie jeder andere!
@ - @dirp am 28.01.2013Eintrag melden
und? leistest du wenigstens heute deinen beitrag damit der sozialstaat aufrecht gehalten werden kann? ich meine, zahlst du steuern, gehst du einer geregelten arbeit nach?
no one am 28.01.2013Eintrag melden
ich schließe mich dirp vollkommen an. wenn mamus und die familie sich von diesem schmarotzer ausbluten lassen wollen, dann ist das ihr hobby und sie müssen dafür zahlen. wenn das geld zu ende ist und er dem staat zur last fällt, sofort ab ins arbeitslager. dort lernt er dann schon das man für seinen lebensunterhalt was leisten muss und für seine teueren süchte sowieso!
@Dirp am 28.01.2013Eintrag melden
Ich bin froh in diesem Sozialstaat zu leben! Ohne seine Hilfe wäre ICH im Sumpf von Julius untergegangen!!!!!!!!!!!!!!
letizia am 28.01.2013Eintrag melden
In gewisser Weise gebe ich Dirp schon recht.
Trotzdem bin ich tief berührt vom Schicksal der bedauernswerten Familie.
Fenz Rena am 28.01.2013Eintrag melden
zu tränen bin ich gerührt obwohl ich ein harter knochen bin. man muss deinem kind doch helfen können das gibts doch nicht das du zuschauen musst wie es sein leben verplempert. wenn ich dir nur wirklich beistehen könnte glaub mir ich würde es tun. traurige grüße von Rena
Lora am 28.01.2013Eintrag melden
@Dirp
Deine Aussage ist ungeheuerlich!!! Schämst Du Dich gar nicht? Was würdest Du denn mit Deinem Kind machen wenn es solche Probleme hätte?
Dirp am 28.01.2013Eintrag melden
Bei allem Respekt, verehrte Frau Mamus, ich bitte inständig darum, dass alle guten Mächte uns vor diesem assozialen Abschaum wie Ihrem Sohn bewahren mögen! Drogensüchtige, Alkokoliker, seelische Krüppel usw. gehören nicht auf Kosten der Allgemeinheit durchgefüttert und gepflegt. Sie sind nicht besser als Selbstmörder und sollten auch so behandelt werden. Nicht die Allgemeinheit hat sie verkommenen lassen - das ist bei unserem engen sozialen Netz überhaupt nicht möglich - sondern sie selbst sind lebensuntauglich und fallen damit dem braven Steuerzahler mit Unsummen zur Last. Von den kriminellen Machenschaften dieser Subjekte will ich gar nicht erst anfangen....
Karl am 28.01.2013Eintrag melden
Ihr solltet Euch dringend Hilfe in einer Gruppe für Angehörige von Drogen und Alkoholkrankenfür Euch selbst holen! Ich bin auch in so einer Gruppe als betroffener Vater, es hat mir enorm geholfen.
Durch die Selbsthilfe der betroffenen Eltern wird nicht nur die eigene Genesung zu erreichen versucht, sondern durch den Schwerpunkt “akzeptierender Elternarbeit” auch eine Schadensminimierung für unsere Drogen- und Alkohol gebrauchenden Kinder angestrebt. Die Verhinderung ihrer Verelendung und damit verbunden eine erhöhte Bereitschaft, Infektionsprophylaxen anzuwenden, hat einen gesundheitspolitischen Wert, nicht nur für die Konsument(inn)en, sondern auch für die “Normalbevölkerung”, weil dadurch die Verschleppung von Infektionen (besonders Hepatiden+HIV) verhindert wird.
Viele Grüße und viel Erfolg!
Veni am 28.01.2013Eintrag melden
ich auch seit 14 jahre auf droge und alkuhol und haße meine alden weil die mir ni geholfen habn wechzukomen war doch fiel einfacher und bekwemer fur die mir immer zu gebn was ich wollte stad mir zu helfen aufzuhöhren da ham die ihr ruh und ich vereg dran. arschlöcher
Gina am 28.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus, dir und deiner Familie wünsche ich viel Kraft um das große Herzeleid auf euren Schultern tragen zu können..... OHNE daran zu zerbrechen.
b.k. am 28.01.2013Eintrag melden
ich war schon so oft hier aber wusste nicht was ich tröstendes sagen kann auser das ihr mir alle so leid tut.
Martha am 28.01.2013Eintrag melden
Komme gerade von der Therapiesitzung für Angehörige politoxer Familienmitglieder und habe dort Ihren sehr bewegenden Brief an Ihren Sohn bekommen. Ich bin sehr aufgewühlt mit meinen Gefühlen und weine mir eine schwere Last von der Seele. Mein Sohn könnte Ihrer sein!
Eine verzweifelte Umarmung von Mutter zu Mutter...
Heda am 28.01.2013Eintrag melden
Ich habe heute im Radio von Ihrem Brief gehört und bin sofort gekommen. Mir laufen die Tränen über das Gesicht... ich bin tief erschüttert über die entsetzlichen Umstände unter denen Ihr leben und leiden müsst!!! Wenn ich nur helfen könnte..auch Ihrem armen Kind! Der ganzen Familie wünsche ich viel Kraft und Stärke. Ich zünde eine Kerze für Sie an.
Ann am 28.01.2013Eintrag melden
liebe Mamus mit diesem selbstmörder auf raten geht ihr alle vor die hunde. Er ist der grausamste henker den man sich vorstellen kann weil euch mit seinem verhalten zu tode quält und es ist ihm scheißegal. er liebt euch nicht, nur seine drogen, seinen alkohol und seine verkommene kranke schlampe. von euch liebt er nur euer geld damit er sich das alles leisten kann. lass ihn absaufen bevor er schneller ist und es mit euch macht. die zeit rennt schnell....
viel kraft und liebe Ann
Gert am 28.01.2013Eintrag melden
wie traurig und grausam das leben für manche menschen ist! ich bin tief berührt und wünsche euch von herzen sonne und glück und gesundheit. gert
K. an Mona am 27.01.2013Eintrag melden
Das bezweifele ich!
Mona am 27.01.2013Eintrag melden
Es hat mich viel Zeit gekostet bis ich begriffen habe, dass mein Sohn volljährig ist. Für ihn gilt wie für jeden Erwachsenen: Er muss die Konsequenzen für seine Handlungen tragen.
ER und nicht WIR oder ICH!
Es gibt auch keine Unterstützung mehr für ihn von uns. Weder Geld, noch Nahrung, noch Unterschlumpf. ER ist drogensüchtig, ER ist alkoholsüchtig, ER hat sein Leben zerstört. Nich WIR oder Ich!
Stefan am 27.01.2013Eintrag melden
Die Worte sind Balsam für meine Seele denn ich leide unter der gleichen Situation mit meiner Tochter. Danke Mamus.
k.m. am 26.01.2013Eintrag melden
menschen die sich selbst egal sind sind mir auch egal. soviel zu juliusse und dergleichen.
Doli am 25.01.2013Eintrag melden
ich bin alkoholikerin, und ich kann dir nur sagen, lass ihn allein, du bist nicht mehr für ihn verantwortlich, er ist erwachsen. da ich auch mutter bin weiß ich das das leichter gesagt als getan ist. ist ja auch schön einfach für alle und du gehst vor die hunde. du hast ihm jede hilfestellung gegeben die du geben konntest, irgendwann ist gut damit. unterstütz ihn überhaupt mit nichts mehr, er brauchts nur für seine sucht. lass dir da auch von niemandem ein schlechtes gewissen einreden. wenn er aus der sucht raus will, dann muß er sich bewegen und niemand sonst. fackt ist, solange du für ihn springst wenn es brennt kann er sich auf seinen rückfällen ausruhen und weiter jammern wie böse doch diese welt ist. mamus, jeder ist seines glückes schmied, du, er, wir alle.
Natalie am 24.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus, du und deine Familie ihr könnt nicht mehr, ihr seid am Ende mit allem.
Aber weißt du was? Ihr müsst auch nicht mehr!
Versuche, ihm seine Verantwortung für sein Leben zu überlassen.
Wie gut oder nicht so doll er mit der Verantwortung umgehen kann, das ist Seins.
Sowas kann man lernen, und er lernt es vielleicht erst, wenn er muss. Wenn ihm die Familie, der Vater, die Mutter nichts mehr abnehmen, keine Gespräche mehr für ihn führen, keine Rechnungen mehr bezahlen, keinerlei Unterstützung mehr geben, egal, in welcher Beziehung, usw.
Sicher hört ihr auf die eine oder andere Weise von ihm das ihr lernen müsst, mit seinen Süchten umzugehen, richtig? Selbstverständlich ist das richtig...
Aber: IHR "müsst" lernen mit seinen Süchten umzugehen? Damit er weitersaufen, weiter drogendröhnen kann und sich eures Geldes und eurer sonstigen Unterstützung bedienen kann??
Wie praktisch für ihn, wenn ihr euch darauf einlasst. Kein Grund für ihn, sich auch nur einen Millimeter weiterzuentwickeln.
Sicher kommt er bald mit dem Argument, er müsse von daheim wegziehen weil er einen neuen Job braucht, weil sein Freundeskreis zu schlecht ist, sein Ruf versaut ist, er es "einfach nicht mehr packt" usw. Treffer? Klar, VOLLtreffer!!! Er wird alles sagen und versprechen, um an euer Geld ran zu kommen - und dann nichts anderes machen, als seine Süchte zu finanzieren. Es geht nicht um andere Jobs, Freundeskreise usw. Es geht um das finanzieren seiner Süchte, und sonst um gar nichts!

Erst nachdem er vollkommen clean und trocken ist lohnt es sich, über weiteres nachzudenken und Geld zu investieren. Trocken und clean kann er aber nur in einer professionellen Therapie und UNTER AUFSICHT werden! Geht auch bei euch daheim, aber ohne strikte Überwachung ist es ausgeschlossen! Und: ER MUSS ES WOLLEN!
Ich bin Suchttherapeutin und arbeite seit Jahren mit Süchtigen. Ich kenne mich auf das Beste damit aus.

Danke für diesen Brief, liebe Mutter. Unsere Erfolgsrate ist exorbitant gestiegen seit wir mit ihm arbeiten.

Viel Erfolg für die Familie und Ihren Sohn.

Herzliche Grüße!




Brit. W. am 24.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus
das Gedicht ist für Dich, Deine Familie und Deinen Sohn. Ihr tut mir so wahnsinnig leid! Ich weine schon seit Stunden und ich merke, ich weine mit euch.
Alles Liebe Brit

Das schwarze Meer im Augenspiegel

Eine Träne gekennzeichnet von Schmerz,
fließt sie leise aus dem zerbrochenem Herz.
Mit sich bringend viele mehr,
bilden sie ein schwarzes Meer.

Die Seele in dessen am Ringen,
muss sie sich am Leben zwingen.
Die Tränen sie fließen ohne Rast,
wird die Zeit zur reinen Hast.

Das Herz es hört nicht auf zu leiden,
fängt an alle Hoffnung zu meiden.
Die Zeiten zeigen keine Gnaden,
als wollen sie sich an dessen Qualen laben.

Dieser hoffnungslose Kampf längst besiegelt,
sieht man in in den Augen schwarz gespiegelt
Fanny am 23.01.2013Eintrag melden
mein kurzer hat alles bei uns versucht um geld für seine süchte rauszuschinden. er terorisierte die ganze familie und log stahl betrog uns in allem. seis stark mamus und familie! bringt nichts auser immer neue entäuschungen wenn ihr ihm auch nur ein halbes wort glaubt. grüße Fanny
Hannelore Schmelz am 23.01.2013Eintrag melden
Oh mein Gott ist das eine Tragödie!
Dass Kinder ihren Eltern so das Herz herausreisen können, wusste ich noch nicht....
Meine Trauer und mein tiefes Mitgefühl an alle Beteiligten.
Hannelore
Alema am 23.01.2013Eintrag melden
wir druffis und alks sudeln uns eben gern in selbstmitleid und schuldabwälzung weil sich damit das elend einfacher erträgt als mit selbstverantwortung. bin seit 4 monaten sauber und kenne die ganze scheise mit allem was dazugehört.
viel stärke dir und julius ihr brauchts wirklich.
G.K. am 23.01.2013Eintrag melden
gestern nacht, durchs tv zappen, plötzlich diese nachricht, glühende nadeln ins herz, MEIN LEBEN, MEINE ELTERN, tottraurig, erdbebenerschüttert, erstesnmal geweint aus herz und seele seid dreisig jahre, sprit und droge, körper kaputt, kann nichts mehr gutmachen weil alle tot....
Manni am 23.01.2013Eintrag melden
Mamus und Familie bitte seid euch immer sicher dass euer Juliu alles dafür tun wird, alles versprechen wird und alles lügen wird was ihr hören wollt. Warum? Weil er wie alle Drogensüchtige und Alkoholiker Geld braucht viiieeel Geld um seine Suchte zu bezahlen und ihr seid ihm nicht mehr wert als genau der Betrag, den ihr ihm gebt.... keinen einzigen Cent mehr...... liebe kennt er schon lange nicht mehr vor allen nicht für euch weil ich eben nur noch Geldwert habt und sonst gar nichts..... Ich weis das das brutal klingt aber ich weis auch das das wahr ist weil es mein leben auch war.

lg Manni.... seit 24 Jahre Alkoholiker und Drogenuser, seit 6 Jahren clran und trocken.
Annika am 23.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus,

ich weiß wie sehr weh dir das tut, mein Sohn ist auch "erst" seit 2 Jahren clean und trocken. Auch ich vergesse es nie, ich habe aber inzwischen verzeihen können.

Lebe dein Leben, du weißt du kannst nicht helfen, auch wenn du alles dafür tun würdest, es hilft nicht.

Alles Gute wünscht dir

Annika
Jörg am 23.01.2013Eintrag melden
Hallo Mamus,

Jetzt habe ich von Deinen erschütternden Brief an Julius im Fernsehen gehört und bin zunächst ohne Worte gewesen für Dein Leid und gleichzeitig für mein eigenes Leid.
Da ist mir klar geworden, dass ich nicht alleine bin mit meiner Not und der Ohnmacht, die ich tagtäglich erlebe in mir selber. Bislang hatte ich kaum Menschen, die meine Gefühle verstanden haben, da sie nicht betroffen sind, oder sogar das Problem zu beschönigen versuchten. Wie wichtig also ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Denn ich kann mir so oft selber keinen Rat geben, den ich andersherum anderen sofort geben würde. Na ja Rat sowieso nicht, aber vielleicht Hinweise auf alternativen zu den grauenhaften eigenen Gefühlen, denen wir machtlos ausgeliefert zu sein scheinen.

Ich bin den gesamten morgen wie die Ratte im Käfig in meiner Wohnung hin und her gelaufen, voller Sorgen, Ängste, Wut, Hass, ect. Jetzt schreibe ich diese Zeilen und komme etwas zur Ruhe, dann gehe ich in dem Wald, die Sonne scheint und zeigt mir, dass das Leben schön ist, die Natur ist für mich immer ein Ort an dem ich Ruhe suche und wenn ich achtsam bin und meine Gedanken, die mich quälen, durch eine Betrachtung des Himmels, oder der Pflanzen auswechseln kann, dann habe ich schwerste Arbeitz an mir geleistet, aber der Effekt ist, dass ich wenigstens in diesen Momenten bei mir bin, mich fühle, Freude erlebe, nur für diesen kurzen Moment. Was später passiert, wenn ich wieder Kontakt habe mit meinem trinkenden und drogensüchtigen Kind, mit dem ich gemeinsam in einem Haus lebe, kann ich sowieso nicht beeinflussen, also lohnt ja auch gar nicht ein einziger Gedanke daran zu verschwenden. Er ist jedesmal anders im Verhalten, aber immer irgendwie entmachtend und mich tief verletzend. Dabei will ich ihm nur helfen, auch wenn ich sicher nicht alles richtig dabei mache, ich bin ja auch nur ein Mensch und kein Gott. Also glaube ich, dass ich nur eines dem entgegensetzen kann, und das ist meine eigene Kraft zu spüren, Kontakt mit meinem Leben zu haben und seine Energie bei ihm zu lassen. Wie ein Kraftfeld um mich herum, das fremde Kraftfelder einfach ableitet, ich glaube, das ist ein treffendes bild, muß nämlich das erste mal seit Tagen lächeln dabei. So genau dieses Lächeln möchte ich jetzt weiter in mir spüren, deshalb atme ich jetzt tiefer, konzentriere mich auf meinen Körper, gehe in Meditation. Oh Mamus, danke, dass ich Deinen Brief hier heute lesen durfte, der mich wieder auf einem wesentlichen Teil meines Lebens gebracht hat, die Meditation, ich hatte sie wieder Mal seit langer Zeit vergessen.

Alles Gute Jörg
Tobias Mann am 20.01.2013Eintrag melden
@Julius

"Sieht mich denn keiner in meiner Not?" Aschfahl hockt Heike hinter der
Innentür der Bahnhofstoilette. Ihre Augen glasig. Die Faust umklammert die
blutverschmierte Spritze. Sie realisiert nicht, was um sie her passiert. Ihr
Puls schlägt müde. Der Kreislauf flattert ... Es gibt kein Zurück.

Sie weiß: Das ist das Ende! Irgendwann findet man sie. Tot. Wieder ein
Drogenopfer! Was für ein Wahnsinn. Kinder aus besten Familien! Was ist los
mit unserer Welt? Warum dieses grausame Ende?

"Prost, Eddi!"
Immer dann, wenn Eddi Schwierigkeiten hatte, kippte er sich einen.
Alkoholwar für ihn Problemkiller Nummer eins. Doch irgendwann hing er
hoffnungslos fest. Alkoholkrank. Lange Zeit vertuschte er seine Sucht durch
geschicktes Lügen. Nach zwei Jahren kam seine Frau dahinter: Mein Mann
trinkt. Heimlich!

Und irgendwann trank sie mit. Zuerst Likör, dann schärfere Sachen. Das geht
ans Geld, an die Gesundheit. Und jetzt? Familie zerrüttet. Ehe kaputt.
Arbeitslos. Leberkrank -Gedächtnisschwund. Es hat alles so harmlos
angefangen. Unsres Gesellschaft "ertrinkt"!

Elende Sinnlosigkeit!?
Findest Du Dein Leben etwa lebenswert? Kann denn auf Dauer ein Mensch ohne
Sinn existieren? Sind etwa die nicht viel besser dran, die ihr Leben
wegwerfen? Hat nicht ein sinnloses Dasein seine Berechtigung verloren?

Bitte glaub diesen Quatsch nicht! Auch Dein Leben hat einen Sinn.
Es hat Dir bis heute nur noch keiner deutlich genug gesagt.

Leben wir heute in einer Ära der Sucht?
Daß wir heute in der Ära der Sucht leben, hat seinen entsetzlichen Grund:
Wir sind krank an uns selbst. Krank, weil wir mit unsrer 5eeleneinsamkeit
nicht mehr zurechtkommen. Unsere Seele weint wie ein kleines Kind, dasseine
Mutter verloren hat. Wir fühlen uns unendlich alleingelassen. Wer in dieser
grausamen und brutalen Welt kümmert sich noch um uns? Die Vereinsamung
bringt uns um! Haben wirdenn kein Recht auf Liebe und Geborgenheit? Wie
ausgespuckt kommen wir uns vor.

Ersatzbefriedigungen - nichts weiter!
Die traditionellen Suchtmittel sind ein Indiz unserer inneren Vereinsamung.

Eßsucht, Magersucht, Alkoholsucht, Nikotinsucht, Spielsucht, Fernsehsucht,
Arbeitssucht, Sexbesessenheit, Drogensucht.
Ersatzbefriedigungen - nichts weiter. Lebensfeindlich, lebenzerstörend.

Wenn Du so denkst, dann bist Du in Gefahr:

"Meine Probleme sind stärker als ich!"
"Meine Zukunft ist ein dunkles Loch!"
"Für mich hat das Leben keinen Sinn."
"Niemand hat mich wirklich lieb."
"Ich bin sowieso der letzte Dreck."
"Ich bin total alle."
"Mir fehlte der Kick zum Leben!"
"Mir fällt die Decke auf den Kopf!"

Falsche Wege
Das chemische High belügt Dich. Die bewußtseinsverändernden Drogen
verkleistern Dir den Blick für die Realität. Die Ernüchterung kommt. Was
bleibt, sind Asche, Resignation und totaler Rausschmiß! Berauschende
Aussichten, die Dich umbringen.

LSD - Cannabis - oder das "dunkle Heroin-Vergessen" sind schwarze Löcher, in
denen Du ertrinkst. Willst Du im Todesschatten, zwischen bIutverschmierten
Spritzen und Kothaufen elend wie ein Hund krepieren? Du bist zu schade für
diese Hölle!

Technokids! Wie Gewitterdonner stampfen die Bässe im Herzrhythmus.
Stundenlang! Nächtelang! Wer umkippt, wird rausgetragen. Tot? Wen kümmert's?
Wer fürchtet Tod oder Teufel? Der Tempeltanz fordert seine Opfer.
Designerdrogen heizen an. Machen "happy". Auf einmal wird alles "easy"! Alle
sind Freunde, und man selbst ist "Star in der Manege".

LSD, Koks, Crak oder Speed? Cannabis oder Hasch? Hallo, darling! Wir
schmeißen heute Ecstasy. Bunt flimmernder Eisnebel schleicht kniehoch übers
Parkett. Trance - Lustgewinn pur. Was für ein Betrug!

Der letzte Kick! - Bungee-Jumping
Auch der macht dich nicht glücklich! Niemand braucht Drogen oder Alkohol, um
froh zu werden. Meinst Du etwa, Bungee-Jumping oder U-Bahn-Surfen könnten
Dir einen kräftigen Adrenalinstoß verpassen und Deine Gefühle verzaubern?
Was Du Dir auch einfallen läßt, am Ende bist Du immer auf "0".

Das umgekippte Feeling
Wenn der angenehm empfundene Rauscheffekt vorüber ist, stellen sich folgende
zerstörerische Wirkungen ein: Horrortrips, Psychosen, Wahnvorstellungen,
Verelendung, Gedächtnisverlust, seelische Versklavung.

Drogensucht ist Wahnsinn. Das Risiko unkalkulierbar.
Ralfs Abschiedsbrief nach einer Techno-party, der letzten Party seines
Lebens: "Mein Leben ist nicht mehr lebenswert, da die Ziele, die ich mir
"gesteckt" habe, nicht mehr zu erreichen sind. Schuld daran waren die
Drogen. Ecstasy, LSD, Pep und alles andere wird von den meisten
unterschätzt. Wenn ich gewußt hätte, daß dies passieren kann, hätte ich nie
damit angefangen. Ihr seid nicht schuld daran. Wenn Ihr mir einen Gefallen
tun wollt, dann übersteht meinen Tod. Denn mein Tod ist das Beste für mich.
Jetzt müßt Ihr stark sein. Meine Kraft geht zu Ende. Ich bin lieber tot als
verrückt. Die Parties gehen ohne Ihn weiter...". So stand es in der Zeitung.
Siegfried am 20.01.2013Eintrag melden
das mit Deinem Sohn ist traurig. Traurig deshalb weil IHR fast gar nichts tun koennt wenn er sich nicht helfen lassen will. Gebt ihm zu essen wenn er Hunger hat, lasst ihn irgendwo bei euch pennen, mehr koennt Ihr im Moment nicht tun.

Viel wichtiger ist es das Ihr auf Euch dabei aufpasst sonst kann es leicht passieren das ein drogenabhaengiges Familienmitglied die gesamte Familie kaputt macht. Klare Grenzen ziehen und diese muessen auch eingehalten werden. Auch fuer Angehoerige gibt es Anlaufstellen bei der Suchtberatung und auch bei Psychotherapeuten findet man Unterstuetzung.

Auch wenn sich das jetzt herzlos anhoert aber ich sage das aus eigener Erfahrung als Suechtiger. Ich kenne da die Seite Deines Sohnes besser wie Deine. Solange wie er selbst nicht akzeptiert das er ein Suchtproblem hat und solange wie er selbst nicht daraus will....solange solltet Ihr ihn in seinem freien Fall lassen. So ein freier Fall kann sich aber hinziehen...ich hab 30 Jahre gebraucht um da was zu begreifen. Viele meiner suchtgefährten sind auch elend krepiert. Ich hatte einfach trotzdem Glück im unglück.

Was Ihr gar nicht machen solltet ist ihn finanziell zu unterstuetzen. Damit wuerdet Ihr ihm nur die Sucht finanzieren und diese Sucht auch in seinen Augen akzeptieren. Lasst Euch nicht in eine Co-Abhaengigkeit bringen, das macht EUCH kaputt. Ihm wird das egal sein was mit Euch passiert, Hauptsache er kann seine Sucht ausleben.

Viele Gruesse

Siegfried
Jonas M. am 20.01.2013Eintrag melden
Lieber Julius

In meinen jungen Jahren war ich auch in deiner Situation. Sechs Jahre lang habe ich alles an Drogen genommen was ich in die Finger bekam. Alkohol trank ich wie ein Loch. Ich hatte ADHS, schwere Depressionen weil ich nie etwas auf die Reihe bekam und alles zerstörte, was man mir geboten hatte. Ich war der absolute Verneiner schon von Kleinkind an. Mein Vater starb als ich drei Jahre alt war. Meine Mutter war wie deine Mamus. Sie versuchte alles, um mir zu helfen. Doch ich begriff nichts, überhaupt nichts.
Dann geschah etwas entsetzliches, etwas, was mich für immer veränderte und mich bis zum heutigen Tag nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Meine Schuldgefühle und meine Trauer über mein eigenes Verhalten von damals kann ich einfach nicht verkraften. Ich versuchte, an anderen wieder gutzumachen, was ich verbrochen habe. Doch es ist sinnlos, denn der Mensch, dem ich mit meinen Aktionen viel zu früh das Leben nahm, ist nicht mehr erreichbar für mich. Nur an ihm, meinem Opfer, könnte ich "gutmachen"...
Ich schreibe dir meine Geschichte "im Abstand", ich könnte sie ansonsten nicht erzählen.


Er wünschte sich stets einen Schutzengel, doch der war immer da und er sah ihn nicht.

Ein Sohn begleitet schreibend das langsame Sterben seiner Mutter, die er nur noch komatös erlebt - er nimmt Abschied von einem Leben, das sich ihm spät, viel zu spät, erschließt. Als der Sohn von der Krankheit der Mutter erfährt, geht er auf die Straße und läuft ziellos umher. Es gibt keine Hoffnung mehr; die Ärzte haben ihm gesagt, dass die Bauchhöhle, die Knochen und das Gehirn schon ganz verkrebst sind.
Der Sohn flüchtet sich ins Schreiben, beginnt, schreibend, noch vor ihrem Tod von der Mutter Abschied zu nehmen: als ob er sie "unter Worten begrabe", noch während sie lebt. Vielleicht geschieht ein Wunder und sie kann es doch noch lesen? Vielleicht kann er damit das Stundenglas anhalten, es vielleicht sogar rückwärts laufen lassen? Wie soll man damit fertig werden, dass jemand stirbt, der nie mehr ein Leben hatte, weil er es aus Sorge und Angst um das suchtkranke Kind geopfert hat? So viel wollte er ihr noch sagen, so viel noch mit ihr teilen, so viel noch... Und einmal noch sagen zu können: "ich hab dich lieb!". Einmal aus tiefstem Herzen um Vergebung bitten... Vielleicht bekommt er noch eine Chance, eine einzige Chance, die allerletzte?
Er hätte oft gern eine andere Mutter gehabt, eine lustigere, eine, die ihm alle seine eingebildeten Freiheiten ließ, die seine Freunde annahm, die nie welche waren, eine, die zusah, wie er sich schleichend umbrachte, eine, die ihn einfach nur in Ruhe ließ. - Und zu spät, viel zu spät begriff er: "wenn du tot bist, bin ich nirgends mehr daheim"... und zu spät, viel zu spät, begriff er, dass er nun den Menschen verloren hatte, der sein einziger wahrer Freund war; der ihn so sehr liebte, dass er ihm mit seinem Tod die Chance gab, aufzuwachen aus seinen Dauerräuschen und endlich leben zu wollen...
Mama, ich liebe dich! Bin dir unendlich dankbar! Bitte vergib mir...

Du sollst niemals so fühlen müssen, mein armer, unwissender Freund.
Ich denk an dich.
Xania am 19.01.2013Eintrag melden
Hallo!
Dein Sohn scheint sehr unzufrieden mit sich selbst zu und lässt dies an dir aus.
Du im Gegensatz tust alles für ihn. Wozu arbeiten? Wozu Schule? Zumal dies mit Drogenkonsum und Alk eh schwierig werden könnte.

Ein Bekannter von mir war ähnlich.

22, wohnte bei Mama, sprach aber nicht mit ihr. Er leerte nur den Kühlschrank und schmiss ihr seine dreckige Wäsche hin. Aber im Herzen ein liebenswerter Kerl.
Er nahm alles außer Heroin. Nicht gleichzeitig aber nach und nach. Angefangen mit Kiffen und Pilzen. LSD auf Partys. Der Führerschein war zum 2. Mal weg. MPU erfolglos.
2 Ausbildungen abgebrochen. Lebte in den Tag hinein. Mal hier mal da.
Seine Mutter hat ihn nach vielem Gezerre und Gejammer einfach ziehen lassen.
Mit 20 bekam er dann Sozialstunden (den Grund hab ich vergessen, aber irgendeine Dummheit die erwischt wurde - keine Gewalt oder ähnliches)
Dort wo er die Sozialstunden leistetet gefiel es ihm. Ihm wurde ein Ausbildungsplatz angeboten. Er hat die Ausbildung mit einigen Schwierigkeiten durchgezogen und ist jetzt Facharbeiter. Steht morgens um 5 auf und geht jeden Tag zur arbeit. Drogen nimmt er nicht mehr. Er ist jetzt 29 und hat sein Leben in den Griff bekommen.

Was ihm geholfen hat, war auf einmal alleine da zu stehen, ohne Geld, und ganz tief zu fallen. Das mag für eine Mutter schwer sein.

Bei meinem Bekannten wurde es nach und nach besser.
Er wurde nicht rausgeschmissen aber auch nicht weiter unterstützt. Weder finanziell noch sonst irgendwie. Wenn er allerdings mit einem rechtlichen Problem zu seiner Mutter kam und eingesehen hatte, dass er Mist gebaut hatte (Zahlungsaufforderungen, Fahrerlaubnis, Unfall etc) war sie für ihn da.

Du kannst ihm nicht helfen, indem du ihm einen Job besorgst, ihn bekochst, Probs fernhältst und Geld gibst. Er muss das alleine wollen. Er muss etwas aus seinem Leben machen wollen. So lange ihm alles schei...egal ist und er Lebensblind ist, hört er nicht auf. Schritt 1 wäre zu erkennen, dass seine Trägheit kontraproduktiv ist.
Aber das muss ER alleine erkennen.

Was könnte für ihn der Grund sein, so abzustürzen? Was liegt da im Argen?

Sicher denkt da jeder anders drüber, aber ich finde es falsch, ihm fertige Tatsachen zu präsentieren.
"Guck mal Schatz, du musst nur noch unterschreiben." "Geld und Essen warten auf dich" usw. usw. MAN MUSS ARBEITEN UM SICH LEBENSMITTEL, WOHNUNG, ALKOHOL, DROGEN usw. KAUFEN zu können! ODER KRIMINELL WERDEN! Lass ihn doch kriminell werden, so einen erwischen sie bald denn der macht immer alles falsch. Vielleicht lernt er im Knast wenn sie ihn in den Ar... fi....??? Wäre nicht der erste der danach aufwacht, glaub mir!!!

Sag ihm, dass es so für dich nicht weitergeht, dass er du aber jederzeit für ihn da bist, wenn es ihm schlecht geht und lass ihn gehen. Lass ihn sein Leben erstmal leben (allein) und lass ihn erkennen, wer wirklich für ihn da ist wenn er total auf der Fres... liegt. Die denen er jetzt so vertraut, scheissen sich spätestens dann nichts mehr um ihn wenn er anfängt, ihnen permanent auf der Tasche zu liegen und sie in ihren gewohntem Umfeld zu stören beginnt. Das ist immer so! Dann erst kannst du ihn wieder bei dir reinlassen und wohnen lassen. hol dir Hilfe bei diversen Institutionen.

Viel Glück für dich.
Videl am 18.01.2013Eintrag melden
Mein Wunsch für Mamus

Wenn Du am Ende Deiner Tage am dunklen Fluss des Todes stehst und ihn überqueren musst, dann möge ein Engel des Lichts kommen, der Dich in seine liebenden Arme nimmt und sicher hinübertragen wird auf die andere Seite, wo das Land des ewigen Lebens auf Dich wartet und die Liebe...die Du aus Deinem davon übervollen Herzen zu Deinem Sohn und zu den Menschen bringst. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen!
T.G. am 17.01.2013Eintrag melden
Hy Julius. Ich habe mit 15 angefangen Drogen zu nehmen, habe schon alles durch gehabt was es so ziemlich gibt. Bin jetzt 21 und habe den Absprung geschafft. Du bist noch jung schau das du jetzt davon weg kommst,alles andere ist Zeit verschwendung. Schau das du die Lehre oder Schule durchhälst. Ich habe es auch geschafft meine Lehre zu beenden und das obwohl ich jeden Tag zur Apo musste und jeden Tag etwas genommen habe. Das schaffst du auch, am besten sofort davon weg kommen dann tust dir auch leichter. Seit 2 Monaten nehme ich überhaupt nichts mehr, nicht einmal Alkohol und ich merke wie ergeizig ich geworden bin, am liebsten würde ich die Welt regieren. Du wirrst wieder so motiviert werden und alles ganz locker packen. Ich habe auch total gemerkt wie sich meine Leistung in der Arbeit verbessert hat. Ich weiß du denkst das Zeug beeinträchtigt dich nicht so aber wenn du es nicht mehr nimmst wirst du erst merken wie fertig und kaputt du warst und es wird dir viel besser gehen ,da gebe ich dir mein Ehrenwort. Du willst doch was erreichen oder? Mach einen Entzug, kiff was bevor du wieder zu dem schei++ Zeug greifst. Hab ich auch so gemacht und dann das Kiffen abgesetzt. Du bist noch jung und hast eine einmalige Mutter die dich wirklich lieb hat, kannst noch alles erreichen doch irgendwann ist es zu spät, dann ist das einzige was dir bleibt dein dope und dein alk, das dich schließlich irgendwann langsam töten wird. Viel Glück. Wenn du hilfe brauchst oder jemanden zum Reden, hab immer ein offenes Ohr. lg
Noll M. am 17.01.2013Eintrag melden
Drogen- und -Alkoholmissbrauch verändert die Menschen. Der Konsument ist immer mehr Konsument als Mensch. Diese Leute verletzen ihre Liebsten so schwer, dass es keine vergleichbare Möglichkeit von solcher Gewalt gibt.
Jana am 17.01.2013Eintrag melden
Hallo Mamus , möchte auch was zu diesem Thema schreiben, weil ich nachfühlen kann, wie es anderen Müttern ergeht, dessen Kinder drogensüchtig und alkoholsüchtig sind. Meine Tochter konsumiert schon seit mehreren Jahren Drogen und trinkt jeden Tag Flaschen voll Alkohol. Zum Anfang wußte ich davon nichts, oder ich wollte es nicht wahrhaben. Dann mit den Jahren veränderte sie sich, sie wurde launisch, aggressiv, und behandelte mich wie den letzten Dreck. Sie erzählte mir gar nichts mehr weil sie überzeugt war, ich hätte ihr Vertrauen mißbraucht und sei ein abgrundtief bösartiger Mensch. Als hinterhältig, dominant, manipulativ usw. hat sie mich beschimpft. Es gab Zeiten in denen sie sich monatelang in ihr Zimmer verkroch und nur noch zum Essen holen raus kam. Ich habe sie in der Zeit vielleicht 5 Minuten am Tag gesehen. Ich litt unvorstellbar, denn ich wollte ihr mit allem was ich an liebe habe, immer nur helfen, doch das blockte sie immer brutal ab. Eines Tages brachte sie dann Leute zu uns, vor denen ich richtig Angst hatte. Einen davon nahm sie sich dann zum Freund. Der war dermaßen abartig und ungezogen, das ich ihn nie mochte und ihr das auch gesagt habe. Er mißbrauchte ihr Vertrauen in jeder Art und ich wollte sie vor sicherem Leid durch ihn schützen, aber sie schlug mich auf gemeinste Art mit Worten zurück. Die Beziehung endete dann auch nach kurzer Zeit und zwar genau so, wie ich und meine Freundinnen es bereits seit beginn wussten. Sie litt wie ein Hund und blockte mich noch mehr aus ihrem Leben als sowieso schon.
Ich bin dann dahinter gekommen,was mit ihr los ist. Von der Drogen und Alkohol Beratung habe ich mir dann Infos geholt. Ich dachte, es wird alles besser. Sie hat mir immer leere Versprechungen gemacht, auch das sie das Zeug nicht mehr anrührt, und immer wieder bin ich drauf reingefallen. Ich hab ihr geld gegeben,wenn sie nichts hatte, hab ihr Lieblingsessen gekauft, wollte unbedingt das sie begreift, wem sie wirklich wichtig ist und wer sich nur mit ihr abgibt, weil sie ihm eigentlich egal ist...usw.
Inzwischen bin ich ihr vollkommen egal, doch ich liebe sie trotzdem noch genau wie immer, obwohl ich es ihr nicht mehr so zeige, aus Angst, dass sie mich wieder nur quält...
Sie sehen, Sie sind nicht alleine Mamus. Vielleicht hilft Ihnen meine Geschichte etwas, weil geteiltes Leid ist halbes Leid. Liebe Grüsse von der Mosel.
Aldo am 15.01.2013Eintrag melden
Habe gerade bei meinem Arzt den Brief an deinen Sohn gefunden und möchte dir mein herzliches Beileid wünschen. Es muss entsetzlich sein, sein Kind sterben zu sehen und dabei so von ihm mit Füßen getreten zu werden... Man kann mich schwer berühren, aber dein Brief hat mich zum weinen gebracht. Ich wünsche dir endlich wieder Freude und dass dein Sohn endlich begreift, was er sich und euch als Familie antut und lernt, wertzuschätzen was er eigentlich mit euch hat! Bevor es zu spät ist.
Von Ceres am 15.01.2013Eintrag melden
Unterschied zwischen Co-Abhängigkeit (Co) und Genesung (Ge)

In der Co hängen meine guten Gefühle davon ab, dass Du mich magst.
In der Ge hängen meine guten Gefühle davon ab, dass ich mich mag.

In der Co hängen meine guten Gefühle von Deiner Achtung meiner Person ab.
In der Ge hängen meine guten Gefühle von meiner Selbstachtung ab.

In der Co beeinflusst Dein Kampf meine Ruhe und Gelassenheit.
In der Ge spielt Dein Kampf für mich eine Rolle, weil ich mich um Dich sorge, aber er bestimmt nicht, wie ich über mich selbst empfinde.

In der Co wird meine Selbstachtung dadurch gestärkt, dass ich Deine Probleme löse und Deine Muster erkenne.
In der Ge kommt meine Selbstachtung daher, dass ich meine Probleme löse und meine Muster erkenne.

In der Co konzentriert sich meine Aufmerksamkeit darauf, Dir zu gefallen.
In der Ge gefalle ich mir, selbst wenn es Dir nicht gefällt.

In der Co konzentriere ich mich darauf, Dich zu schützen und gebe Dir alles Materielle, damit Du stets mit Allem was Du möchtest und brauchst, versorgt bist.
In der Ge schütze ich mich, selbst wenn ich Dich dadurch manchmal ungeschützt lasse; ich unterstütze Dich in keiner Weise weil ich weiß, dass Du auf Dich selbst aufpassen kannst.

In der Co verstecke ich meine Gefühle, indem ich Dich mich zu lieben manipuliere, und die Dinge auf meine Weise zu tun.
In der Ge sage ich die Wahrheit über meine Gefühle, unabhängig von den Konsequenzen.

In der Co schiebe ich meine Hobbys und Interessen beiseite. Deine Interessen stehen im Vordergrund.
In der Ge gehe ich meinen Hobbys und Interessen nach, selbst wenn das bedeutet, eine gewisse Zeit von Dir getrennt zu verbringen.

In der Co weiß ich nicht, was ich will: Ich frage Dich und bin mir nur dessen bewusst, was Du willst.
In der Ge kenne ich nicht nur meine Wünsche und Bedürfnisse; ich spreche sie auch aus und handle, um sie zu erfüllen.

In der Co sind die Träume, die ich von der Zukunft habe, untrennbar mit Dir verbunden.
In der Ge gehören meine Träume mir, auch wenn Du darin nicht vorkommst.

In der Co bestimmt die Furcht vor Deiner Wut, was ich sage und tue.
In der Ge habe ich keine Kontrolle über Deine Wut - und sie hat keine Kontrolle über mich.

In der Co nutze ich das Geben, um mich in Deiner Gegenwart sicher zu fühlen.
In der Ge kann ich geben. Wenn es mir Freude macht, es aber auch lassen, weil es nicht der Sicherheit dient. Ich werde Dich nicht mehr aus Angst vor Deinem Abgrund unterstützen, egal in welcher Beziehung.

In der Co akzeptiere ich alle Deine Freunde, selbst wenn sie für mich und mein Eigentum äußerst gefährlich sind.
In der Ge hoffe ich, dass Du meine Freunde magst. Wenn nicht, werde ich es verstehen und akzeptieren, mich aber weiterhin mit ihnen treffen.

In der Co lege ich meine Werte beiseite, um Dir zu entsprechen.
In der Ge gehören meine Werte mir. Als Kern meines Seins sind sie unumstößlich.

In der Co schätze ich Deine Meinung und Deine Art, Dinge zu tun, höher ein als meine.
In der Ge schätze ich Deine Art und Dein Verhalten, aber nicht auf Kosten meiner eigenen.

In der Co steht die Qualität meines Lebens in untrennbarem Zusammenhang mit Deiner Lebensqualität.
In der Ge gibt es klare Grenzen, die meine Lebensqualität von Deiner unterscheiden und trennen.

In der Co sage ich alles frei heraus, suche krampfkaft Deine Freundschaft und Anerkennung, ohne Konsequenzen und Regeln aufzustellen. Ich frage nicht, was Du zu unserer Familiengemeinschaft beitragen kannst und willst, und ich verlange nichts dergleichen von Dir.
In der Ge bin ich nicht von Dir überwältigt und kann unangemessenes Verhalten erkennen und darauf reagieren.

In der Co übernehme ich automatisch die Verantwortung, wenn es sonst keiner tut, indem ich sage: "Einer muss es ja machen." - "Einer" bin immer ich.
In der Ge spüre ich, dass ich die Wahl habe, indem ich es an eine höhere Macht abgebe und darauf vertraue, dass für den anderen gesorgt ist, auch wenn es nicht durch mich geschieht.

(Von Susanne Hühn)
Nochmal Gerda am 15.01.2013Eintrag melden
Dies habe ich im Netz gefunden und eine Bekannte, die ich in der SHG Angehörige von Süchtigen kennengelernt habe, hat nach diesen Ratschlägen ihr Kind wieder "sauber" bekommen. Es ist bei ihnen jetzt so friedlich und glücklich zuhause wie bei mir.

Von Heide:

Grundbausteine,- mit denen ich als Mutter eines alkoholkranken und drogensüchtigen Kindes meinen Weg wieder finden konnte:

1. sich informieren:
a) was bedeutet es wenn das Kind drogen nimmt und trinkt, für das Kind selbst und auch für die Familie
b) wo bekomme ich für mein Kind Hilfe und ganz wichtig, wo bekomme ich selbst langfristig Hilfe
c) wie kann den Geschwisterkindern geholfen werden
d) wo kann ich mir akut Hilfe holen, wenn das Kind auf drogen oder betrunken "austickt" oder bewusstlos ist


2. sich nicht verschliessen:
a) jede Hilfe annehmen, vor allem für sich selbst.
b) nicht die Schuld das das Kind trinkt und drogen nimmt bei sich suchen
c) sich nicht schämen. Egal was das Kind in zugedröhnten Zustand auch gemacht hat! nicht ich habe es getan und es lag auch nicht in meiner Hand es zu verhindern. Ebenso wenig wie das drogen nehmen und trinken selbst.
d) reden, reden, reden. Immer wieder darüber reden oder auch die Gedanken aufschreiben
e) nichts auf das "schlaue Dahergerede" von Freunden/Bekannten und auch Familie geben. Sie wissen nicht wie es ist ein alkoholkrankes und drogensüchtiges Kind zu haben
f) Schule, Lehrstelle, Familie über die Erkrankung informieren.


3. sich nicht auf - geben:
a) auf sich schauen, sich Gutes tun.
b) sich nicht von Freunden zurück ziehen
c) sich nicht vom Leben zurück ziehen
d) sein eigenes Wohlbefinden nicht vom Zustand des Kindes abhängig machen
e) man darf es sich gut gehen lassen,- auch wenn das Kind auf der Strasse lebt
f) sich immer selbst immer wieder daran erinnern, das man keine Schuld hat, das das Kind trinkt
g) ganz bewusst nach "der Sonne im Innen und Aussen" suchen


4. sich nicht "erweichen" lassen:
a) immer konsequent bleiben,- in seinem Verhalten dem Kind gegenüber klar sein.
b) kein Geld geben,- lieber ein Butterbrot, wenn das Kind sagt das es hungrig sei
c) kein Auge zudrücken, bei massiven Regelverstössen vom Kind
d) dem Kind nicht alleine gegenüber treten
e) sich nicht auf Diskusionen einlassen
f) sich nicht erpressen lassen
g) die Polizei rufen wenn das Kind randaliert, sich oder andere zu verletzten droht
h) die Tür nicht aufmachen


5. sich selbst verzeihen:
a) wenn man unbändige Wut auf sein Kind verspürt
b) wenn es Momente gibt, wo man es ablehnt
c) wenn man es nicht mehr sehen und ertragen kann
d) wenn man sich wünscht, "das alles möge ein Ende haben, egal welches"
e) wenn man sich ablenkt, wenn man das Kind "wegschiebt"


6. Ganz wichtig ,- seinem Kind zu vermitteln
a) das man es zu seinem und zum Schutz anderer auch "einliefern lässt"
b) das man zwar sein Handeln im Rausch verurteilt, aber das Kind selbst nicht
c) das man mit ihm nicht zusammen leben kann, solange es trinkt
d) das man für alles was es betrunken und im drogenrausch anstellt, nicht grade steht, - das es das selbst "ausbaden" muss
e) das man da ist für es und ihm hilft, wenn es mit drogen und trinken aufhören möchte.
f) das man es trotz allem liebt.
Gerda am 15.01.2013Eintrag melden
Ich war jahrelang mit mit meiner alkohol und drogensüchtigen Tochter in einer gemeinsamen Wohnung und war am absoluten verzweifeln. Ich wollte mich schon öfter umbringen weil sie mich immer grausam zurückstieß, mich wegen allem beschuldigte und mich völlig aus ihrem Leben ausschloss. Dann habe ich einige Tipps bekommen und sie konsequent befolgt. Es dauerte zwar einige Zeit, aber heute bin ich wieder glücklich und lebe mit meiner inzwischen "sauberen" Tochter in einem vertrauensvollen und liebevollen Verhältnis unter einem Dach. Sie hat ihr Leben jetzt im Griff und ich bin so dankbar! Ich gebe Ihnen jetzt mal diese Tipps weiter.
Alles Gute und Liebe. GerdA

Was Sie für einen Suchtkranken im eigenen Zuhause tun sollten und wie Sie sich selbst damit stärken können

LASSEN SIE IHN INS OFFENE MESSER RENNEN
Er kommt völlig betrunken nicht aus dem Bett? Sie schützen beim Chef keine Erkältung vor. Er liegt fantasierend im Badezimmer? Sie reden ihn bei den Freunden nicht mit dem unangekündigten Besuch von Freunden heraus. Und stottern Sie nichts von Medikamenten und Nebenwirkungen, wenn er sich lallend auf dem Partybuffet abstützt. Sucht schafft Probleme. Und die soll der Suchtkranke auch zu spüren bekommen. Sie helfen ihm nicht damit, wenn Sie die Konsequenzen seiner Sucht decken.

KONTROLLIEREN SIE IHN NICHT
Zählen sie keine Flaschen, schließen Sie keine Medikamente weg. Ein Suchtkranker kommt immer an seine Mittel. Jeder Versuch, die Kontrolle für den anderen zu übernehmen, laugt Sie aus- und gibt ihm die Möglichkeit, seine Verantwortung auf Sie abzuwälzen.

STREITEN SIE SICH
Lassen Sie sich nichts versprechen, hoffen Sie nicht im Stillen, sondern konfrontieren Sie ihn deutlich mit den Problemen, die Sie mit seinem Verhalten haben. Aber nur, wenn er nüchtern ist.

ZIEHEN SIE SICH ZURÜCK, WENN ER DRAUF IST
Feien Sie nicht mit. Ist er berauscht, gehen Sie raus und machen Sie die Tür hinter sich zu. Mit dem Zugedröhnten wollen Sie nichts zu tun haben. Entziehen Sie ihm ihren Trost, wenn er mit Drogendepressionen angekrochen kommt.

BRINGEN SIE IHM ZUM ZWEIFELN
Sagen Sie nicht: Jetzt will ich erst mal sehen, ob er das auch durchhält. Oder: Das muss er mir erst mal beweisen. Unterstützten Sie vorbehaltlos jede Bewegung, die in die richtige Richtung geht; Selbstkritik, innere Auseinandersetzung, Zweifel, Suche nach Hilfe und Therapie.

BRECHEN SIE DAS SCHWEIGEN
Sprechen Sie mit Freunden, Familie und Arbeitskollegen über seine Sucht. Mitwisser zu haben, entlastet und befreit. Versuchen Sie in Gesprächen mit vertrauten Menschen herauszufinden: Was kann ich aushalten? Was bin ich bereit, noch mitzutragen? Die Grenzen des Erträglichen lassen sich nicht mit dem Süchtigen abstecken. Er wird nur seine Sucht verteidigen.

DROHEN SIE MIT KONSEQUENZEN
Sie haben eine Menge in die Waagschale zu werfen. Ihre Bereitschaft zuzuhören, mit ihm zusammen unter einem Dach zu wohnen, für ihn einzukaufen, für ihn Geld zu verdienen und auszugeben - das alles können Sie ihm entziehen. Ist er jeden Tag blau? Stellen Sie alle Flaschen, die herumliegen, zu ihm ins Zimmer. Halten Sie einen gepackten Koffer bereit. Aber drohen Sie nie mit etwas, was Sie nicht realisieren werden.

LEBEN SIE IHR LEBEN
Verabreden Sie sich, gehen Sie aus. Machen Sie was, was Ihnen gut tut - ohne ihn dabei einzuplanen.
onni am 14.01.2013Eintrag melden
ich bin auch borderlinerin alkoholikerin und nehme drogen schon seit ich 15 bin. ich bin jetzt 46. man hat den zwang alles zu zerstören was gut für einen ist und was einen lieb hat. es gibt keine heilung ich war schon in 100 verschiedene terapien und nie hats was genützt. mein mann hat sich im sommer aufgehängt weil ich ihn total fertig gemacht habe schon 8 jahre lang. man schaut immer nur zu wie man andere und sich selber kaput macht. es ist scheise aber so ist das.
M. Berg / @Mamus und Familie am 13.01.2013Eintrag melden
Wunderbare Mutter!

Ich konnte Ihnen nun doch bereits heute fast alles zusenden, was mir zu dem Problem Alkoholismus bekannt ist.
Als einen der wichtigsten Aspekte möchte ich Sie Eingangs darauf hinweisen, dass ALLE Alkoholiker Erklärungsmuster und Alibis für ihre Sucht finden.
Jeder Rausch hat in den Augen des Alkoholkranken einen plausiblen Auslöser. Dieser 'gute Grund zu trinken' ist nur ein Baustein in einem komplexen Erklärungsmuster, das er sich zurechtlegt, um sich zu schützen. In diesem System gehen Lügen und Selbsttäuschung oft Hand in Hand. Der Alkoholiker will vor der Umwelt, aber vor allem auch vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren. Die Bandbreite der Ausreden wird kontinuierlich größer.
Er versucht IMMER, die Gründe für sein Trinken an äußeren Umständen festzumachen (Ungeliebtsein, Beziehungskonflikte, Stress, Mobbing...) und die Hauptschuld daran gibt er STETS denjenigen, die ihn am meisten lieben. AUSNAHMSLOS sind 'Andere' oder 'Anderes' für das Dilemma verantwortlich. Dieses Erklärungsmuster wird auf alle Bereiche des täglichen Lebens ausgedehnt, da ja auch der Alkohol alle Sphären zu besetzen beginnt.

So wendet sich der Alkoholkranke (oft plötzlich, radikal und aus geringfügigen Anlässen) von ehemals geliebten Menschen ab aus Angst, dass sie ihn für sein Problem verachten könnten. Um nicht als bedürftig und schwach zu erscheinen, führt er als Gründe für eine Trennung an, er sei erst durch ihr 'falsches' Verhalten abgerutscht.
Arrogantes, narzisstisches, großspuriges und übertrieben selbstbewusstes Verhalten soll den zunehmenden Selbsthass kaschieren und einem Autoritätsverlust vorbeugen. Aber auch dadurch ist die soziale Isolation oftmals nur zeitweilig aufzuhalten.

Der Alkoholkranke wird (scheinbar grundlos) aggressiv, reizbar und übellaunig. Kritik, Hilfsangebote und Interventionsversuche stoßen auf Widerstand oder werden durch Ausflüchte abgewehrt. Sehr häufig wird der Mensch, der immer für ihn da war wenn er ihn am nötigsten brauchte, mit ehrenrührigen Beleidigungen verunglimpft. Er wird als Betrüger, Dieb, Vertrauensbrecher, Lügner usw. oft sehr schwer verletzt.

Das zum Selbstschutz und als Alibi für das Trinken entworfene Erklärungsmuster schafft Veränderungen im gesamten Leben des Alkoholkranken. Viele Freunde und Hobbies werden als 'Ballast' abgeworfen und durch eine 'affirmative' Umgebung ersetzt. Da viele Freunde und Angehörige das Ausmaß seiner Erkrankung selbst noch nicht erkannt haben, stehen sie diesen unerwarteten, aggressiven und ungerecht erscheinenden Attacken hilflos gegenüber.

Um weiterer Kritik von vorn herein aus dem Wege zu gehen, verbringt der Alkoholkranke immer mehr Zeit allein - oder aber mit Menschen, die entweder selbst (und mit ihm) trinken, die dem Trinken unkritisch gegenüberstehen und/oder ein typisch coabhängiges Verhalten an den Tag legen. Oftmals entstehen dadurch 'passive' Beziehungen, in denen man regelmäßig gemeinsam 'versumpft'.

Der Alkoholkranke verliert das Interesse an fast allem, was ihm einmal wichtig war, und beginnt sein Leben vollständig nach seinem Trinkmuster auszurichten. Die Beschaffung von Alkohol steht an erster Stelle; alles andere erscheint zunehmend bedeutungslos. Für geregelte Arbeit, Schule und intensive, aktive Beziehungen - auch innerhalb der Familie - fehlt nun die Kraft.
Arbeitsverhältnisse und Freundschaften werden vom Alkoholiker oft 'vorausschauend' aufgekündigt, bevor andere ihm kündigen können.
Diese Fluchtversuche schließen auch einen Ortswechsel nicht aus. Dort findet er häufig Leute, die sein jetztiges Leben nicht kennen. Es geht jedoch naturgemäß nur eine gewisse Zeit gut, da er auch dort nicht auf Dauer verbergen kann, wer er wirklich ist.

Sie und Ihre Familie haben mein ganzes Mitgefühl, liebe Mamus. Wenn Sie mich brauchen, bin ich gerne für Sie da. Ich werde Ihnen im privaten Bereich meine Kontaktadresse hinterlassen.

Herzensgrüße und viel Kraft wünscht M. Berg
M. Berg / Alkoholkrankheit - Die Anfangsphase am 13.01.2013Eintrag melden
Häufig bleibt der Beginn einer Alkoholabhängigkeit unerkannt, weil es dem Trinkenden gelingt, sein zunehmend problematisches Trinkverhalten vor seiner Umwelt zu verschleiern. Häufig ist sich der Betroffene selbst noch nicht darüber im Klaren, dass er auf die Abhängigkeit zusteuert. Freunde und Verwandte erkennen zwar in der Regel, dass der Alkoholkonsum überhand nimmt, schreiten aber oftmals nicht ein, um Anfeindungen aus dem Weg zu gehen und nicht als 'Spielverderber' zu gelten. Dabei ist gerade in der Anfangsphase eine rechtzeitige Intervention von größter Bedeutung und am ehesten von Erfolg gekrönt.


'Selbst-Therapie'

Alkohol wird zunehmend als Mittel zur Verminderung psychischer Spannungen und Ängste eingesetzt. Er wird bald zum unentbehrlichen Begleiter für Konfliktsituationen. Die Fähigkeit zur Abstinenz - vor allem in belastenden Momenten - nimmt ab.


Ständiges Denken an Alkohol

Da der Alkohol in zunehmendem Maße als 'Krücke' in jeder schwierigen Situation dient und andere Problemlösungsstrategien ersetzt, ist der Trinker nun darauf bedacht, immer einen Vorrat in der Hinterhand zu haben. Seine Gedanken kreisen zunehmend um den Alkohol. 'Vorsorgliches' Trinken, Veränderungen des Tagesablaufs und das Anlegen und Mitführen von Alkoholvorräten läuten die Abhängigkeit ein.


Vermeidung von Anspielungen

Der Suchtgefährdete beginnt, seinen Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zu reduzieren, und Gespräche über das Trinken zu vermeiden. Auf Nachfragen und Kritik reagiert er zunehmend ausweichend oder aggressiv.


Filmriss und Erinnerungslücken

Es kommt zu ersten mentalen Ausfallerscheinungen: Gedächtnislücken während des Rausches sowie Erinnerungslücken nach dem Rausch. Der Trinkende weiß am Morgen gelegentlich nicht mehr, was er am Abend vorher getan hat, oder er kann sich nur noch an Bruchstücke erinnern.


Gieriges Trinken

Die Menge des konsumierten Alkohols nimmt parallel zur steigenden Alkoholtoleranz deutlich zu. Der Gefährdete muss immer mehr trinken, um den angenehmen Effekt der Enthemmung und/oder Beruhigung zu erzielen. Er beginnt, Alkohol in größeren Mengen in sich 'hinein zu schütten', Spirituosen mit höherem Alkoholgehalt den Vorzug zu geben und zum Strohhalm im Bier zu greifen, um die Wirkung zu erhöhen.


Heimliches Trinken

Es beginnt die stete Suche nach Gelegenheiten, unbemerkt zu trinken. Ausreden, Lügen und Erklärungsmodelle für jeden Anlass sollen der Vertuschung des 'Lasters' dienen.


Schuldgefühle und Depressionen

Natürlich bleibt dieses veränderte Verhalten trotz aller Bagatellisierung weder dem Gefährdeten selbst noch seiner Umwelt verborgen. Schuldgefühle beginnen das Selbstwertgefühl zu zerrütten, was das Bedürfnis nach Alkohol noch verstärkt.


Der Beginn der Sucht

Die prodomale Phase der Sucht kann von mehreren Monaten bis zu vier oder fünf Jahren dauern. Ohne rechtzeitige Intervention geht sie nahtlos in die kritische Phase über. Die Alkoholabhängigkeit beginnt.
M. Berg / Alkoholkrankheit - Die kritische Phase am 13.01.2013Eintrag melden
Da sich gesundheitliche und soziale Probleme erst allmählich einstellen, besteht in dieser Phase in der Regel noch kein großer Leidensdruck; der Betroffene kommt eigentlich 'ganz gut klar' und sucht daher in den seltensten Fällen Hilfe. Oft hat er seinen Freundeskreis und seine Lebensgewohnheiten so weit umgestellt, dass sich der Alkoholkonsum noch ganz gut integrieren lässt, ohne von der Umwelt als störend empfunden zu werden. Sollte es doch einmal Probleme geben, werden sie auf Andere und Anderes abgewälzt, bagatellisiert oder im Alkohol ertränkt. Die Fähigkeit zu temporärer Abstinenz besteht meist noch, und Trinkpausen nähren die Illusion, alles 'im Griff' zu haben, obwohl dem schon seit geraumer Zeit nicht mehr so ist.


Kontrollverlust

Typisch für den Beginn der kritischen Phase sind Kontrollverluste. Schon nach einer geringen Menge Alkohol empfindet der Alkoholkranke ein intensives Verlangen nach mehr, das erst endet, wenn er zu elend ist, um mehr zu trinken. Dabei besteht jedoch noch ein Rest von Kontrolle.

Der Alkoholkranke versucht, über längere Zeiträume abstinent zu bleiben oder seinen Alkoholkonsum einzuschränken, scheitert aber immer wieder. Er beginnt, sich selbst Trinkregeln zu setzen ("nicht vor 14 Uhr", "keine harten Alkoholika", "nur ein Bier am Abend" usw.) Leider wird dieses System oftmals nicht nur durch seine eigene beginnende Sucht, sondern auch durch das Unverständnis seiner Umgebung zerstört ("Trink doch noch einen mit...") Bis zu diesem Zeitpunkt ist sich der Betroffene in der Regel noch nicht darüber im Klaren, dass er nicht mehr dauerhaft abstinent bleiben kann. Er versucht ständig, 'sich zu beherrschen', sich 'wieder in den Griff zu bekommen'.


Veränderungen des Trinkverhaltens

Die Gedanken kreisen nun fast ständig um Alkohol. Der Alkoholkranke ist darauf bedacht, in jedem Moment Zugang zu Alkohol zu haben, wenn er ihn benötigt. Er legt Notrationen an, versteckt Flaschen, trägt Flachmänner und 'Schluckis' bei sich, trinkt mit dem Strohhalm, um die Wirkung zu erhöhen... und ist dabei immer darum bemüht, sein Trinkverhalten noch 'normal' erscheinen zu lassen.

Da das Trinken ausreichender Mengen Alkohol in Gesellschaft oftmals nicht möglich ist, steigt der Abhängige zunehmend auf 'Hochprozentiges' um. Bei gesellschaftlichen Anlässen, Treffen mit Freunden usw. wird der Alkoholkonsum dagegen meist REDUZIERT und nicht mehr zum Thema gemacht, um nicht aufzufallen (eines der deutlichsten Anzeichen beginnender Sucht). Viele Alkoholkranke kommen bereits alkoholisiert zu Verabredungen und trinken heimlich weiter.

Um die Entzugserscheinungen abzufedern und den sozialen Verpflichtungen weiterhin nachkommen zu können, beginnt der Alkoholkranke schließlich auch morgens zu trinken. Die chronische Phase zeigt sich an.
M. Berg / Alkoholkrankheit - Die chronische Phase am 13.01.2013Eintrag melden
Ohne wirksame Intervention endet die chronische Phase der Alkoholerkrankung im körperlichem Verfall und/oder in geistiger Umnachtung. Gravierende soziale Folgen wie Obdachlosigkeit und Heimeinweisung stehen am Ende jeder 'ungebrochenen' Alkoholikerlaufbahn. Bevor es aber soweit kommt, durchläuft der Betroffene mehrere Phasen der Erkrankung, in denen die schlimmsten Entwicklungen durch konsequente Therapien noch aufgehalten oder gar umgekehrt werden können. Es ist also (fast) nie zu spät einzugreifen.


Verlängerte, tagelange Räusche

Jeglicher Widerstand gegen das exzessive Trinken bricht in der chronischen Phase. Allmorgendliches Trinken wird zum Bedürfnis. Der Alkoholkranke ist nun sehr häufig stark betrunken. Diese Zustände halten zuweilen über mehrere Tage an. Selbst die einfachsten Tätigkeiten werden zur Belastung und können oft gar nicht mehr ausgeführt werden; eine geregelte Arbeit ist unmöglich.


Beeinträchtigungen des Denkens, psychomotorische Hemmungen

Gedächtnislücken, Konzentrationsstörungen und eine stark verminderte mentale Leistungsfähigkeit sind kennzeichnend für die chronische Phase der Alkoholerkrankung. Dem Betroffenen fällt es schwer, seine Gedanken zu 'ordnen'. Er ist nicht mehr in der Lage, komplexe Tätigkeiten auszuüben.


Ethischer Abbau

Der Alkoholkranke kümmert sich zunehmend weniger um die Folgen seines Dauerrausches auf die Familie und sein soziales Umfeld. Es kommt zu peinlichen Szenen in der Öffentlichkeit. Wesentliche moralische Grundsätze - wie Verantwortung, Ehrlichkeit und Treue - werden im Zuge der unkontrollierbaren Sucht immer häufiger gebrochen.


Trinken mit Personen weit unter Niveau

Schamgefühle gegenüber Freunden und Bekannten und der Verlust der gewohnten gesellschaftlichen Stellung haben zur Folge, dass der Betroffene Anschluss nun vor allem in einem Umfeld sucht, das dem Trinken weniger kritisch gegenübersteht. Der Alkoholkranke gesellt sich zunehmend zu Trinkern und anderen Personen, von denen er keine Vorhaltungen zu erwarten hat.


Zuflucht zu technischen Produkten

Das Trinken wird zum unerträglichen körperlichen Zwang. Sind Bier, Wein und 'harte' Spirituosen nicht greifbar, muss der Alkoholkranke nun auf alkoholhaltige technische Produkte wie Haarwasser, Mundspülungen, Hustensäfte, Parfüms und Brennspiritus ('vergällter Alkohol') zurückgreifen. Daraus resultieren oft schwerwiegende körperliche Schäden durch Intoxikation.


Verlust der Alkoholtoleranz, 'besessenes' Trinken

Wenn früher immer größere Mengen Alkohol benötigt wurden, um den gewünschten Effekt zu erzielen, verträgt der Alkoholkranke nun zunehmend weniger. Schon relativ geringe Mengen Spirituosen können starke Rauschzustände auslösen, die dann aber wesentlich kürzer sind als früher. Deshalb trinkt der Alkoholkranke in immer kürzeren Abständen, wie 'besessen'. Dabei bekommt er bald nichts mehr mit, schaltet innerlich ab.


Undefinierbare Ängste, Zittern, schwere Entzugserscheinungen

Sobald der Alkoholspiegel unter das gewohnte Maß sinkt, treten undefinierbare Ängste auf, die von starkem Zittern (Tremor) begleitet werden. Jeder Kater ist nun durch deutliche Entzugserscheinungen gekennzeichnet und schreit geradezu nach erneuter Zufuhr von Alkohol. Während eines solchen 'kleinen Entzugs' treten psychomotorische Hemmungen auf, die das Verrichten von bestimmten Tätigkeiten schwierig machen, die eine gewisse Koordination verlangen (wie Korken ziehen, Rad fahren...)

Auch auf die Psyche hat ein sinkender Alkoholpegel gravierende Auswirkungen. Ständige Niedergeschlagenheit bis hin zu schweren Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken und traumatischen Neurosen sind keine Seltenheit. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen machen das soziale 'Funktionieren' immer schwieriger.


Unbestimmte religiöse Wünsche, Krisen und Depressionen

Da sich viele Alkoholkranke ihre Sucht nicht erklären können, suchen sie zunehmend Zuflucht in undeutlichen religiösen Vorstellungen. Weil die gewohnten Erklärungsmuster nicht nur Freunden, Bekannten und Kollegen, sondern auch dem Betroffenen selbst nicht mehr tragfähig erscheinen, kommt es häufig zu schweren psychischen Krisen. Viele Alkoholkranke suchen und akzeptieren erst jetzt professionelle Hilfe. Andere stürzen in so tiefe Depressionen, dass ihnen der Suizid als einziger Ausweg erscheint. Eine ärztliche Intervention in der Entgiftungsklinik (oft auch mit Psychopharmaka) ist nun dringend angezeigt. Eine Allgemeinklinik bietet dagegen meist weder eine ausreichende medizinische und psychologische Betreuung, noch das für die Gesundung nötige Klima der freundlichen Akzeptanz.


Schwere Erkrankungen von Geist und Psyche

Bei einigen schwer Alkoholkranken treten (nicht nur) während des Rauschs alkoholische Psychosen wie Schizophrenie auf (Stimmen hören, Verfolgungswahn...) Der weitere Verlauf der Krankheit ist durch Alkoholdelirien gekennzeichnet, die durch Wahrnehmungsstörungen, Ängste und Desorientierung gekennzeichnet sind. Halluzinationen, Polyneuropathien, Krampfanfälle sowie die verheerende Korsakow- und Wernicke-Erkrankung läuten das Endstadium ein, wenn nicht sofort eine dauerhafte Abstinenz mit intensiver medizinischer Betreuung in einer Entzugsklinik eingeleitet wird. Rückfälle sind jedoch in diesem Stadium der Erkrankung eher die Regel als Ausnahme.


Halluzinosen

Bei dieser selteneren Psychose bestimmen vorwiegend akustische Wahnvorstellungen das Krankheitsbild. Das Bewusstsein ist klar. Der ängstlich-gequälte Alkoholiker hört meist Stimmen mehrerer nicht anwesender Personen, die in seiner Einbildung über ihn "diskutieren und schimpfen". Manche Kranke versuchen, den "Stimmen" zu entfliehen. Sie verbarrikadierten sich wie "Belagerte" in ihrem Zimmer.

Die Alkoholhalluzinose tritt meist im mittleren Lebensalter auf, oft nach einer Periode von Trinkexzessen. Wird der Alkohol abgesetzt, so klingt die Halluzinose in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage ab. Trinken die Kranken wieder, kommt es leicht zu einer Wiederholung. Bei einem Fünftel der Fälle wird die Alkoholhalluzinose chronisch (schizophrenieähnlich). In vielen Fällen ist der Endzustand eine Demenz.

Zur Behandlung von Halluzinosen werden in der Regel Neuroleptika und bei Epilepsien Antikonvulsiva eingesetzt.


Krampfanfälle

Die Anfälle gleichen denen der Epilepsie. Sie treten ebenfalls häufig bei plötzlichem Entzug (20-30 % der Abhängigen) auf, allein oder als Begleiterscheinung des Delirs. Es gibt auch "nasse Krämpfe" während der Trinkphasen. Ist einmal ein Krampfanfall aufgetreten, bleibt die Neigung dazu chronisch. Bei jedem epileptischen Anfall kommt es zu einem Massensterben von Gehirnzellen.

Der Alkoholkranke stürzt wie ein Epileptiker plötzlich unter schweren Zuckungen und Krämpfen zu Boden und kann sich dabei ernsthaft verletzen. Erbrechen während eines Anfalls kann zum Tod durch Ersticken führen.

Vorbeugend werden Krampfanfälle bei den dazu neigenden Patienten (falls bekannt) mit Carbamazepin behandelt.


Wernicke-Krankheit

Die Wernicke-Enzephalopathie ist eine schwere alkoholbedingte Psychose, die nach einem Alkoholdelir auftreten kann. Sie ist die Folge einer Hirnschädigung, die - wie auch die Korsakow-Erkrankung - wahrscheinlich auf einen chronischen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) zurückzuführen ist. Der Übergang zum Korsakow-Syndrom ist fließend, weshalb die Krankheit oft auch Wernicke-Korsakow-Syndrom genannt wird.

Typisch für die Wernicke-Enzephalopathie sind:

* Schläfrigkeit und Apathie

* Augenmuskellähmungen und Doppeltsehen

* Beeinträchtigungen der Muskelbewegungen, Reflexstörungen, Störungen der Feinmotorik

* Sprech- und Schluckstörungen

* Bewusstseinstrübungen, Desorientiertheit, Schlafstörungen sowie

* verschiedene vegetative Störungen.

Nur bei absoluter Alkoholabstinenz mit gleichzeitiger Gabe von Thiamin (Vitamin B1) kann nach längerer Zeit die Leistungsfähigkeit unter Umständen partiell wiederhergestellt werden. Wird die Wernicke-Krankheit nicht behandelt, kann sie tödlich verlaufen. Überlebt der Patient, bleibt meist ein Korsakow-Syndrom zurück.


Korsakow-Syndrom

Diese schwerste Form der Gehirnschädigung durch Alkohol wurde nach dem russischen Psychiater Sergej Korsakow benannt, der sie 1880 erstmals beschrieb. Der davon betroffene Alkoholkranke erleidet durch das Absterben bestimmter Gehirnregionen einen gravierenden Gedächtnis- und Orientierungsverlust, der zur Folge hat, dass er unter Umständen überhaupt kein "Gestern" oder "Morgen" mehr kennt, sich räumlich nicht mehr orientieren kann, und auch engste Bezugspersonen nicht wiedererkennt.

Trotz aller Einschränkungen können jedoch Aufgaben, die auf eingespeicherten motorischen Programmen beruhen, ohne weiteres erlernt und und ausgeführt werden.

Einige Betroffene glauben in einer anderen Zeit und/oder an einem anderen Ort zu leben. Sie passen dann häufig auch ihr Verhalten dieser imaginierten Umgebung an.

Häufig ist die Merk- und Lernfähigkeit schwer beeinträchtigt. Neue Informationen können entweder gar nicht erst gespeichert oder nach der Aufnahme nicht artikuliert werden ('anterograde Amnesie'). Im Falle einer retrograden Amnesie kann der Patient die Vergangenheit nicht rekapitulieren oder mitteilen.

Ein weiteres Merkmal der Korsakow-Erkrankung ist die Konfabulation. Der Alkoholkranke erzählt Geschichten, die schlichtweg erfunden sind, aber von ihm als wahr empfunden werden. Häufig fließen in diese Erzählungen Versatzstücke tatsächlicher Begebenheiten ein. Leider ist die Korsakow-Erkrankung in der Regel durch Abstinenz nicht heilbar. Für viele Patienten endet der Raubbau an ihrer mentalen Gesundheit auf einer geschlossenen Station der Psychiatrie. Es ist anzunehmen, dass die weitreichenden Schädigungen des Hirns durch einen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) hervorgerufen werden, der wiederum durch die oft unzureichende und einseitige Ernährung vieler Alkoholabhängiger sowie durch alkoholinduzierte Stoffwechselstörungen verursacht wird. Es werden im Laufe der Erkrankung auch andere Teile des Hirns in Mitleidenschaft gezogen.


Alkoholdelir (Delirium Tremens)

Alkoholdelirien treten nach schwerem Alkoholmissbrauch machesmal schon nach einigen Monaten während eines starken Rausches oder während des Entzugs auf.

Ernstzunehmende Vorboten des gefährlichen Anfalls zeigen sich oft bereits Wochen vorher. Anlass zur Sorge und Intervention bieten:

Schlaflosigkeit, Zittern, Schreckhaftigkeit und vor allem furchteinflößende halluzinatorische Zustände bei Nacht, bei denen imaginierte Personen und Tiere in oft theaterähnlichen Szenen auftreten und den Alkoholiker bedrohen. Jede Form der Halluzination, und sei sie auch 'nur' akustisch, sollte Grund für einen Arztbesuch sein, um Schlimmeres zu verhindern.

Das 'Alkoholdelirium' oder 'Prädelir' ist Teil einer Alkoholpsychose, die durch verschiedenste optische und akustische Sinnestäuschungen gekennzeichnet ist. Die Persönlichkeit des Alkoholkranken scheint 'gespalten'. Blutdruck und Puls erhöhen sich, Zittern und starkes Schwitzen werden zum Problem.

Ein Delirium Tremens ist ein lebensbedrohlicher Anfall, der bei 50% der unbehandelten Fälle tödlich verläuft! Zu einem unfreiwilligen Entzug mit fatalen Folgen kommt es häufig nach Unfällen mit anschließender Einweisung in ein Krankenhaus, wenn das Pflegepersonal entweder nicht über die Alkoholerkrankung des Patienten informiert ist, oder die Tragweite eines plötzlichen Entzugs nicht erkennt. Bei der stationären Behandlung von Alkoholkranken ist immer äußerste Vorsicht geboten. Das Auftreten eines Delirium Tremens muss unter allen Umständen verhindert werden.

Beim extremen Rausch sowie auch beim plötzlichem Absetzen des Alkohols ohne fachärztliche Unterstützung kommt es bei schwer Alkoholabhängigen nach 1 bis 3 Tagen zu einer dramatischen Fehlschaltung im Gehirn, die verheerende Folgen hat.

Häufige Begleiterscheinung des Delirium Tremens sind:

1.) Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen (Einbildung von Stimmen, Personen) bis hin zur völligen Geistesverwirrung

2.) Starke Ängste, traumatische Zustände, Weltuntergangsstimmung, Verfolgungswahn (Achtung: Gefährdung des eigenen Lebens und des Lebens anderer!)

3.) Epilepsieartige Krampfanfälle bis hin zum 'Grand Mal' mit einer erhöhten Verletzungsgefahr

4.) Orientierungslosigkeit bezüglich Ort, Zeit und Situation; die personenbezogene Orientierung bleibt jedoch meist erhalten

5.) Erhöhte Beeinflussbarkeit, Minderung der Kritikfähigkeit

6.) Psychomotorische Unruhe (nestelnde Hände, Fahrigkeit, Gestikulieren, Schreien)

7.) Gefahr eines Kreislaufzusammenbruchs

Das Delir wird auch als Einbruch von Traumphasen in den Wachzustand interpretiert. Es dauert gewöhnlich 2 bis 5 Tage und klingt spontan ab. Manche Patienten zeigen vor dem eigentlichen Delir Prodomalerscheinungen (Schreckhaftigkeit, Angst, Zittern). Dieser Zustand wird Prädelir genannt. Ein Delir kann in ein Korsakow-Syndrom, eine alkoholische Demenz oder in die Wernicke-Krankheit übergehen.

Das Delirium Tremens kann nur auf einer Intensivstation behandelt werden. Es lässt sich mit Clomethiazol dämpfen (Blutdrucksenkung), nach Bedarf muss zusätzlich sediert werden, z.B. mit Benzodiazepinen. Nicht selten besteht bei häufig auf Entzug behandelten Patienten eine Abhängigkeit von Distraneurin (Clomethiazol). In solchen Fällen wird das weniger wirksame Butyrophenon (z.B. das Neuroleptikum Haloperidol) verwendet.
M. Berg / Persönlichkeit und Psyche des Alkoholikers am 13.01.2013Eintrag melden
Ob Menschen süchtig werden, hängt nicht nur von ihren Genen, sondern auch von ihrer Persönlichkeitsstruktur ab, die sich durch äußere Faktoren und innere Entwicklungen gefestigt hat.

Sicher hat jeder Mensch im Laufe seines Lebens Probleme in einem oder mehreren der besagten Bereiche. Ob er aber abhängig wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wenn genügend alternative 'Bewältigungsstrategien' für Persönlichkeitsdefizite und Konflikte vorhanden sind, sind die Risiken für eine Abhängigkeit auch bei erblicher Veranlagung und hoher 'Verfügbarkeit' verhältnismäßig gering.

Suchtgefährdet sind vor allem Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Ängsten und Phobien sowie mit ausgeprägter Affektschwäche und mit Störungen der Impulskontrolle.


+++ Psychische Störungen - Ängste und Depressionen

Studien zufolge fangen viele Depressive mit einer Veranlagung zur Sucht etwa 5 Jahre nach ihrem ersten depressiven Schub an, regelmäßig stark zu trinken.

Viele Menschen mit einer Familiengeschichte des Alkoholismus greifen oft schon in jungen Jahren zu Alkohol und anderen Drogen als Selbstmedikations-Mittel der Wahl und gegen aufkommende depressive Tendenzen. Bei unbehandelter Depression ist eine dauerhafte Abstinenz sehr schwer zu erreichen.

Einer besonderen Gefährdung unterliegen Menschen mit einer ängstlich-agitierten Depression, Angst- und Panikstörungen sowie Phobien. Alkohol ist für sie die 'ideale' Droge, weil er beruhigend, dämpfend und effektiv angstlösend aufs Zentralnervensystem wirkt.

Einer anderen Studie zufolge praktizieren bis zu 20% der Menschen mit sozialen Phobien (Kontaktstörungen) einen schädlichen Konsum von Alkohol. Das Rauschmittel hilft ihnen dabei, ihre Hemmungen, Ängste, Unsicherheiten und Minderwertigkeitsgefühle kurzfristig zu überwinden. Bei unbehandelter Sozialphobie sind viele Betroffene nur unter dem Einfluss von Rauschmitteln fähig, sozial angepasst zu 'funktionieren'.

Doch das Verhältnis von Alkoholmissbrauch und Depressionen ist alles andere als einseitig. Nicht nur fördern Depressionen nicht selten die Entstehung von Alkoholismus, sondern der Alkoholismus selbst ruft Ängste und Depressionen hervor.


+++ Alkohol als 'Selbst-Medikation' bei Persönlichkeitsstörungen

Menschen mit Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen (wie Borderline, ADS, Schizophrenie, antisozialen Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, depressiven Störungen und Narzissmus) nehmen nicht selten Zuflucht zum Alkohol als Mittel der Selbstmedikation, bevor sie andere Therapiewege ins Auge fassen. Gerade in diesen Fällen erfüllt das Rauschmittel häufig eine wichtige Funktion zur Stabilisierung der Persönlichkeit und sollte mit Bedacht 'abgesetzt' werden.


+++ Selbstwert-Defizite

Gerade Menschen mit Kontaktschwierigkeiten, sozialen Ängsten und Hemmungen sehen in Alkohol oft einen Ausweg, sich im Alltag freier zu bewegen. Zu Anfang verhilft der Alkohol in der Regel zu einer positiven Selbstsicht, zum Abbau von Hemmungen gegenüber anderen Menschen, zur Stresslösung, zur Freisetzung blockierter aggressiver und sexueller Impulse sowie unter Umständen auch zu einer größeren Kreativität. Beim Trinken ist es wesentlich leichter, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Menschen mit Unsicherheiten und Minderwertigkeitskomplexen verhilft der Alkohol zumindest zeitweise zu einem stabilen Ego. Er ist zu diesem Zweck vor allem immer dann das Mittel der Wahl, wenn schon in der Kindheit keine anderen Strategien zur Problem- und Spannungslösung und zur Stärkung des Selbstwerts eingeübt wurden.


+++ Geringe Frustrationstoleranz

Frustrationstoleranz ist die Fähigkeit, Enttäuschungen zu kompensieren oder Bedürfnisse aufzuschieben, ohne dabei in Aggression oder Depression zu verfallen. Menschen mit Defiziten in diesen Bereichen sind besonders gefährdet, alkoholabhängig zu werden.



+++ Störungen der Impulskontrolle

Als Störung der Impulskontrolle oder Impulskontrollstörung wird in der Psychiatrie und der Klinischen Psychologie ein Verhaltensablauf bezeichnet, bei dem ein als unangenehm erlebter Anspannungszustand durch ein bestimmtes impulsiv ausgeübtes Verhalten (z.B. exzessives Trinken) aufgelöst wird.

Das impulsive Verhalten wird dranghaft, oft automatisch ausgeführt. Es wird zwar bewusst erlebt, kann aber willentlich nicht oder nur schwer verhindert werden. Impulskontrollstörungen können somit als eine Form der Willensschwäche bzw. Volitionsstörung aufgefasst werden.

Voraussetzung für eine Bewertung impulsiven Verhaltens als psychische Störung ist, dass es als "unangepasst" gelten kann, also entweder nicht den vernunftorientierten Zielen der betreffenden Person entspricht oder dem Betroffenen selbst oder anderen Personen Schaden zufügt (z.B. Schulden, Unfälle, Verletzungen). Das ist bei der Alkoholsucht eindeutig der Fall.


+++ Affektlabilität

Menschen mit einer ausgeprägten Affektlabilität leiden unter schnellen Stimmungswechseln. Sie werden von ihren Gefühlen häufig regelrecht überrollt, ohne die Ursache erkennen und eine Veränderung bewirken zu können. Die Affekte haben meist nur eine kurze Dauer, unterliegen vielfachen Schwankungen und wechseln ihre Grundstimmung. Auslöser für Stimmungswechsel sind dabei häufig zum Teil geringfügige äußere oder innere Anlässe. Alkohol bewirkt in diesen Fällen in der Regel eine erwünschte 'Einebnung' der Gefühlslage, die bewirkt, dass die Schwankungen nicht so drastisch ausfallen. Deshalb ist die Suchtgefahr auch hier groß, und beim Entzug ist besondere Vorsicht geboten.


+++ Selbstzerstörerische Impulse

Studien gehen davon aus, dass die Suizidrate bei Alkoholikern bis zu 75 mal höher ist als in anderen Teilen der Bevölkerung. Die mit dem missbräuchlichen Alkoholkonsum einhergehenden emotionalen und körperlichen Probleme bieten dafür ebenso Ursache und Anlass wie sozialer Druck und Abstieg, Vereinsamung, Scham und Selbsthass.

Alkoholexzesse und Rückfälle nach Abstinenzen können oftmals auch als ein Versuch (indirekter) Selbstzerstörung betrachtet werden. In diesem Fall bewirken Methoden der 'Abschreckung' (Hinweise auf schwere Erkrankungen etc.) in der Regel nichts, denn der Betroffene ist ja ohnehin fest entschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Oftmals wird der Wunsch nach Selbstzerstörung schon in der Kindheit angelegt. Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung, nicht kindgemäße oder fehlende Erziehung und - last but not least - Alkoholismus in der Familie sind zu großen Teilen dafür verantwortlich.

Der psychoanalytische Ansatz geht davon aus, dass in vielen dieser Fälle ein unbarmherzig strafendes Über-Ich durch Selbstvernichtung abgewehrt werden soll. Oftmals ist eine völlige Abstinenz vor diesem Hintergrund unrealistisch, so dass auch die Möglichkeiten kontrollierten Trinkens oder einer reinen therapeutischen Begleitung des Trinkens ins Auge gefasst werden sollten.


Alter, Geschlecht und gesellschaftliche Stellung
+++ Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen

Die Gründe für frühen Alkoholismus sind vielfältig. Missbrauch, Gewalt und Alkoholismus in der Familie, Depressionen, Vernachlässigung, Drogensucht, zu großer Druck in der Schule/Lehre und andere traumatisierende Erfahrungen stehen dabei ganz oben auf der Liste der Ursachen.

Gerade Kinder und Jugendliche unterschätzen oft die Wirkungen und Folgen exzessiven Alkoholkonsums. Sie sind daher stärker als Ältere gefährdet, durch Unfälle geschädigt oder getötet zu werden oder sich (oft ohne Vorsatz) das Leben zu nehmen. Bei Kindern und Jugendlichen schreitet der alkoholbedingte Verfall viel schneller voran als bei Erwachsenen, und die Alkoholabhängigkeit ist später hartnäckiger. Letzteres liegt unter anderem daran, dass das junge, flexible Hirn ein besonders starkes Suchtgedächtnis entwickelt.

Außerdem ist Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen häufig stärker akzeptiert als bei Erwachsenen, so dass Therapien oft erst spät zu greifen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Alkohol häufig der Problemlöser Nummer 1, weil andere Strategien gar nicht erst erlernt wurden.


+++ Alkoholmissbrauch im Alter

Vor allem ältere Menschen leiden häufig verstärkt unter Depressionen und Ängsten, die sie für Alkohol empfänglich machen. Die Gründe sind so vielfältig wie nachvollziehbar: Verlust des Arbeitsplatzes, völlige Umstellung des Tagesablaufs und der Lebensgewohnheiten, Verlust des Partners, Vereinsamung, Verlust der Selbstbestimmung, Perspektivlosigkeit, Einweisung ins Pflegeheim, körperliche Gebrechen, Nachlassen der kognitiven Leistungen...


Studien zufolge ist ein Drittel der älteren Alkoholiker schwer depressiv. Dabei werden die deutlichen Zeichen der Depression und des Alkoholmissbrauchs leider oft von vielen Ärzten als normaler Alterungsprozess abgetan und missverstanden. Deshalb gelangen noch immer viel zu wenige ältere Menschen in den Genuss effektiver Sucht- und Depressionstherapien (zynischer Weise wohl auch aus Kostengründen).

Dabei wirkt Alkohol auf das Zentralnervensystem Älterer viel stärker als auf jüngere Konsumenten. Schon bei relativ geringen Mengen stellen sich stärkere Rauschzustände ein. Durch eine im Vergleich zu Jüngeren allgemein schlechtere gesundheitliche Verfassung kann der Alkohol in wesentlich kürzerer Zeit größere Schäden anrichten.


+++ Gesellschaftlicher Kontext

Alkoholismus ist in hohem Maße ein soziales Problem, weil Entstehung, Verlauf und Folgen stark an kulturelle und gesellschaftliche Gegebenheiten gebunden sind. Dennoch kommen viele Studien zu dem Ergebnis, dass Alkoholismus in allen sozialen Gruppierungen und Schichten zu etwa gleichen Teilen vorkommt. Eine Ausnahme bilden nach einer Studie von Henkel 1992 nur die Wohnungslosen, bei denen ein Drittel alkoholgefährdet, ein weiteres Drittel alkoholabhängig ist. Die Folgen von Alkoholmissbrauch sind in sozial benachteiligten Gruppen jedoch gravierender als in anderen. Der Anteil trinkender Frauen ist höher, und auch die Sterblichkeitsrate ist erhöht.

Auch bei wohlhabenden Selbständigen scheint der Anteil der Alkoholiker etwas größer zu sein. Bei gut situierten Menschen mittleren Alters nimmt der Alkoholkonsum mit dem Einkommen zu.

Folgende Faktoren scheinen das Risiko einer Abhängigkeit zu erhöhen:

* Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Armut

* Einsamkeit, Beziehungslosigkeit

* Fehlende Interessen

* Stress, (Rollen)Druck

* Trinkende Vorbilder ('Peergroup')

* Hohe Verfügbarkeit von Alkohol (bei Kellnern etc.)

* Zugehörigkeit zu trinkfreudigen Milieus (Journalisten, Künstler...)

* Zugehörigkeit zu trinkfreudigen Landstrichen (Irland, Bayern...)
M. Berg / Biochemische Veränderungen im Hirn - das Suchtgedächtnis am 13.01.2013Eintrag melden
Am Suchtgedächtnis und am 'Craving' beteiligte Hirnregionen sind offensichtlich u.a.: die Inselrinde, der Precuneus, die Amygdala, das Anteriore Cingulum ACC, der Orbitofrontale Cortex OFC, der Dorsolaterale Präfrontale Cortex DLPFC, Nucleus Accumbens und Caudatus (ventrales Striatum), der Thalamus, die Hippocampi, der Postzentrale Gyrus sowie das Cerebellum. Viele dieser Hirnregionen sind am 'Belohnungssystem' beteiligt und haben auch Funktionen bei der Verhaltensinhibition/-regulierung.

Alkoholmissbrauch verändert die Struktur und den Chemikalienhaushalt des Hirns. Er schädigt die Neuronen (die Nervenzellen) und schränkt die Durchblutung der Frontallappen ein, was langfristig zu kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz führt.

Bei einem Mangel an Alkoholzufuhr bei bereits bestehender Abhängigkeit entstehen zwei Bedürfnisse:

1.) Unangenehme (Entzugs-)Erscheinungen zu reduzieren und

2.) die erwünschten angenehmen Wirkungen wiederherzustellen.

Alkohol erfüllt beim Alkoholiker also zwei Funktionen: 1. Stress zu reduzieren und 2. positive Gefühle hervorzurufen.


+++ Funktion 1: Stress reduzieren

Für Rastlosigkeit und Unruhe bei verringertem Alkoholpegel sind folgende Abläufe verantwortlich:

* Der Glutamatspiegel steigt. Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter in unserem zentralen Nervensystem. Durch erhöhte Ausschüttung kommt es zu einer Überreizung der Nervenzellen und damit zu Unruhezuständen.

* Der Noradrenalinspiegel und die Produktion des Adrenokortikotropen Hormons (ACTH) sind erhöht. Noradrenalin steigert den Antrieb, und ACTH wird auch als 'Stresshormon' bezeichnet.

* Das Aufkommen an Gamma-Aminobuttersäure (GABA) sinkt. GABA ist der wichtigste inhibitorische (hemmende) Neurotransmitter in unserem Zentralnervensystem. Er ist in den Basalganglien und im Kleinhirn vor allem an der motorischen Kontrolle beteiligt. Im Thalamus beeinflusst GABA die Einleitung und die Aufrechterhaltung des Schlafs. GABA wirkt beruhigend und angstlösend. Benzodiazepine und andere Beruhigungsmittel verstärken seine Wirkung. Bei einem Absinken des GABA-Spiegels kommt es zu Schlafstörungen, Ängsten und Unruhe sowie zu Störungen der Impulskontrolle.

Während des Entzugs und der Abstinenz führt der Wunsch nach Beruhigung am ehesten zu Rückfällen.


+++ Funktion 2: Positive Gefühle herstellen

Die angenehmen Gefühle während des Trinkens (Enthemmung, Beruhigung, Euphorisierung usw.) werden durch die verstärkte Ausschüttung bestimmter chemischer Substanzen und Botenstoffe (Neurotransmitter) hervorgerufen.

* Serotonin, ein wichtiger Neurotransmitter, steuert unter anderem Schlaf, Sex, Entspannung und Appetit. Ein niedriger Serotoninspiegel führt zu Depressionen. Deshalb heben viele neue Antidepressiva vor allem den Serotoninspiegel an, um die Stimmung zu verbessern. Serotonin wird im Volksmund auch als 'Glückshormon' bezeichnet.

* Dopamin ist ein anderer wichtiger Neurotransmitter, der unter anderem Euphorie und 'Belohnungsgefühle' hervorruft. Kokain und Amphetamine wirken ähnlich wie Dopamin. Eine Senkung des Dopaminspiegels führt zu Entzugserscheinungen wie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Mit zunehmender Abhängigkeit sinkt die Empfänglichkeit für Dopamin.

* Die vom menschlichen Körper selbst gebildeteten Opioidpeptide werden ebenfalls als 'Glückshormone' bezeichnet. Zu ihnen zählen beispielsweise die ß-Endorphine (ENDogene mORPHINE). Endorphin wird bei Lust, Sex, ausdauerndem Sport und freudiger Erregung ausgeschüttet.

Nach längerem Alkoholmissbrauch sinkt das Dopamin-, Serotonin- und Endorphinaufkommen dauerhaft - und mit ihm die Stimmung. Inzwischen ist der Alkoholabhängige aber davon überzeugt, dass sich durch das Trinken weiterhin angenehme Gefühle einstellen, obwohl dies eigentlich nur zu Anfang der Fall war und später die negativen Erfahrungen deutlich dominieren.
M. Berg / Ursachen der Alkoholsucht 1. am 13.01.2013Eintrag melden
+++ Niedriger Endorphinspiegel

Suchtgefährdete aus Alkoholikerfamilien haben häufig 'von Haus aus' einen niedrigen Endorphin-Spiegel. Diese Opioidpeptide werden bei ausdauernder sportlicher Betätigung, Lust und Freude ausgeschüttet. Ein chronischer Mangel führt zu Depressionen und ständiger Niedergeschlagenheit.

Alkohol erhöht (nur) zu Beginn der Abhängigkeit kurzfristig den Endorphin- und Serotoninspiegel und schafft somit erst einmal 'gute Laune', Selbstbewusstsein und Entspannung. Schon nach relativ kurzer Zeit stellt sich das Hirn jedoch auf die ständige Alkoholzufuhr ein; bald schon werden immer größere Mengen benötigt, um den gleichen Wohlfühl-Effekt zu erzielen.

Schließlich lässt sich das 'Ausgangslevel' an Serotonin gar nicht mehr erreichen. Der 'Kater' und der Mangel, Depressionen, Ängste und Aggressionen werden zum Dauerzustand.


+++ Große Alkoholtoleranz

Kinder deren Eltern während der Zeugung alkoholabhängig waren, scheinen einen unzureichenden Selbstschutz gegen Alkohol zu haben. Sie können in der Regel mehr trinken, ohne die Konsequenzen zu spüren, weil sie vom Körper keine 'Warnsignale' bekommen, die ihnen bedeuten, mit dem Trinken aufzuhören. Auch der Kater danach ist bei ihnen weniger stark ausgeprägt. Diese Toleranzentwicklung tritt übrigens auch mit zunehmender Abhängigkeit auf.

Andererseits müssen sie mehr trinken, um den gewünschten Effekt zu erzielen (z.B. Beruhigung und Enthemmung). Die Stressdämpfung ist dann aber häufig wesentlich wirkungsvoller, was wiederum das Trinken sehr angenehm erscheinen lässt.

Für diese untypischen Reaktionen auf Alkohol ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein genetisch veränderter Enzymhaushalt in der Leber verantwortlich. Alkohol wird viel schneller und in größeren Mengen abgebaut als bei 'unvorbelasteten' Menschen.


+++ Serotoninhaushalt

Bei erblich vorbelasteten Menschen ist der Serotoninhaushalt sehr oft gestört. Sie haben (wie auch Depressive) meist einen zu niedrigen Spiegel dieses Neurotransmitters, der im Hirn u.a. für Wohlbefinden, Essen, Schlafen und Entspannung zuständig ist. Um diesen Mangel auszugleichen, greifen sie zu Alkohol, weil er den Serotoninspiegel kurzzeitig erhöht.

Längerfristig sinkt der Serotoninspiegel durch die Anpassung des Hirns jedoch dauerhaft ab, und depressive Symptome stellen sich ein. Aggressivität, Impulsivität und der Abbau von Hemmungen (bis hin zu Gewalt und Suizidneigung) sind ebenfalls Folgen von Störungen des Serotoninhaushalts. Ein chronisches Defizit kann übrigens auch durch frühkindliche Traumata hervorgerufen werden.

Die serotonerge Regulation im Hypothalamus und in der Amygdala ist nach neuesten Studien gestört.

+++ Verstärkte Bildung von Salsolinol

Acetaldehyd ist ein Zwischenprodukt beim Abbau von Ethanol durch die Alkoholdehydrogenase. Es ist unter anderem für den Kater danach verantwortlich und verursacht langfristig Leber- und Zellschäden. Viele Menschen mit alkoholabhängigen Eltern haben (ebenso wie viele Asiaten und Teile der jüdischen Bevölkerung) einen Mangel an Acetaldehyd.

Die chemische Substanz Salsolinol bildet sich mit Hilfe eines Enzyms im Gehirn aus Acetaldehyd und Dopamin. Salsolinol erweckt das starke Verlangen, Alkohol zu trinken. Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung das Salsolinol bildende Enzym besitzen, tragen mit einiger Wahrscheinlichkeit ein höheres Risiko für Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit als solche, die das Enzym nicht bilden.

+++ Hypoaktivität der Amygdala

Einer amerikanischen Studie zufolge weist die Amygdala (der Mandelkern bzw. das emotionale Zentrum des Hirns) bei Jugendlichen deren Eltern während der Zeugung alkoholabhängig waren, eine deutlich verringerte Aktivität auf. Durch dieses Defizit geht diese Personengruppe eher Risiken ein - wie exzessives Trinken - als andere Menschen.
M. Berg / Alkoholismus - Folgen und Erkrankungen am 13.01.2013Eintrag melden
Wirkungen auf den gesamten Organismus

Durch die ständige Alkoholintoxikation wird der gesamte Organismus des Alkoholikers geschädigt. Die Beeinträchtigung der Funktion eines Organs hat wiederum Auswirkungen auf alle anderen Organe, so dass sich nach dem Erreichen eines bestimmten Stadiums das Krankheitsbild rapide verschlechtert. Der Tod durch Leberzirrhose, Blutung der Krampfadern in der Speiseröhre oder die Einweisung in ein Heim wegen Alkoholdemenz sind oft die deprimierenden Endstufen einer 'Alkoholikerlaufbahn'. Außerdem ist die Suizidrate bei Menschen mit Alkoholproblemen wesentlich höher als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Dennoch ist es für eine Therapie (fast) nie zu spät, und die meisten alkoholinduzierten Veränderungen des Körpers und Geistes können durch strikte Abstinenz - leider nur bis zu einem gewissen Grad wieder - umgekehrt werden.


Stark erhöhtes Krebsrisiko

Chronischer Alkoholmissbrauch erhöht deutlich das Risiko für Plattenepithelkarzinome der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes und der Speiseröhre. Das Krebsrisiko im Bereich des Mund- und Rachenraums liegt 2,5 mal höher als bei Alkoholabstinenten. Bei gleichzeitig starkem Tabakkonsum steigert sich das Krebsrisiko auf das 24fache. Obwohl Alkohol selbst kein Karzinogen ist, steigert er jedoch aufgrund zahlreicher Mechanismen die Empfindlichkeit der Schleimhaut gegenüber chemischen Karzinogenen.

Das Risiko eines Kehlkopfkrebses zeigt sich bei alkoholabstinenten Rauchern gegenüber alkoholabstinenten Nichtrauchern 12fach und bei gleichzeitig reichlichem Alkoholkonsum sogar 27fach höher.

Chronischer Konsum größerer Alkoholdosen erhöht die Gefahr eines Speiseröhrenkarzinoms etwa um das 10fache.


Lebererkrankungen

+++ Fettleber

Die Leberzellen enthalten Fetttropfen. Bei chronischem Konsum großer Mengen Alkohols kann das Fett nicht mehr vollständig abgebaut werden; das Volumen der Leber verdoppelt sich. Die krankhaft verhärtete Fettleber kann als Vorstufe zu einer schweren Leberschädigung betrachtet werden. Noch ist das Allgemeinbefinden kaum beeinträchtigt. Erste Symptome sind evtl. Appetitlosigkeit, Leistungsschwäche und Völlegefühl im Oberbauch. Erhöhte Gamma-GT-Werte und vom Fachmann ertastbare Vergrößerungen sind deutliche Indikatoren. Bei Abstinenz bildet sich die Fettleber meist zurück.


+++ Leberentzündung

Die zweite Stufe der Lebererkrankung, die Leberentzündung, kann verschiedene Symptome zeigen: von relativer Beschwerdelosigkeit über Hepatitis bis hin zum lebensbedrohlichen Leberversagen durch das giftige Abbau-Zwischenprodukt Acetaldehyd. Leberzellen sterben ab und werden nicht wieder ersetzt; die Leberwerte steigen an. Dieser Prozess kann durch fortgesetzte Abstinenz angehalten, aber nicht vollständig umgekehrt werden.


+++ Hepatitis

Die Fettleberhepatitis entwickelt sich meist nach jahrelangem Alkoholmissbrauch innerhalb kürzester Zeit und ist durch das Absterben von Leberzellen sowie durch Entzündungen gekennzeichnet. In schweren Fällen kommt es zum vollständigen Versagen der Leber.

Formen:

(- 1 -) Die anikterische chronisch persistierende Hepatitis

ist schwer zu diagnostizieren, da die typischen Symptome fehlen. Keine 'Gelbsucht', aber Appetitlosigkeit, Leistungsschwäche und Völlegefühl im Oberbauch; die Leber ist vergrößert.

(- 2 -) Die ikterische akute alkoholische Hepatitis

verläuft wesentlich dramatischer. Augäpfel und Haut färben sich gelblich. Die vergrößerte Leber ist meist druckempfindlich. Es können Fieber und eine erhöhte Leukozytenzahl auftreten. Oft zeigen sich neben Appetitlosigkeit und allgemeiner Schwäche Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.

(- 3 -) Die cholestatische alkoholische Hepatitis

geht mit Gelbsucht wegen Verschlusses des Gallenganges einher. Symptome: Oberbauchbeschwerden, leichtes Fieber, Leukozytose, Blutarmut und nicht selten ein übermäßiger Abbau der roten Blutkörperchen.

Da absterbende Zellen durch Bindegewebe ersetzt werden, kann die Alkoholhepatitis zur gefährlichen Leberfibrose führen.


+++ Leberzirrhose

Durch fortgesetzte Alkoholintoxikation kann sich infolge weiteren Absterbens von Leberzellen eine Leberzirrhose entwickeln. Die zunehmende Veränderung der Gefäßstruktur führt schließlich zum Zusammenbruch des Systems. Eine Entgiftung des Körpers kann von der Leber nicht mehr gewährleistet werden, es besteht akute Lebensgefahr.

30 bis 50% aller Leberzirrhosen werden durch chronischen Alkoholmissbrauch induziert. Jährlich sterben in Deutschland etwa 18.000 Menschen an einer alkoholbedingten toxischen Leberzirrhose.

Symptome: Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, Appetitlosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit und Blähungen, Verminderung der Libido bis hin zur Impotenz. Weiterhin: spinnennetzartige geplatzte Hautgefäße, Rötung der Handflächen und der Zunge. Die Leber ist vergrößert.


Speziell bei Männern: Brustbildung, Rückbildung der Hoden.

Bei fortschreitendem Krankheitsbild entwickeln sich Krampfadern entlang der Speiseröhre, weil das Blut nicht mehr durch die Leber fließen kann und sich durch die Venen der Speiseröhre einen Umweg sucht. Das ist gefährlich, weil die Krampfadern leicht reißen können. Dann schießt das Blut aus dem Mund, und die Patienten ersticken an ihrem eigenen Blut. Neben Blutungen treten unter Umständen auch krebsartige Entartungen auf. Es besteht akute Lebensgefahr.

Durch den Wasserstau in den Eingeweiden kommt es häufig zur Entwicklung eines Wasserbauches und zur Selbstvergiftung des Körpers durch Ammoniak im Blut. Ein langsamer qualvoller Tod beendet die Krankheit. Um diese Entwicklung aufzuhalten, ist strikte Abstinenz notwendig. Wird sie konsequent eingehalten, hat die alkolinduzierte Leberzirrhose relativ gute Heilungschancen.


Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

+++ Pankreatitis

Bei der Pankreatitis beginnt sich ein Teil der Bauchspeicheldrüse selbst zu verdauen. Die daraus resultierende Entzündung führt in schweren Fällen zu Blutungen, ernsten Gewebeschäden, Bauchraum-Infektionen und Zysten. Eine entzündete Drüse kann dazu führen, dass Enzyme in den Blutstrom eintreten und so die Lungen, das Herz und die Nieren erreichen, wo weitere Schäden auftreten können.

(- 1 -) Die chronische Alkoholpankreatitis

führt zur Zerstörung wichtiger Drüsenzellen (des Drüsenparenchyms) und damit zur Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie zur Verkürzung der Lebenserwartung. Während anfangs wiederholte Schmerzattacken mit Ausstrahlung in den Rücken auftreten, klingen die Beschwerden mit zunehmender Krankheitsdauer ab. In fortgeschrittenem Stadium kann völlige Schmerzfreiheit auftreten. Begleiterscheinungen: Diabetes, Fettstuhl und Gewichtsverlust sowie evtl. exzessiver Stuhlgang.

Etwa 70-80% chronischer Pankreatitiden werden durch chronischen Alkoholmissbrauch verursacht. Da die Alkoholpankreatitis zunächst aber nur geringe Beschwerden auslöst, wird sie oft übersehen, und das, obwohl mindestens 25% der Alkoholkranken entsprechende pathologisch-anatomische Veränderungen aufweisen.

(- 2 -) Akute Pankreatiden werden oft durch Alkoholexzesse ausgelöst und sind häufig Schübe chronischer Pankreatitis.

Symptome: Schmerzen im Oberbauch, die in den Brustkorb ausstrahlen, geschwollener Bauch, allgemeines starkes Unwohlsein. Möglich sind auch: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Fieber, erhöhter Puls. In schweren Fällen treten Gelbsucht, Bauchwassersucht, Pleuraergüsse sowie Schock- und Sepsiszeichen hinzu.


Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastrointestinale Störungen)

+++ Gastritis u.a.

Es kommt zu Entzündungen (Ösophagitis) und evtl. zum Riss der Speiseröhre und des Magens (Mallory-Weiß-Syndrom). Starke (oft tödliche) Blutungen sind die Folge.

(- 1 -) Die akute Gastritis

beginnt mit diffusem Druckgefühl in der Magengegend oder auch mit starken Schmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen können. Auch Völlegefühl, Blähungen und Appetitlosigkeit sind möglich. Oft sind Magengeschwüre die Folge; Eigentherapien durch Schmerzmittel wie 'Aspirin' oder 'Alka Seltzer' schädigen die Magenwand noch weiter.

Die Zunge ist belegt, und es kann Mundgeruch bestehen. Bei etwa 10% der Erkrankungen kommt es zu Blutungen, die sich in Bluterbrechen äußern können. Da das Blut sich meist schon mit Magensäure vermischt hat, hat es eine braun-schwarze Färbung ("kaffesatzartig"). Nimmt das Blut nicht den Weg über die Speiseröhre, sondern über den Darm, färbt sich der Stuhl schwarz.

(- 2 -) Die chronische Gastritis

verursacht meist nur wenig Beschwerden. Dazu gehören: unspezifische Oberbauchbeschwerden wie Blähungen, Aufstoßen oder Völlegefühl nach den Mahlzeiten. Bei längerem Bestehen der chronischen Gastritis Typ A entsteht die sogenannte "perniziöse Anämie", eine Form der Blutarmut. Vitamin B12 , das zur Bildung der roten Blutkörperchen benötigt wird, kann nicht vom Darm aufgenommen werden. Die Blutarmut macht sich durch Blässe, Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar.


Vergrößerung der Milz, Schädigung des Dünndarms, Hämorrhoiden

Durch die chronische Schädigung des Magens muss der Darm oft die Funktionen des Magens mit übernehmen. Er wird im Zuge dessen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Vitamine und Nährstoffe können nicht mehr vollständig aufgenommen werden; die Folgen sind Mangelerscheinungen, Unterernährung und Immunschwäche.


Tuberkulose

Dr. J. P. Zellweger, Lausanne, der Generalsekretär der "International Union against Tuberculosis and Lung Disease" (IUATLD), Europa, erläutert den Zusammenhang von Tuberkulose und Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit.

Alkohol hat eine eindeutig negative Wirkung auf die Immunität. Die Produktion von Zytokinen und deren Erkennung durch Alveolarmakrophagen, Lymphozyten und Granulozyten wird gestört.

In Studien aus den 50er und 60er Jahren wurde deutlich, dass das Auftreten von Tuberkuloseerkrankungen bei Alkoholikern höher ist als bei einer Kontrollpopulation (80% gegenüber 33%). Im Gegenzug ist bei Tuberkulosepatienten der Alkoholmissbrauch stärker ausgeprägt als in der Kontrollbevölkerung.

Die Verbindung zwischen Alkoholkonsum und Tuberkulose ist von großer klinischer Bedeutung. Die Patienten kommen meist spät zur Untersuchung, ihre Krankheit ist weiter fortgeschritten (52% der Alkoholiker haben Lungenkavernen gegen nur 25% der Kontrollpatienten), die Medikamente werden wegen alkoholassoziierter Krankheiten (Gastritis, Polyneuritis, Leberzirrhose) weniger gut vertragen und weniger regelmäßig eingenommen (Unterbrechung der Therapie in 64% der Fälle gegenüber 22% bei den anderen Patienten). Als Folge sind Sterberate und Rezidivrate höher als in der Patientengruppe ohne diese Risikofaktoren.

Das gehäufte Auftreten von Infektionen bei Alkohol- und Drogenabhängigen beruht heute hauptsächlich auf der zusätzlichen HIV-Infektion. Die Wirkung "harter Drogen" auf die Immunität ist weniger eindeutig. Rezidivierende Infekte werden verursacht durch unsterile Injektionen, Hypogammaglobulinämie, verminderte Zahl und Funktion der T-Lymphozyten und hepatitisbedingte Abwehrschwäche. Die Gefahr der Tuberkulose bei Drogenabhängigen liegt in der raschen Übertragung auf Drittpersonen in einem geschlossenen Milieu mit meist sozial marginalisierten Patienten.

Die Tuberkulose bei Alkoholikern und Drogensüchtigen erfordert besondere Aufmerksamkeit der behandelnden Ärzte und des öffentlichen Gesundheitswesens. Die Prognose der Tuberkulose bei diesen Risikogruppen ist weniger günstig und die Gefährdung der Gesellschaft größer. Ziel der Behandlung muss nicht nur die Heilung des Betroffenen sein, sondern auch die Vorbeugung der Übertragung der Tuberkulose, eventuell sogar von resistenten Keimen, auf Mitmenschen.


Zahnfleisch und Zähne

Alkoholmissbrauch verursacht Schleimhautveränderungen der Mundhöhle und begünstigt die Entstehung von Karies und Parodontitis in hohem Maße.

Bakterien setzen sich auf der Zahnschmelzoberfläche fest und bilden einen klebrig-sauren Zahnbelag: Plaque. Die darin enthaltenen Säuren zerstören die Zahnsubstanz. Die Mangelernährung vieler Alkoholiker führt zu Nährstoffdefiziten, die die schädigende Wirkung der Plaque noch verstärken.

Alkoholiker verlieren ihre Zähne zwei- bis dreimal so häufig wie Menschen, die kaum Alkohol konsumieren.


Herz-Erkrankungen

+++ Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie)

Beim Alkoholkonsum werden Hautgefäße erweitert, was zur gefährlichen Unterkühlung Alkoholvergifteter im Freien führen kann.

Während Alkohol das Risiko zur koronaren Herzerkrankung und damit zum Herzinfarkt herabzusetzen scheint, hat er auf den Herzmuskel bereits in geringen Mengen, die 40 g nicht zu überschreiten brauchen, eine negative Wirkung (Minderung der Kontraktionskraft). Am Herzmuskel lassen sich bei chronischem Alkoholabusus deutliche Schäden beobachten. Der Herzmuskel wird insuffizient. Die Folgen sind: Atemnot, Ödeme, Herzrasen und Herzvergrößerung bei gleichzeitiger Erschlaffung.

Schon geringe Mengen Alkohol täglich erhöhen den Blutdruck. Das Schlaganfall-Risiko steigt. Bei vielen Bluthochdruck-Patienten ist Alkohol die wesentliche oder sogar einzige Ursache. Alkohol steigert auch die Blutfettwerte und führt wegen seines hohen Kaloriengehaltes zu Übergewicht.


Schädigungen des Nervensystems

+++ Polyneuropathie

Schwerer Alkoholmissbrauch führt zu Erkrankungen des Nervenmarks und der langen Nervenbahnen mit Begleiterscheinungen wie Kribbeln, ziehenden Schmerzen und einem Taubheitsgefühl in den Händen und Füßen, evtl. auch Muskelkrämpfen, Muskelschwäche und Gangunsicherheit sowie geschwächten oder fehlenden Eigenreflexen (z.B. Knie- oder Achillessehnenreflexe) sowie Lähmungserscheinungen. Fehlempfindungen wie Hitze- oder Kältegefühl und Schwellungsgefühl sind nicht selten.

Diese Schäden können sich bei Abstinenz erst nach vielen Monaten bis Jahren, mitunter auch nie, zurückbilden. Die Gabe von Vitamin-B-Präparaten ist als Therapie angezeigt.


Muskelschwäche, Muskelabbau (Myopathie)

Heftige Schmerzen, Schwellung und Muskelkrämpfe


Erkrankungen des Blutes (Hämatologische Störungen)

+++ Anämie (Blutarmut)
+++ Funktionsstörungen der Leukozyten

mit einhergehender Verstärkung der Infektionsanfälligkeit
+++ Thrombozytendepression

der Mangel an zur Blutgerinnung unverzichtbaren Blutbestandteilen
+++ Makrozytose

die Vergrößerung der roten Blutzellen (Erythrozyten) infolge eines Mangels an Folsäure, Vitamin B6 und B12
+++ Gerinnungsstörungen


Stoffwechselstörungen, Veränderungen der Haut

Erweiterung der peripheren Hautgefäße, Rötungen, bleibende Erweiterungen kleiner, oberflächlicher Hautgefäße, spinnennetzartig auseinanderlaufende geplatzte Äderchen unter der Haut mit einem roten Fleck in der Mitte (Spider naevi), Rötung der Fußsohlen und der Handinnenfläche, Schuppen, Papeln und Pusteln, polsterartige Aufschwemmungen vorwiegend an Wangen, Nase und Kinn (Pschyrembel), Schwund der Geschmacksknospen auf der Zunge (Papillenatrophie)


Hormonelle Störungen

Die Verminderung männlicher Geschlechtshormone und der Anstieg weiblicher Sexualhormone bei Männern werden vermutet.


Veränderungen des Hirns

Bei jedem Rausch sterben Gehirnzellen ab. Ständiger Alkoholmissbrauch kann neben Funktionsstörungen bestimmter Hirnregionen auch die Schrumpfung des ganzen Gehirns bewirken ('Atrophie'). Da der Mensch etwa 100 Milliarden Hirnzellen hat, und das Hirn sehr anpassungsfähig ist, bleibt die geistige Leistungsfähigkeit über lange Zeit so gut wie uneingeschränkt (von Gedächtnisverlusten abgesehen). Die Selbstheilungskräfte des Hirns verringern sich aber in dieser Zeit stetig, weil die Zahl der zur Funktionsübernahme bereitgestellten 'Reservezellen' systematisch sinkt. Der geistige Abbau setzt meist erst nach einem mehrere Monate andauernden, täglichen Alkohol-Missbrauch ein, schreitet dann aber rapide voran.

Bei chronisch Abhängigen ist die Durchblutung der Frontallappen des Hirns deutlich eingeschränkt, so dass es zu hirn-internen 'Kommunikationsproblemen' kommt. Die Rückbildung des Kleinhirns führt zu Koordinationsstörungen, eingeschränkten Reflexen und Tremor (Zittern).

Alkoholmissbrauch schädigt vor allem auch den Hippocampus, der unter anderem für die Erinnerung, die Lernfähigkeit, die Emotionskontrolle sowie die Reizverarbeitung zuständig ist. Durch die Schrumpfung des Hippocampus kann es zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kommen. Vor allem bei Jugendlichen sind die Folgen des Alkoholmissbrauchs auf das Hirn gravierend.

Bei längerer Abstinenz bilden sich Hirnschäden manchmal zurück. Einige Veränderungen der Hirnstruktur sind jedoch unter Umständen bleibend, und ist der Abbau bereits weit fortgeschritten, ist eine Regeneration in der Regel nicht mehr möglich. Fortgesetzter schwerer Alkoholmissbrauch führt häufig zu psychiatrischen und neurologischen Störungen wie Depressionen, Halluzinationen und Verfolgungswahn.


Schädigung des Ungeborenen bei Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft

Mögliche Folgen:

1. Kleinwüchsigkeit und Untergewicht

2. Mikrozephalus ('kleiner Kopf')

3. Motorische Behinderung, Hyperaktivität, mangelnde Muskelstärke

4. Zu 90 Prozent sind geistige Schäden (Retardierung) zu erwarten! Sie können von einer Bildungsunfähigkeit bis zur Sonderschulfähigkeit reichen.

5. Veränderungen des Gesichts mit gerundeter Stirn, verkürztem Nasenrücken, 'asiatischem Auge' ('Epikanthus'), Lidfehlstellungen ('Ptosis'), stark ausgeprägten Nasolabialfalten, schmalem Lippenrot und zurückliegendem Kinn ('Retrogenie')

In wieweit der Embryo geschädigt wird, scheint davon abzuhängen, wie weit die Alkoholerkrankung der Mutter fortgeschritten ist. Die tägliche Alkoholmenge scheint dabei nicht relevant zu sein.

Die Zahl der pro Jahr in Deutschland geborenen, alkoholgeschädigten Kinder wurde 1995 auf 2.200 geschätzt.
M. Berg / Begleitende Angst, Depressionen und Drogensucht am 13.01.2013Eintrag melden
Warum sind Alkoholiker depressiv, und warum trinken Depressive?

Oft bedingen sich Sucht und Depression. Süchtige greifen zur Flasche, um ihre Depression zu therapieren, und der Alkoholkonsum macht durch seine schädigende Wirkung selbst depressiv. Drogen reduzieren das Bewusstsein und wirken somit schmerzlindernd - nicht nur im körperlichen, sondern auch im psychischen Sinne. Besonders Alkohol wirkt stark dämpfend und ist deshalb die bevorzugte Droge vieler Menschen mit Angststörungen.

Depressionen erzeugen ein negatives Weltbild. Sie machen aggressiv, lustlos und stumpf. Alle Gefühle sterben ab, das Leben wird unerträglich fade und erscheint sinnlos. Alkohol dagegen 'macht Stimmung' -, auch wenn sie negativ ist. Euphorie und Wohlgefühl münden bald in Gereiztheit und Unwohlsein, aber der 'Kater' bietet wenigstens ein sozial akzeptiertes (und für das Ego noch erträgliches) Erklärungsmuster für Trübsinn und Antriebslosigkeit.

Alkohol macht gesprächig und selbstsicher, baut Ängste und Barrieren ab, enthemmt und wirkt (anfangs) sexuell stimulierend. Eine Depression aber schafft Defizite in genau diesen Bereichen: Sie macht kontaktscheu, lustlos und müde, sie verringert das Selbstwertgefühl und das Verlangen nach Sex. Es ist also nicht verwunderlich, dass Menschen mit Depressionen 'zur Flasche greifen' - und damit langfristig die falsche Entscheidung treffen.


Zum Verständnis: Was bewirkt Alkohol?

+++ Die Wirkung von Suchtstoffen auf das Gehirn.

Die meisten Drogen ähneln Stoffen, die im Hirn vorhanden sind, und können deshalb auf im Hirn bereits angelegte Wirkmechanismen zurückgreifen (Bertha Madras). Sie wirken direkt auf die Neurotransmitter und werden in die Kommunikationsstrukturen eingebunden, als hätten sie eine natürliche Funktion. Die durch die Drogen eingehenden Impulse werden also nicht abgelehnt, sondern quasi 'eingemeindet' und ausgeglichen, um das Gleichgewicht weiterhin zu gewährleisten. Das Hirn passt sich an die regelmäßige Chemikalienzufuhr an, indem es sich so verändert, dass der Ausnahmezustand zur Regel wird. Wird also durch die Droge ständig Dopamin freigesetzt, verringert oder desensibilisiert das Hirn seine dafür zuständigen Rezeptoren, damit es nicht zu einem Überangebot kommt. Fällt die Stimulans weg, sinkt der Dopaminspiegel, und es kommt zu Entzugserscheinungen. Der Dopaminspiegel normalisiert sich zwar wieder, indem sich das Hirn erneut verändert, aber das dauert seine Zeit.


+++ Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Darüber hinaus werden bei körperlicher Abhängigkeit die Regionen des Hirns dauerhaft aktiviert, die für die Sucht zuständig sind. Es entsteht ein 'Suchtgedächtnis'. Man muss sich bewusst machen, dass allein die fortgesetzte Stimulierung und Aktivierung bestimmter Hirnzentren die Hirnstruktur auf lange Sicht verändert. Wieder andere Bereiche des Hirns werden durch mangelnden Blutfluss und toxische Einwirkungen direkt geschädigt. Bei längerem Bestehen unbehandelter Depressionen wird neuesten Studien zufolge der Hippocampus angegriffen, der für Konzentration und Gedächtnis von entscheidender Bedeutung ist.

Sowohl Alkoholiker als auch Depressive leiden oft unter Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche. Sie haben ein 'episodisches' Gedächtnis, sehen also rückblickend statt einer kontinuierlichen Lebenslinie nur (oft negativ gefärbte) Bruchstücke. Neue Erfahrungen werden in diese verzerrte Weltsicht eingebaut, so dass es häufig zu unrealistischen Einschätzungen des Erlebten kommt. Ein Beispiel dafür ist die Alkoholikerparanoia: Eine Person oder ein äußerer Faktor (die Eltern, die Arbeit, die Kindheit) werden für die Misere verantwortlich gemacht, und alle Gedankenkonstrukte basieren fürderhin auf diesem Erklärungsmuster.
Diese hochgradig subjektive Weltsicht dient dem Selbstschutz, indem sie die Verantwortung für das eigene 'Fehlverhalten' an das Umfeld delegiert - sie zerstört damit aber gleichzeitig soziale Bindungen und hemmt die Motivation des Abhängigen, selbst etwas zu ändern.


+++ Eingriff in den Serotoninhaushalt des Hirns

Depressionen führen dazu, dass der Serotoninspiegel im Hirn sinkt. Da Serotonin für unser Wohlbefinden eine entscheidende Rolle spielt, und Rauschmittel den Serotoninspiegel kurzzeitig anheben, trinken viele Depressive Alkohol, um den Mangelzustand zu beheben. Das ist aber eine 'Milchmädchenrechnung', denn auf längere Sicht sinkt der Serotoninpegel im Hirn durch Alkoholkonsum immer weiter ab, und die Trübsal greift weiter um sich.


+++ Eingriff in den Dopaminhaushalt des Hirns

Alle Drogen beeinflussen in starkem Maße auch das Dopaminsystem. Beim Alkohol werden die stimulierenden Impulse vom Vorderhirn zum 'primitiven' Stammhirn gesendet, das wiederum Signale zur Stimulation der Dopaminfreisetzung in die zuständigen Hirnregionen 'verschickt'.

Unser Hirn ist flexibel und auf Stabilität bedacht - es versucht die Reizstärken immer gleich zu halten. Wird es mit Dopamin überflutet, bilden sich auf Dauer Resistenzen gegen den Stoff, so dass immer mehr Dopamin benötigt wird, um die gewünschten Wirkungen zu erzielen. Die Rezeptoren werden entweder unempfindlich, oder ihre Zahl verringert sich. Das Rauschmittel hat jetzt eine feste Funktion im Hirn, die Sucht beginnt.

Wird der 'Stoff' nun einmal nicht mehr zugeführt, kommt es zu Depressionen, extremer Müdigkeit und Abgeschlagenheit, weil der Dopaminspiegel im nüchternen Zustand stark absinkt. Rückfälle sind also unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Hirn weiter nach stimulierenden Substanzen (z.B. Alkohol) 'verlangt', um den gewohnten Dopaminspiegel wiederherzustellen. Nach Entzug des Alkohols dauert es eine Weile, bis sich der Dopaminhaushalt wieder auf ein Normalmaß eingepegelt hat. Da auch eine Depression direkt auf das Dopaminsystem einwirkt, ist es wichtig, Sucht und Depression gemeinsam zu bekämpfen.


Zur Therapie von Sucht und Depressionen

Beide Erkrankungen - die Sucht und die Depression - müssen schon deshalb parallel behandelt werden, weil sie sich gegenseitig verstärken. Es ist also nicht ausreichend, bei einem depressiven Alkoholiker eine Entgiftung vorzunehmen: In der Entzugsphase würden die (unbehandelten) Depressionen unerträgliche Ausmaße annehmen. Das liegt zum einen daran, dass der Dopamin- und Serotoninspiegel absinken, was an sich schon depressiv macht, zum anderen aber auch daran, dass der depressive Patient nun 'ungeschützt' mit sich selbst konfrontiert ist. Alle die Depression auslösenden und verstärkenden Faktoren drängen nun an die Oberfläche des Bewusstseins, und das zu einem Zeitpunkt, wo die Entgiftung Körper und Psyche ohnehin schon übermäßig stark beansprucht.

Bei Abhängigen, die trinken, um starke Persönlichkeitsdefizite oder eine ausgeprägte 'Ich-Schwäche' zu kompensieren, ist es sogar außerordentlich gefährlich, nur einen Alkoholentzug einzuleiten, ohne andere begleitende Maßnahmen zu ergreifen. Für das stabilisierende Element Alkohol muss unbedingt ein Äquivalent gefunden werden, damit die Betroffenen nicht vollkommen abstürzen.


+++ Antidepressiva

Eine intensive Psychotherapie sowie die Behandlung mit Antidepressiva sind ratsam, wobei jedoch in Betracht gezogen werden muss, dass viele Antidepressiva nicht mit Alkohol eingenommen werden dürfen. Geeignete stimmungsaufhellende Medikamente (wie etwa Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) können aber den Alkoholkonsum bei depressiven Trinkern nachweislich stark verringern.

Kein Süchtiger wird allein durch eine Behandlung seiner Depression vom Verlangen nach dem Suchtmittel befreit. Eine Therapie der Alkoholabhängigkeit ist also in jedem Fall notwendig.


+++ Benzodiazepine und andere angstlösende Mittel

Einige Medikamente sollten nur im Notfall zum Einsatz kommen. Dazu gehören die Benzodiazepine: angst- und spannungslösende Medikamente wie etwa Diazepam und Valium. Sie können im Zusammenhang mit Alkohol gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen und auch allein zu neuen, schwer therapierbaren Abhängigkeiten führen. Benzodiazepine sind bei schweren Schüben so genannter 'ängstlich-agitierter' Depressionen sinnvoll, vor allem dann, wenn die Gefahr von Selbstverletzung und Suizid besteht. Sie wirken sofort stark beruhigend und angstlösend und können somit helfen, schwere Krisen zu überwinden, die sonst eventuell Kurzschlussreaktionen ausgelöst hätten. Auch in der Phase der Umstellung auf andere Medikamente können sie eine Hilfe sein, um grobe Abstürze abzufedern. Eine Einnahme von 'Benzos' über einen längeren Zeitraum ist gefährlich und kommt Medikamentenmissbrauch gleich. Im Zusammenhang mit Alkohol verstärkt sich die Wirkung des Beruhigungsmittels. Je nach Dosierung können lebensgefährliche Zustände auftreten. Ein Benzo-Entzug ist unangenehm, und jahrelanger Gebrauch der Substanz kann beim Absetzen akute bleibende Psychosen hinterlassen.

Benzodiazepine sind Medikamente, die Nervenzellen an der Ausbildung von Erregungen hindern. Verschiedene Salze bzw. ihre Anteile (Ionen) sind an der Erregungsausbreitung bzw. -hemmung im Gehirn beteiligt. Dabei wirken Natrium und Kalium, Kalzium und Chlorid bei der Erregungsausbreitung mit. Zusätzlich ist ein Überträgerstoff, die Gamma-Amino-Buttersäure (GABA,) beteiligt. Dieser Stoff wird in einen Spalt zwischen den Nervenzellen ausgeschüttet und führt an der benachbarten Zelle dazu, dass mehr Chlorid in die Zelle einströmt und sie damit weniger erregbar wird.


+++ Psychotherapie

Eine kontinuierliche psychotherapeutische Betreuung über einen langen Zeitraum hinweg verringert das Risiko eines Rückfalls, indem sie die Persönlichkeit stabilisiert. Alkoholiker verlieren oft im Laufe der Abhängigkeit ihre Partner, Freunde und andere Bezugspersonen, so dass schon das regelmäßige Gespräch mit einem Therapeuten dazu dienen kann, den Teufelskreis von Einsamkeit und Trinken zu durchbrechen. Die Wiederherstellung eines gesunden Selbstwertgefühls sowie eines tragfähigen sozialen Umfelds erhöht die Chancen für eine langfristige Abstinenz. Die Gruppen der Anonymen Alkoholiker und ähnliche Programme bieten eine gute Plattform, um sich über Alkoholismus und Depressionen sowohl mit Fachleuten als auch mit Leidensgenossen auszutauschen. Kognitive Verhaltenstherapien können dabei helfen, neue Wege und Ziele zu erkennen, und gemeinsam Strategien gegen Rückfälle zu entwickeln.

Viele Stimmungstiefs treten übrigens erst Wochen nach dem Entzug auf, so dass langfristige Therapien in jedem Fall von Vorteil sind. Viele Veränderungen des Gehirns bilden sich erst nach einigen Jahren zurück. Gedächtnisstörungen nach jahrelangem chronischem Missbrauch bleiben sogar oft lebenslang bestehen. Die Positronen-Emissions-Therapie (PET) zeigt die Veränderungen im Hirn.


Was war zuerst da: Henne oder Ei, Sucht oder Depression?

Auch Depressionen, die scheinbar erst durch den Alkoholkonsum hervorgerufen wurden, müssen behandelt werden. Schließlich wirkt jede Depression über eine Veränderung der Hirnstruktur so massiv auf die Persönlichkeit ein, dass es ohnehin nicht möglich ist, zum psychischen Urzustand 'vor dem Trinken' zurückzukehren. Ein depressiver Mensch ist ein depressiver Mensch, egal, wodurch seine Depressionen ausgelöst wurden. Eine genaue Unterscheidung von veranlagten und durch die Abhängigkeit bedingten Depressionen ist daher nicht in vollem Umfang möglich oder auch nur sinnvoll. Dennoch ist es für eine fundierte Therapie-Entscheidung natürlich wichtig, festzustellen, welche Persönlichkeitsstörungen generell vorliegen. So müssen etwa Patienten mit bipolaren Störungen anders behandelt werden als 'rein' depressive.


+++ Die Wirkung verschiedener Drogen

Alkohol und Heroin wirken dämpfend und werden deshalb gerade von Menschen mit einer ängstlich-agitierten Depression zur 'Eigen-Therapie' von Angstschüben verwendet. Kokain und Amphetamine (Aufputschmittel, Speed, Pep) wirken dagegen stimulierend und dienen vielen Süchtigen zur kurzfristigen Überwindung von Kontaktängsten und vermindertem Selbstwertgefühl. Unter ihrem Einfluss kann es zu schizophrenem Verhalten kommen. Gerade bei Menschen mit mehreren Abhängigkeiten sind die jeweiligen Abhängigkeits-Symptome sowie auch die Depression besonders stark ausgeprägt, und es kommt nach dem Entzug häufiger zu Rückfällen.

Das liegt unter anderem daran, dass andere Drogen noch stärker als Alkohol auf den Chemikalienhaushalt im Hirn einwirken und damit bei ihrem Entzug zwangsläufig Depressionen auslösen. Amphetamine (Speed), Methylamphetamine (Chrystal), Opiate (Opium) bzw. Opioide (Heroin) und Halluzinogene (LSD) rufen durch ihre toxische Wirkung schon wenige Stunden nach dem Gebrauch Depressionen hervor. Wie auch beim Alkohol tritt nach dem Abklingen der stimulierenden Wirkung ein drogenspezifischer 'Kater' ein.

Opiate/Opioide (Opium, Heroin, bestimmte Medikamente) blenden die Zeit aus und lassen die Welt vergessen. Sie lindern zwar starke Ängste, wirken dabei aber auch dämpfend und depressionsverstärkend. Der Entzug von Opiaten ist besonders schmerzhaft und langwierig.

Partydrogen wie etwa Ecstasy rufen nach einem euphorischen Hoch einen bösen Kater hervor, der recht schmerzhaft sein kann. Selbst geringe Dosen schädigen das Gehirn, genauer gesagt, die Serotoninrezeptoren. Ecstasy verursacht einen starken Serotonin- und Dopaminstoß, der große Mengen dieser Substanzen freisetzt und damit ihre Speicherzellen zerstört. In der Folge wird eine weitere Serotoninbildung unterbunden; bei regelmäßiger Einnahme sinkt der Serotoninspiegel um bis zu 35 Prozent! Der Depression sind damit Tür und Tor geöffnet. Schon eine einzige Dosis Ecstasy kann bleibende psychiatrische Symptome hinterlassen. Die Schäden von häufigem Ecstasy-Konsum zeigen sich dabei manchmal erst nach Jahren, dann aber umso gravierender.

Kokain hemmt die Dopaminaufnahme, während Morphium Dopamin direkt freisetzt. Auch der Serotonin- und Noradrenalinhaushalt wird stark beeinträchtigt. Bei Kokain sind schlimme Abstürze vorprogrammiert (sie beginnen etwa 48 bis 72 Stunden nach dem 'Hoch'), so dass die Droge oftmals einfach deshalb wieder eingenommen wird, um den zu erwartenden 'Tiefs' zu entgehen. Soziales Funktionieren in einer Art Normalzustand ist dann nur noch 'auf Droge' möglich, so dass das Umfeld die Abhängigkeit häufig erst dann erkennt, wenn der Betroffene einmal freiwillig oder unfreiwillig abstinent ist. Die Kokainabhängigkeit erschöpft alle Neurotransmittervorräte, was langfristig zum totalen Zusammenbruch führt.

Der regelmäßige Konsum von Kokain und Amphetaminen schädigt die Dopaminsysteme des Gehirns in erheblichem Maße, so dass der Abhängige schon aus rein physiologischen Gründen ständig depressiv gestimmt ist.


+++ Die Therapie mehrfach Drogenabhängiger

Ein großes Problem in der Behandlung mehrfach Drogenabhängiger besteht darin, dass ihre Urteilsfähigkeit oftmals so stark eingeschränkt ist, dass eine regelmäßige Medikamenteneinnahme nicht oder nur temporär möglich ist. Unregelmäßigkeiten in der Einnahme von Antidepressiva rufen aber selbst schwerwiegende Entzugssymptome hervor, was das Krankheitsbild weiter verschlechtert. Durch den Chemikalien-Mix kommt es zu unkalkulierbaren Nebenwirkungen, Psychosen und schweren organischen Schäden; die Suizidgefahr steigt.

Beim Einsatz von Antidepressiva bei mehrfach Drogenabhängigen ist also äußerste Vorsicht angezeigt. Eine ständige Beobachtung im klinischen Umfeld ist hier besonders sinnvoll. Ältere Trizyklika können im Zusammenhang mit Kokain das Herz schädigen, so dass diese Antidepressiva bei Kokainmissbrauch kontraindiziert sind. Besteht der Verdacht auf Drogenmissbrauch, müssen Antidepressiva gewählt werden, die mit den bevorzugten Drogen des Konsumenten keine potentiell schädlichen Verbindungen eingehen, auch wenn der Patient Drogenabstinenz gelobt. Regelmäßige Bluttests und die Kontrolle der Leberfunktionen sind hier besonders notwendig.
M. Berg / Alkoholikertypologie nach Jellinek am 13.01.2013Eintrag melden
Konflikt-, Gelegenheits- und Gewohnheitstrinker


+++ Der Alpha- oder Konflikttrinker

Er trinkt, um seelische Spannungen wie Frustration, Stress, Unlust und Depressionen abzubauen. Die psychische Abhängigkeit ist in der Regel noch gering ausgeprägt, eine körperliche Abhängigkeit besteht nicht. Der Konflikttrinker hat die Kontrolle über sein Trinken (noch) nicht verloren, man kann aber bereits von einem Alkoholmissbrauch sprechen.


+++ Der Beta- oder Gelegenheitstrinker

Sein Trinken wird durch soziale Umstände bedingt und begünstigt. Das exzessive Trinken findet im Freundeskreis oder auch im Arbeitsumfeld statt. In bestimmten 'Kreisen' gehören Alkoholexzesse zum guten Ton. Psychische und körperliche Abhängigkeit sowie Kontrollverlust liegen nicht vor.


+++ Der Gamma- oder süchtige Trinker

Der Gamma-Trinker hat die Kontrolle über sein Trinken verloren. Oft trinkt er solange weiter, bis ihm der Alkohol ausgeht, oder bis er zu betrunken ist, um weiterzutrinken ('Kontrollverlust'). Der süchtige Trinker kann über gewisse Zeiträume hinweg abstinent sein und ist deshalb oft der Überzeugung, noch nicht abhängig zu sein. Sein Trinken hat jedoch bereits negative körperliche und soziale Folgen. Eine bestehende psychische Abhängigkeit geht im Laufe der Zeit in eine körperliche Abhängigkeit über.


+++ Der Delta- oder Spiegeltrinker

Der Gewohnheits- oder Spiegeltrinker muss ständig dafür sorgen, dass ein ausreichender Alkoholspiegel sichergestellt ist, wenn er Entzugserscheinungen vermeiden will. Die Kontrolle über den Trinkzeitpunkt (das Ob und Wann des Trinkens) geht verloren, da nach zeitweiliger Abstinenz mit dem Absinken des benötigten Alkoholpegels der 'Jieper' einsetzt, und zur Vermeidung von Unwohlsein der Alkoholkonsum wieder aufgenommen werden muss. Der Deltatrinker ist zwar körperlich abhängig, neigt aber nicht zum exzessiven Trinken. Akute Räusche sind eher selten oder kommen gar nicht vor. Der Deltatrinker ist vom Alkohol physisch abhängig.


+++ Der Epsilon- oder episodische Trinker

Beim 'Quartalstrinker' liegen zwischen Perioden starken Trinkens Tage bis Monate normalen Trinkens oder gar Abstinenz. Während der Alkoholexzesse kommt es jedoch zum Kontrollverlust; akuter Rausch oder komatöse Zustände sind nicht selten. Der episodische Trinker ist zwar zur zeitweiligen Abstinenz fähig, aber vom Alkohol psychisch abhängig.


+++ Psychische und physische Abhängigkeit

Eine PSYCHISCHE Abhängigkeit liegt vor, wenn der starke Wunsch bzw. der Zwang besteht, Alkohol zu konsumieren, um dessen positive Wirkung zu erleben.

Bei der PHYSISCHEN Abhängigkeit sind Veränderungen von Steuerungsmechanismen im Nervensystem eingetreten. Zell- und Organfunktionen sind nun an die kontinuierliche Zufuhr von Alkohol gewöhnt und geraten aus dem Gleichgewicht, wenn das Rauschmittel ausbleibt. Der Körper kann im Zuge der 'Toleranzentwicklung' durch eine Steigerung des Enzymhaushaltes in der Leber immer größere Mengen Alkohol abbauen. Es wird daher immer mehr Alkohol benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt der erwünschte 'positive' Effekt des Trinkens (wie etwa Beruhigung, Euphorisierung oder der Abbau von Ängsten) gar nicht mehr ein. Der Konsum von Alkohol dient dem Abhängigen nun vorrangig dazu, die Entzugssymptome zu lindern (Zittern, Schwitzen, Ängste, Schlafstörungen...) Im Endstadium der Erkrankung, wenn die Leber und andere Organe bereits stark geschädigt sind, verträgt der Körper selbst geringe Mengen Alkohol nicht mehr.
M. Berg / Alkoholabhängigkeit behandeln am 13.01.2013Eintrag melden
Zur nachhaltigen Behandlung von Alkoholabhängigkeit mit dem Ziel vollständiger Abstinenz, zeitweiliger Konsumreduzierung oder der Vermeidung von Rückfällen gibt es keinen Königsweg.

Neu: Transkranielle Gleichstromstimulation hilft Verlangen zu reduzieren

Nach der ambulanten oder stationären Engiftung kommen verschiedene Therapieformen der Entwöhnung und Begleitung in Frage, um eine langfristige Verbesserung der Lebensqualität des oder der Abhängigen zu erreichen: Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Motivationsförderung, Medikamente, soziale Begleitung, aufsuchende Betreuung, Selbsthilfegruppen... Oft ist dabei die Persönlichkeit des oder der Therapierenden von größerer Bedeutung als die Therapieform. Wichtig sind aber vor allem zwei Dinge:

1.) dass die Behandlung auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist, und

2.) dass alle an der Lösung des Suchtproblems Beteiligten (Institutionen, Ämter, Behörden, Angehörige, Helfer) an einem Strang ziehen.

Einschränkungen finanzieller Art gibt es nur von Seiten der zuständigen Leistungsträger: den Rentenversicherern (LVA, BfA), den Krankenkassen und dem Sozialamt.
M. Berg / Coabhängigkeit - Eine Krankheit wie der Alkoholismus. am 13.01.2013Eintrag melden
Neuere Studien belegen, dass es für die Entwicklung einer Coabhängigkeit keiner besonderen Persönlichkeitsstruktur bedarf. Vor der Abhängigkeit weisen die Angehörigen der später Erkrankenden ein breites Spektrum an Charakterprofilen auf.
Zur Entwicklung der Coabhängigkeit braucht es quasi nur einen Abhängigen. Während des Zusammenlebens bilden sich bestimmte Verhaltens- und Interaktionsmuster aus, die beiden Betroffenen langfristig schaden.

Die im Anschluss aufgeführten Strukturen und Verhaltensweisen entstanden am Anfang der Sucht oder der Beziehung beim Versuch, das Problem zu lösen und/oder zu bewältigen. Erst im Laufe der Zeit wurden sie dann zu eingefahrenen Ritualen des Zusammenlebens, die ähnlich destruktive Tendenzen haben.

Viele der erwähnten Verhaltensmuster treten gleichzeitig oder rasch alternierend auf. Beispielsweise liegen Hass und Liebe, Wut, Verständnis und Mitleid in vielen Alkoholikerfamilien nah beieinander. Dabei spielen sich beide 'Parteien' im Laufe der Zeit immer mehr aufeinander ein; ihr Verhalten ergänzt sich komplementär und macht Veränderungen immer unwahrscheinlicher.

Auch wenn in Familien mit Abhängigen ständig übereinander geschimpft wird, scheint der Gewinn also noch größer zu sein als die erlittenen Verluste - auch wenn das von 'Außen' ganz anders aussieht. Schließlich schweißt nichts mehr zusammen als gemeinsam durchlittene Krisen. Die gegenseitige Abhängigkeit ist in Alkoholikerhaushalten viel größer als in anderen Familien.

Und wer sonst wäre bereit, gemeinsam die Fassade zu wahren und Extremsituationen durchzustehen, als derjenige, den man schon so oft auf Krisentauglichkeit getestet hat? Und wer sonst 'müsste' bei einem bleiben, egal, wie man sich verhält? Ein Äquivalent finden zu wollen, würde sich für alle Betroffenen schwierig gestalten. Und dass sie das wissen, das sie ausgeliefert sind, führt zu Hassgefühlen, denen Luft gemacht wird.


Folgen für den Co-Abhängigen

* Somatische Folgeerkrankungen von:

Herz (Herzinfarkt), Kreislauf (Bluthochdruck!), Magen und Darm

* Immunschwäche aufgrund von Selbst-Vernachlässigung und Dauerstress:

Gefahr von Ansteckungen und Krebserkrankungen nimmt zu

* Suizidgefahr, Selbstverletzungen

* Realitätsverlust, Verlust des Selbstwertgefühls

Ängste, Depressionen, Paranoia, Schizophrenie

* Eigener Substanzmissbrauch

Alkohol, Schlaf- und Schmerztabletten, Psychopharmaka, Drogen
M. Berg / Was kann ich für den Abhängigen tun? am 13.01.2013Eintrag melden
Sagen Sie Ihrem Sohn ruhig, aber eindeutig, dass er ein Suchtproblem hat, mit dem er alleine (= ohne professionelle Hilfe) nicht fertig wird. Vermeiden Sie dabei Schuldzuweisungen und Vorwürfe, und wählen Sie dafür einen Zeitpunkt, an dem er 'nüchtern' ist.

Versuchen Sie herauszufinden, ob Ihr Sohn sich wegen seines verstärkten Alkoholkonsums selbst schon Gedanken macht.

Ein paar Tipps zur stressfreien und effektiven Kommunikation:

* Seien Sie empathisch und verständnisvoll. Lassen Sie Ihren Sohn reden. Gehen Sie nicht auf Konfrontation. HÖREN SIE ZU, STATT ZU REDEN.

* Versuchen Sie Ihren Sohn dazu zu bewegen, Ihnen mitzuteilen, warum er trinkt, und - allein oder gemeinsam mit Ihnen - das Für und Wider des Alkoholkonsums abzuwägen.

* Lassen Sie sich durch Angriffe und Protest nicht in Ihrer Haltung beirren, und nehmen Sie Verbalattacken nicht persönlich. Bedenken Sie, dass Ihr Sohn sich damit nur zu verteidigen versucht, weil er ja längst selbst weiß, dass er ein Problem hat.
Lassen Sie sich vor allem nicht einreden, Sie seien für den exzessiven Alkoholkonsum verantwortlich! Alkoholiker neigen dazu, die 'Schuld' nicht bei sich zu suchen, sondern in äußeren Umständen und vor allem auch in Menschen, die ihnen besonders nahestehen. Ziehen Sie sich diesen Schuh nicht an. Bedenken Sie: Letztlich ist jeder für sein eigenes Leben selbst verantwortlich.

* Nehmen Sie Ihren Sohn ernst, und stärken Sie ihm den Rücken, wenn er sein Verhalten ändern möchte. Stecken Sie sich gemeinsam neue Ziele.

* Und last but not least: Lassen Sie - wenn möglich - Ihren Sohn nicht fallen, aber lassen Sie auch nicht zu, dass Sie selbst an der Beziehung Schaden nehmen.

Wenn Ihr Sohn bereits ein 'Problembewusstsein' hat, ist schon viel gewonnen. Weisen Sie ihn darauf hin, dass seine Sucht eine Krankheit wie jede andere ist. Machen Sie ihm klar, dass er dagegen etwas tun kann, indem er Hilfe bei der Suchtberatung, bei einer Selbsthilfegruppe, bei einem Arzt oder Therapeuten sucht. Bieten Sie ihm an mitzugehen. Wenn Suchtkranke erkennen, dass sie Unterstützung benötigen und wenn sie bereit sind, diese Hilfe anzunehmen, besteht Hoffnung auf Veränderung. Sie können helfen, dieses erste Ziel zu erreichen.
M. Berg / Angehörige von Alkoholkranken am 13.01.2013Eintrag melden
Hinweise für Angehörige von Alkoholkranken


Was kann ich für mich tun?

Bedenken Sie:
Sie können am Alkoholkonsum des Abhängigen nichts ändern. Der Wille zur Veränderung muss im Alkoholiker selbst entstehen, und nur er ist in der Lage, seine Situation zu verbessern. Einen Alkoholiker, der das Trinken nicht aufgeben will, werden Sie durch nichts in der Welt dazu bewegen können! Nur er selbst kann sich von seiner Sucht befreien.

WER SICH NICHT ÄNDERN WILL, LÄSST SICH NICHT ÄNDERN.

Deshalb gilt: Obwohl Ihnen der Alkoholmissbrauch Ihres Sohnes nicht gleichgültig ist, sollten Sie ihn nicht unter Druck setzen. Es bringt nichts. Drohen Sie ihm nicht, und kontrollieren Sie ihn nicht. Sie provozieren damit nur Lügen, Aggressionen und innere Widerstände, die zur völligen Abkapselung führen. All das steht einer Heilung im Weg.

Auch wenn Sie wissen und verstehen, dass Ihr Kind an einer schweren Erkrankung leidet, müssen Sie sein Verhalten nicht in jedem Fall tolerieren. Setzen Sie sich klare Grenzen, und ziehen Sie diese Grenzen gegebenenfalls.

GEBEN SIE SICH NIEMALS AUF!

Denken Sie dabei immer auch an sich. Gehen Sie weiter Ihren Hobbies nach, treffen Sie sich mit Freunden, verbringen Sie Zeit ohne Ihr Kind, und versuchen Sie sich abzulenken und zu entspannen. Stecken Sie sich eigene Ziele unabhängig von Ihrem Sohn.
Wenn Sie schwach und unglücklich sind, verschwenden Sie nicht nur kostbare Lebenszeit, sondern können auch für Ihren abhängigen Sohn langfristig keine Hilfe sein.
M. Berg am 13.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus!
Ihr Brief an Ihren Sohn bewegt mich tief und seit vielen Wochen komme ich immer wieder hierher. Bitte nicht aufgeben, vor allem nicht Sie selbst. Das Leben ist kurz und Sie müssen nach vorne schauen, ansonsten gehen Sie mit Ihrer Restfamilie unter. Das wäre ein schlimmer Verlust nicht nur für sie, sondern für viele Menschen die bereits durch Sie wieder zu einem glücklichen und erfüllten Leben für sich gefunden haben. Lesen Sie einfach die Kommentare und dann wissen Sie genau, wovon ich spreche.

Mit Drogen allgemein kenne ich mich nicht so gut aus, dafür aber umso besser mit Alkohol. Da Ihr Sohn auch damit ein großes Problem zu haben scheint, möchte ich Ihnen gerne sagen, was es damit für eine Bewandnis hat und Sie über die Hintergründe aufklären. Sie scheinen nicht viel darüber zu wissen. Sobald ich Zeit habe, werde ich immer wieder mal neue Informationen dazu hier hinterlassen.

Viel Kraft für Sie und Ihren Sohn, dem ich wünsche, dass er wieder in ein Leben ohne Realitätsflucht finden kann. Er versteht noch nicht, was er sich und allen, die ihn lieben eigentlich antut. Mit Ihrer Hilfe könnte er es schaffen und vielleicht kann auch ich mit meinen Infos ein wenig dazu beitragen.
LG
dara am 11.01.2013Eintrag melden
hallo mamus

ich bin auch alkoholikerin, und ich kann nur sagen, hätte mir meine mutter nicht so viel abgenommen wäre ich sicher eher wach geworden. da ich selbst auch kinder habe kenn ich natürlich auch die seite und weiß wie schwer das ist. sei für deinen sohn da wenn er anfängt wirklich aufzuhören, aber ansonsten lass ihn machen. das ist schwer zu unterscheiden ob nur mal wieder geredet wird oder wirklich ein umdenken stattfindet. ein gutes zeichen ist es wenn dein sohn von sich aus was ernsthaftes mit ärzten unternimmt aufzuhören und sich regelmäßig zu treffen begibt. tut er das nicht ist auch keine anhaltende veränderung zu erwarten. einfach nur nichts trinken reicht einfach nicht aus.

es ist sehr schwer als mutter da auszusteigen, aber wenn du es nicht tust gehst du mit unter. ich wünsch dir die kraft die du brauchst um die richtigen schritte zu unternehmen. dein sohn ist nicht dein eigentum, aber du auch nicht seins. irgendwann muß er klar kommen oder unter gehen, so hart wie es auch ist, retten kann er sich nur selbst und manchmal muß man einfach los lassen.
Brigitte am 11.01.2013Eintrag melden
ڰۣ♥ڿڰۣڿ ALLES GUTE UND LIEBE ڰۣ♥ڿڰۣڿ
Andreas D. am 10.01.2013Eintrag melden
Für Julius, auf dass er gesund werde und wieder glücklich mit Mamus und seiner Familie leben kann.


Ein Stern am Himmel, ein Licht in der Dunkelheit.
So warm und hell als wenn er alles verzeiht.
Doch ist er real? Ich kann ihn nicht erreichen.
Finde nirgendwo ein positives Zeichen.

Der Weg ist steinig und nicht leicht zu gehn,
in der Ferne ein Drache doch er kann mich nicht sehn.
Aber er liegt auf meinem Weg, ich muss ihn überwinden.
Nun hilft es nichts mehr Zeit zu schinden.

Mit langsamen Schritten geh ich vorran,
immer im Zweifel ob ich das auch wirklich kann.
Irgendwas ist in mir und das gibt mir Mut,
wie eine zweite Persönlichkeit doch ist Sie auch gut?

Sie scheint ohne Furcht, frei von jedem Gefühl,
alles in allem wirkt Sie ziemlich kühl.
Sie sagt: Du musst weiter, dir bleibt kaum noch Zeit.
Wenn du jetzt nicht gehst, wirst du bald zur Vergangenheit.

Ich höre auf Ihn, gehe weiter und vertraue,
auch wenn ich`s am Ende vielleicht versaue.
Es wird warm um mich herum, ich nähere mich meinem Ziel,
ich höre das Brüllen des Drachen und von meinem Mut bleibt nicht viel.

Und dann steht er vor mir, ich erstarre vor Angst.
Wieder diese Stimme: Ich weiß das du das kannst.
Vertraue dir selbst, ich werde dich unterstützen,
ich gebe dir Kraft und werde dich gleichzeitig beschützen.

Doch wie kämpfe ich gegen einen Drachen? Ich seh ihm in die Augen
Er öffnet sein Maul und ich kann es kaum glauben.
Ich sehe das Feuer, es kommt auf mich zu,
es verletzt mich aber nicht und ich höre: "Jetzt kommst du".

Plötzlich halte ich ein Schwert, die Angst ist verschwunden,
ich weiß zwar nicht wie aber sie ist überwunden.
Und dann diese Kraft, ich beende die Not.
Ich bohre das Schwert in sein Herz bis zu seinem Tod.
Ich setze mich neben den Drachen, aus Minuten werden Stunden.
Der Stern ist nun nicht mehr wichtig denn ich hab meinen Frieden gefunden.

Probleme, und scheinen sie auch noch so bedrohlich zu sein
verbergen sich meist hinter oberflächlichem Sonnenschein.
Und egal als welches Monster sich das Problem präsentiert,
es ist nicht in der Lage mich zu verletzen, das habe ich kapiert.
Kim am 10.01.2013Eintrag melden
Liebe Mamus,

viele,die dich hier auf dieser Seite kennengelernt haben,sind in Gedanken bei dir.

Auch ich spüre, wie traurig du bist...

Ich glaube, wir alle die trauern können deinen Schmerz sehr gut nachempfinden.

Auch ich werde dir bestimmt keine große Hilfe sein, in all deinem Leid.
Trotzdem...fühle dich in den Arm genommen und ganz herzlich gegrüßt von mir.

Ich hoffe, du kannst schlafen...denn schlaflose Nächte in denen man ständig grübelt etc. rauben uns sehr viel Kraft.

Alles Liebe für dich!

Kim
Anni am 08.01.2013Eintrag melden
Ooooh man, wie traurig echt ;o((( Von ganzem Herzen mein aufrichtiges Mitgefühl !!! Bitte fühlen Sie sich einmal fest gedrückt !!!

Kinder sind unser aller Hoffnung und Zukunft, ein jedes das an Gift verloren geht, ist ein unendlich großer Verlust. Gott schütze die Familie und gebe ihr alle Kraft !
Lok am 07.01.2013Eintrag melden
Lok, mehrfachsüchtig.
Heute auf dem Weg der Genesung.
Glücklich und zufrieden zu sein, ohne mit Drogen sich aus der Gegenwart zu flüchten. Für mich kam der Punkt im November 2012, nach diesem Brief, der gleichzeitig meinen absoluten Tiefpunkt traf. Bis dahin habe ich vieles versucht, meine Sucht zu kontrollieren, immer eine Tür offen gelassen, vielleicht der erste zu sein, der es frei steuern kann.
Ich konnte es nicht, so kam der 20.11.12 - mein Tiefpunkt - der Zeitpunkt, wo ich kapitulieren musste, dass die Drogen stärker sind als ich. Mein Weg zum zufriedenen, trockenen Leben beginnt damit, dass ich vollkommen bereit war davon zu lassen. Dann musste ich die Zeit füllen in der ich früher konsumiert und nich da war - ebenso wie dran zu arbeiten. An meinen Verhaltensfehlern - es gab einen Grund, dass ich mich aus der Wirklichkeit gestohlen habe.
Ich habe das 12-Schritte Programm kennen gelernt, zuerst in realen Meetings und dann online sich mit anderen Süchtigen auszutauschen und in dem Programm zu arbeiten um ein glückliches Leben ohne Abhängigkeit zu führen. Sicher gibt es auch Momente, die mich nicht glücklich machen, aber das ist normal im Leben und das Programm lehtr mich, wie ich damit umgehe und das auch diese Momente ganz wichtig für mich sind. Glücklich sein, heisst nicht, dass man 24h am Tag Glücksgefühle hat. Das vergessen wir Abhängige sehr oft, weil mit Drogen diese Glücksgefühle erkauft werden konnten. Das Leben ist nicht einfacher geworden, aber für mich trotzdem besser. Mamus du bist ein toller Mensch!
Monch am 05.01.2013Eintrag melden
ich kenne ihre gefühle genau, denn ich mache das auch mit meinem sohn durch.
fühlen sie sich umarmt in ihrer verzweiflung
es wird irgendwann weniger
doch die liebe zu ihrem sohn bleibt ewig
alles gute,kraft und stärke wünsche ich ihnen
U. Seitz am 29.12.2012Eintrag melden
Der verlorene Sohn

Es ist Heiligabend die Straße wie leergefegt,
die Fenster erleuchtet vom Christbaumschein.
Als eine Gestalt sich durch den Schnee bewegt,
ein junger Mann an Weihnachten so ganz allein?

Nach vorn gebeugt als ob er mit Last beladen ist,
bleibt er öfters mal stehen, und stöhnt leise auf.
Unterwegs zur Mutter, ob sie ihn noch vermisst?
Sie kennt doch sicher auch seinen Lebensverlauf.

Die Schule nicht beendet, dann Lehre geschmissen,
abgerutscht in die Kriminalität, dann die Flucht.
Dafür hat er im Gefängnis nun büßen müssen,
er ist wieder frei, auch von seiner Drogensucht.

Nun sieht er schon von weitem das Elternhaus
und dort eine einzelne Kerze im Fenster stehen,
so wärmend trotz der Kälte, sieht die Flamme aus
darum beeilt sich der Mann um schneller zu gehen.

Manchmal scheinen sich Gedanken zu übertragen,
denn seine Mutter kommt ihm auch schon entgegen.
Weinend vor Glück sie sich nun in den Armen lagen,
dieser heilige Abend wird lange die Herzen bewegen.
loft am 29.12.2012Eintrag melden
liebe mamus ich bin cleen und troken geworden wei dein brief mir gezeigt hat wie arg ich meine mam und meine schwestern gequält habe und ich das nicht mehr gepakt habe. ich bin jezt seit 6 wochen sauber und ich bin noch für ein jahr in einer nachsorge und betreuder wohnungsgemeinschafd weil ich lieber unter kontrole bin fürs erste. leider hab ich keine eltern mehr weil mein vater im rausch vor ein auto gelaufen ist und meine mam sich die pulzadern aufgeschniten hat weil sie die sorgen mit mir und meinen vater nicht mehr leben konte. danke dir mamus das du mir geholfen hast entlich mit der ganzen scheise aufzuhöhren und wünsch dir das bei euch auch alles gut wird. lofti
Jürgen am 29.12.2012Eintrag melden
Hallo liebe Mamus
Man lebt zweimal:
das erste Mal in der Wirklichkeit,
das zweite Mal in der Erinnerung.
Denken Sie an Ihr Kind so, wie es früher einmal war. Dann ist die einstige Ehrlichkeit, die echte Liebe, die Freundichkeit und die Vertrautheit plötzlich wieder so real wie sie damals real war.
Wir denken an Sie und Ihre Familie.
Jürgen
Anja S. am 29.12.2012Eintrag melden
Alkohol

Dein Trost, dein Helfer und dein Frieden,
versunken in tiefster Freundschaft liebst du,
so sehr, so innig, so vertraut,
dass alles andere sinnlos wird.

Du siehst ihn an, kannst nicht widerstehen,
verbohrt, verzweifelt und doch so froh, dass es ihn gibt.
Kannst nicht an ihm vorüber gehen,
noch ein Schluck, ach noch ein Glas.

Er ist immer bei dir, wenn du es dir wünscht,
oder auch nicht, ist egal.,
dann holst du ihn dir, greifst zu,
vergisst deine Aufgaben, den Sinn deines Lebens.

Kannst ja versuchen, ihn zu ignorieren,
kannst es nicht schaffen,
denn er allein macht dich noch glücklich,
lässt dich leben, ist deine Aufgabe.

Warum nicht ich, warum nicht dein Vater?
Weil du ihn haben kannst,
ohne Kompromisse, ohne ein Widerwort?
Kannst ihn stillschweigend genießen, immer wieder.

Ich hab es gesehen, immerzu, immermehr,
liebst ihn mehr als mich und deine Nächsten,
wirst ihn nicht lassen,
denn er ist dein Trost und deine Zuversicht.

Und wenn ich weine, lass mich weinen!
Diese Tränen sind für dich.
Kann dich nicht retten, solange du nicht willst.
Kann nichts tun und bin verzweifelt.

Vielleicht kommt irgendwann der Tag,
an dem du endlich aufwachen wirst
und ich hoffe aus tiefsten Herzen,
dass es nicht zu spät sein wird.
Andresen am 29.12.2012Eintrag melden
Drogen und die Seele

Drogen und Alk töten die Seele von Menschen, die eine haben....
Seelenlose brauchen keine Drogen, keinen Alk - Sie sind schon tot!!!...
Drogen und Alk machen dich “normal” - ohne sie bleibt man ein einzigartiger von seiner Seele
lebender Mensch....

So hör auf DICH/MICH/UNS zu zerstören.....
E.G. am 29.12.2012Eintrag melden
Übergang in ein neues Jahr


Ersehnte Weihnacht ist schnell vorbei
noch sitzen wir bei Tannenduft und Kerzenschein.
Zu schnell vergehen festliche Stunden
beim Beisammensein in froher Runde,
und bald schon die Glocke statt zur Mette
zum Jahreswechsel ruft.

Zeit bleibt nicht stehen, sie hält nicht an
es scheint, sie läuft eher immer schneller davon.
Erschreckt bemerken wir wie die Jahre vergehen,
unser Kind ist erwachsen, gestern schien es erst zehn.
Wir werden älter, blicken oft schon zurück
manchmal wehmütig, doch dankbar für jedes kleine Glück.

Wir lassen gemeinsam die Tage passieren
denken an Schönes und Trauriges wie in jedem Jahr,
an alles was uns war beschieden,
sehr wichtig, bedeutsam,
oder ganz Besonderes gar.
Durften neue Freunde sogar noch finden,
wunderbare Menschen die wirklich echt.
Drum ist das Leben ausgewogen,
mal gut, mal besser, doch niemals wirklich schlecht.

Wir schließen nun ab mit diesem Jahr, begrüßen froh das Neue
mit Sekt und auch mit Glockenklang,
sollten neue Herausforderungen nicht scheuen.
Einen jeden Tag sollten wir bewusst leben,
was er uns auch bringen mag;
denn was auch kommt hat einen Sinn,
weil es uns wachsen lässt.

Danken wir gerne dafür,
sind froh über jeden neuen Tag,
so wird jede gute Stunde
zu einem ganz persönlichen Fest.
A.T. am 29.12.2012Eintrag melden
Ich bin in Tränen und völlig aufgewühlt. Liebe Mamus ich weine mit Ihnen. Mein Sohn hat ADHS und ich habe wahnsinnig Angst um ihn. Jetzt ist er 11 aber zeigt schon immer deutlichere Suchttendenzen. Vor kurzem habe ich gesehen wie er heimlich die von der angebrochenen Vodkaflasche im Kühlschrank getrunken hat. Ich habe so Angst vor dem was noch kommen wird.
Traurige Grüße aus Berlin
Adrian M. am 29.12.2012Eintrag melden
Liebe Mamus,

mein Sohn ist clean!!!

Es hat etwas gedauert bis ich diese Nachricht verfasste, doch ich wollte sichergehen, dass nicht wieder ein Rückfall eintritt.
Nachdem er am 28.11. Ihren erschütternden Brief las, hat er sich sofort an den Entzug gemacht und ihn mit Hilfe unseres Freundes, eines Arztes, konsequent durchgezogen. Die ersten Tage waren die Hölle in Reinkultur...
Heute ist er frei von Drogen und Alkohol. Mit seinen Freunden und seiner Freundin aus seiner Drogenzeit hat er jegliche Kontakte abgebrochen, seinen FB Account geschlossen, seine Telefonnummer hat er geändert usw. usw. Obwohl wir in einer Kleinstadt leben, funktioniert es hervorragend. Ich musste zwar insgesamt viermal die Polizei holen um die lästigen Drogenleute von unserem Grundstück entfernen zu lassen, aber nun ist Ruhe.
Das Suchtgedächtnis meldet sich zwischendurch immer wieder mal, doch er kann sehr gut mit Sport und seinen künstlerischen Fähigkeiten gegensteuern.
Im Januar wird er damit beginnen, seinen Schulabschluss per Fernlehrgang nachzuholen. Das Abitur und ein Studium zum Mathematiker (sein Kindheitstraum) sind unsere weiteren Ziele.
Unser Vertrauensverhältnis ist allumfassend geworden und wir sind zu einer Einheit zusammen gewachsen. Mein Traum, unser Traum, wurde wahr...
Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken kann! Alles würde ich dafür tun, Ihnen meine Dankbarkeit auch zeigen zu können, nicht nur mit Worten.
Oft werde ich hierher zurückkommen und Ihnen weiter berichten.

Ich bete täglich dafür, dass Ihr Julius es ebenfalls geschafft hat!

Nie werden wir vergessen, was wir Ihnen zu verdanken haben, verehrte Mamus. Sie sind ein großartiger, einmaliger Mensch! Sie waren unser Nothelfer... Niemals in unserem Leben werden wir Sie vergessen und nie wird unsere Dankbarkeit aufhören.

Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen, dass alles Leiden für Sie, Ihren Sohn, seinen Vater und Ihre Lieben beendet sein wird, und Glück, Gesundheit, Vertrauen und Freude bei Ihnen wohnen wird.

Adrian (Vater)
Marc (Sohn)
Holger (Freund und Arzt)
R.J. am 29.12.2012Eintrag melden
Liebe Mamus, zutiefst berührt möchte ich Ihnen hoffentlich etwas Trost geben dürfen:

Leben aber muss man das ganze Leben hindurch lernen,
und worüber du dich vielleicht noch mehr wundern wirst:
Auch sterben muss man das ganze Leben lernen.
Seneca

Frieden für Sie und Ihre Familie im Neuen Jahr wünscht Ihnen vom Herzen
Roland
R.J. am 29.12.2012Eintrag melden
Nichts geht für immer verloren,
auch dann nicht, wenn wir es
längst nicht mehr erkennen.
Du trägst in Dir, ich trag in mir
und auch von Dir
ein kleines Stückchen Ewigkeit.
Rico Graf am 28.12.2012Eintrag melden
Der Mordversuch an einer Rose

Die drei Brüder F., Drillinge, flanierten am frühen Morgen – die Scheibe äugte noch schwach und kraftlos – im kleinen, noch schlafenden Wäldchen umher und spürten den kühlen Atem des Windes in den Gesichtern. Sie waren trotz ihres gemeinsamen Blutes, ihrer Fleischverwandtschaft, doch im Geiste sehr geteilt. Ihre charakterliche Wesenhaftigkeit ließ sich in folgenden drei Nomen grob implizieren: der Botaniker, der Moralist und der Ästhetizist. Wir können gerade nicht wissen, wer der Älteste, wer der Mittlere und wer der Jüngste war.

Also spazierten die Gebrüder in wortkarger, doch geneigter, fast schwelgerischer Stimmung entlang des Haines. Und plötzlich: da! eine Blume – eine Rose am Wegesrand, ganz allein. Der Botaniker nahm mit einer funkelnden Neugierde in den Augen das kleine Rosenköpfchen in die Hand und betrachtete es: „Seht, eine Rosa! Sie hat rötlichbraune Stacheln, scharf, kegelförmig, spitz zulaufend, circa einen Zentimeter lang. Die laubgrünen Blätter sind gefiedert, ganzrandig gesägt. Kaum beachtenswerte Nebenblätter. Die Blüte sitzt einzeln und endständig auf dem Stiel. Hier: die Hochblätter, fünf Sepale, der Kelch aufgerichtet und drüsenbesetzt. Der Blütendurchmesser etwa fünf Zentimeter. Die Kronblätter sind rot. Vom Rande des Blütenbechers aufstrebend die Stamen mit ihren orangefarbenen Beuteln. Die Karpelle sind zahlreich, unverwachsen, vor allem ragen sie vom Hypanthium hoch. Die Griffel setzen seitlich an und sind frei. Die Narben sind kopfig. Der ganze Becher wirkt urnenförmig, oben zum Diskus ausgebildet. Mehr Wissen werde ich nur durch das Mikroskop herausbekommen. Ich schneide den Kopf ab.“

In diesem Augenblicke schubste der Moralist den Botaniker erzürnt zur Seite und rief: „Das tust du nicht! Es ist falsch!“

Der Botaniker machte einen irritierten Blick und fragte: „Was ist falsch? Es ist doch zum Wohle der Wissenschaft? Wie soll ich erkennen, wenn ich nicht habhaft werde?“

Der Moralist erwiderte: „Du bringst sie um! Bist du irre? Einsam steht das Blümelein, es ist nicht richtig ihr…welches Geschlecht hat sie?“

Der Botaniker: „Weiblich.“

„…ihr das Köpfchen abzuschlagen! Weißt du denn nicht, dass dieses weibliche Wesen hier ein Organismus ist? Lebt?“

„Sehr wohl weiß ich das.“

„So frage ich dich, würdest du auch mir den Kopf abschneiden, wenn dein Auge nicht mehr reicht? Mich unter deine Okularprothese schieben, wie es beliebt, nur um der, nein, deiner Wahrheit Willen?“

Der botanische Bruder wurde zornig: „Das ist ja! Du wagst es? Ich bin empört! Denkst du, dein Mund ist höher als mein Aug? Ich werd’ dir gleich!“

Er schubste seinen Bruder zurück. Jener schrie. Doch der dritte Bruder schnitt den beiden Streithähnen das Wort ab: „Ruhe! Ihr Hampelmänner! Dumme Strolche! Was streitet ihr?“

Die beiden anderen Brüder wendeten sich zu ihm, welcher just in diesem Moment auf die Knies niederfiel; dabei ging sein Oberkörper nach vorn, sodass er auch die Arme und Hände auf dem Boden abstützen musste, um nicht mit dem Kopf in die schmutzige Erde zu fallen. Die Bewegung wirkte beinahe rituell, zumindest aber theatralisch, obschon sich gleich zeigte, dass letzteres ganz und gar nicht der Fall war: „O liebste Rose! Du schönes Geschöpf! Sieh, wie ich mich vor dir verneige! Der Künstler sieht in dir die majestätische Vollkommenheit jedoch nicht… Sagte nicht Nietzsche in der Götzendämmerung: Dieses Verwandeln-müssen ins Vollkommene ist – Kunst? Was bedeutet aber majestätische Vollkommenheit zu deiner Vollkommenheit? Bloß menschliche! Kein Gedicht, kein Bild, keine Metapher kann die Schönheit deines lieblichen Antlitzes je beschreiben, je ermessen, je verstehen. Vermag die Poiesis es doch nie, dich in ganzer Reinheit auszudrücken, zu erschaffen. Ist alle imitatio doch nur künstlerisch-künstliche Schablone deiner natürlichen Schönheit, die weder Form noch Stoffe kennt! Und ist nicht schlimmer noch die Erfahrung der Schablone selbst wieder nur ein vorgestelltes, mit den Sinnen schabloniertes Abbild? Du bist eine immer schon vergangene Göttin! Dein Anblick macht mich zu deinem immer schon künftigen Untertan. Du bist im Raum, in dem ich nie sein werde. Du schönste! Deine purpurnseidenen Blätterlein, dein prachtvoller Blütenkelch, dein sinnlich-verzückender Duft und der Zauber deiner poetischen Grazie sind uneinnehmbar. Niemals erkennbar! Du beugst dich keiner Sittsamkeit, sondern bist natura simplicissima – unerreichbar für uns alle!“

Der Botaniker: „Das stimmt nicht! Ich werde schon zeigen, was zu beweisen ist, um auch ihr letztes Geheimnis, ihre so genannte Schönheit, zu erklären!“

Der moralische Bruder sprang sofort ein: „Aber Brüderchen, meinte nicht Schiller: Schönheit sei Freiheit in der Erscheinung? Lass sie in Ruhe! Und schrieb Kant nicht: Das Schöne ist das Symbol des Sittlich-Guten? Verhalte dich auch so! Bitte, so halte doch ein, liebes Bruderherz!“

„Ach, was! Philosophisches Kauderwelsch! Ich zeige dir, zu was nicht nur mein Auge fähig ist, sondern auch meine Hand!“

Nun zog er ein nicht ungroßes Messer hervor und prophezeite: „Ich werde diese Rose enthaupten!“

Der Moralist brüllte, doch dessen ungeachtet sprang der Botaniker vor, ergriff das zarte Hälschen der Pflanze, welche sich nicht im Mindesten zu wehren sich anschickte, und hob den anderen Arm mit der Klinge in der Hand, um ihn herabsausen zu lassen. Es pfiff das Metall durch die Luft und eine Rose schrie… Staub wirbelte auf, die Zeit verstrich langsamer, der Waldsaum war verstummt, Herzen donnerten. Der Moralist blinzelte, wischte sich die Augen und starrte zur Rose. Ein unglaubliches Entsetzen stieg in ihm auf. Blut tropfte zu Boden. Ein Kopf war geneigt. Hände ertasteten bebend den ausströmenden Lebenssaft. Die gefühllose Klinge ragte bis zum Schaft im Leib des Botanikers. Sein irrer Blick suchte das Antlitz seines Totschlägers, der ästhetizistische Bruder, welcher mit ruhiger Stimme flüsterte: „Siehst du, Brüderlein, das Schöne steht über deiner Wahrheit.“

Der Botaniker seinerseits stöhnte, dann brachen die Augen und er sackte zusammen. Der Moralist zitterte wie im Fieber, Zorn und Trauer verzerrten sein Gesicht und stockend füllte sich die Luft mit dem Klange seiner Litanei: „Du…bist…ein…Mörder! Du hast ihn getötet, nur um dieses Ding da zu schützen? Welch grausamer Wahnsinn muss in dir toben, wenn du zu solch tollem Teufelsakte fähig bist?“

„Ich verstehe dich nicht, mein moralischer Bruder. Müsstest du nicht meine Tat zu gute heißen? War es denn nicht ein engelshaftes Labsal, eine zutiefst göttliche Weise, ihn zu opfern, um sie zu behüten, ihre Schönheit zu wahren?“

„Es ist Unsitte, eine Seele zu töten, mehr noch! ist es doch die schlimmste aller schlimmen Sünden, du diabolische Kreatur! Sühne!“

„Um eine andere zu retten?“

„Was fragst du? Die göttliche Gerichtsbarkeit hätte ihn gerichtet! Er ist unser aller Zeuge und Richter!“

Der Ästhetizist lachte gehässig: „Ha! Sieh, du Narr. Wie deine irdische Ethik versagt, ziehst du Ihn zu Rate, der nicht ist. Doch nehm’ sie, die Schöne, zur Göttin! Genieße sie. Dann ist der Angriff durch rechte Hand pariert.“

„Du entscheidest nicht über Recht und Unrecht, Teuflischer! Soll das Fegefeuer der Hölle den infernalischen Wahn in dir verbrennen! Verführt bist du, verführt von diesem Ungeheuer da!“

Er deutete mit dem zittrigen Finger auf die stumme Rose. Der Ästhetizist aber brüllte: „Schweig, Bruder! Lass das Pathos! Lass die Klage! Glaub unsereinem: dieses Ganze / Ist für einen Gott gemacht! Das galt besonders für den Botanischen. Und für dich gilt es, nur noch eines zu sagen: das Schöne steht über allem!“

Und mit diesem, nennen wir es: den ästhetischen Imperativ, zuckte wieder eine gähnende Klinge auf und morgendliche Tautröpfen kullerten unter der goldäugigen Scheibe wie die Tränen einer Rose zu Grabe.
Ein Alkoholiker an seinen toten Freund am 28.12.2012Eintrag melden
Stimmen

(für Th.)

- du hast uns gerufen sagen sie
- ich hab euch nicht gerufen ich will euch nicht schrei ich
- durchs trinken hast du uns gerufen jetzt sind wir bei dir
- als du selber nicht mehr denken konntest hast du uns gerufen sagen sie
- aber ihr wißt doch ich trinke nicht mehr
- ja aber wir gehören jetzt zu dir du wirst uns nicht mehr los erst wenn es dich nicht mehr gibt sind wir weg
- lache sei fröhlich
- ich lache ich bin fröhlich
- geh einkaufen
- ich gehe einkaufen
- siehst du es geht doch wir denken für dich
- deine tabletten schicken uns ein weilchen schlafen wir schicken dir träume
- ich will euch nicht
- dann sei traurig betrübt bedrückt
- ich bin traurig betrübt bedrückt
- wir sind wahr und wirklich was wir sagen ist wahr
- geh auf die brücke trinke dir vorher mut an
- verdammt was will der idiot hier
- na schön dann eben ein andermal
- was macht ihr mit mir
- wir sorgen dafür daß es dir besser geht
- trink dir mut an geh an die straße
- will ich das denn
- ist egal was wir sagen ist wahr
- das auto das du siehst gibt es nicht geh über die straße du mußt rüber dann geht es dir besser
- ich höre aber das auto
- was du hörst ist nicht wahr was wir sagen ist wahr geh über die straße
- sie sagen na siehst du es geht do-

(† 11/ 2004, Th. war 3 Jahre trocken)
Kof am 28.12.2012Eintrag melden
Liebe Mamus,

danke für die Liebe, die Du so vielen Menschen geschenkt hast.

Danke für das Vorbild an Mut und Liebe und nie vergehender Hoffnung, welches Du vorgelebst.

Danke für die Kraft und die Stärke, die Dich angstfrei sein und leben lassen - trotz unsagbar schweren Herausforderungen.

Es gibt einige Blockaden zwischen anderen Menschen in diesem Leben - doch, ich glaube fest daran, dass sie sich nun auflösen werden.

Das Schönste, was ein Mensch erschaffen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken. Du hast es erreicht!

Namaste an eine großartige Frau,

Dalli
Fips am 27.12.2012Eintrag melden
Aloah Julius L. und liebe Familie,

Weihnachten ist vorbei - mit meinen Gedanken war ich oft bei Euch...

Liebe Grüße vom Fips
C. Behrndt am 27.12.2012Eintrag melden
Ein neues Jahr beginnt

Das alte Jahr geht nun zu Ende
und ein neues Jahr beginnt
Es ist schon eine Jahres-Legende
das wir alle aufs Neue Jahr gespannt sind

Um Mitternacht die Sektkorken knallen
wir stoßen an auf das Neue Jahr
Die Raketen in den Himmel schallen
das Jahr beginnt wieder mit dem Januar

Ich wünsche einen guten Start in das Neue Jahr
ich hoffe, dies wird besser als das alte war
Evelyn Goßmann am 25.12.2012Eintrag melden
Verschmähte, kleine Tanne


Mit Riesenschritten ging es auf Weihnachten zu, heftiges Treiben in den Geschäften, die Straßen oft überfüllt, dann wieder wie leergefegt. Trauben von Menschen tummelten sich oft an den vielen Ständen auf dem Weihnachtsmarkt. Es war auch interessant dort zuzusehen wie ein Glasbläser z. B. feine, zarte Kugeln herstellte und weihnachtliche Motive hineinritzte, oder sie fein und zart bemalte. Einfach toll war das, denn so etwas sahen die Kinder auch nicht alle Tage. Viele standen oft mit großen Augen und vor Staunen offenem Mund davor.

Eisig kalt war es draußen, alles war dick zugeschneit, die Äste konnten die Schneelasten kaum mehr tragen, drohten unter dem Gewicht zu brechen.
Mama und Papa hatten so viel zu tun gehabt sodass bisher kein Weihnachtsbaum beschafft werden konnte, und Mäxchen hatte schon Sorge dass es dies mal keinen schön geschmückten Tannenbaum geben würde, festlichen Kerzenschein, festliche Lieder unter dem Baum. Das Geld war knapp und es war schon gut dass Mama und Papa Arbeit hatten, aber manchmal war der kleine Junge doch traurig dass so wenig Zeit blieb einfach beieinander zu sein, sich die Freude beim Weihnachtsfest auszumalen, gemeinsam zu singen, dabei die ruhigen Kerzen des Adventkranzes anzuschauen, Gedichte und
Geschichten zu lesen oder auch mal einen Bummel zu machen um all die schönen verlockenden Auslagen zu betrachten.

Aber es gab ja noch so viele Bäume da würde man schon noch einen finden. Es war versprochen worden dass er ihn mit aussuchen dürfte, und so geschah es bei aller Hektik dass der HL. Abend da war, er aber immer noch keinen Baum irgendwo im Haus entdecken konnte.

Bei all dem Rummel auf dem Weihnachtsmarkt gab es noch so viel zu sehen und so wurde es später und immer später und die Befürchtungen des kleinen Max wuchsen nun unendlich, und er wurde recht traurig. Papa versprach am nächsten Tag mit ihm danach zu schauen und hielt das Versprechen auch.
So viel man tags zuvor noch gesehen hatte so leer waren die bekannten Plätze heute. Schleppend wurde der Gang des kleinen Jungen in der bitteren Kälte und nichts konnte ihn aufmuntern oder so recht fröhlich stimmen.

Tja dann werden wir wohl doch nichts Rechtes mehr finden brummelte Vater in den Bart, und sie zogen weiter zum nächsten Platz. Selbst trotz der warmen gefütterten Handschuhe froren dem kleinen Burschen fast die Finger ab, oder war ihm nur so kalt weil er enttäuscht war? Er hatte sich so sehr auf den Lichterbaum gefreut, denn der zauberte immer eine ganz bestimmte Stimmung.
Ach gehen wir heim, dann trinken wir Kakao und zünden die Kerzen am Adventkranz an schlug Vater vor - dem offenbar auch recht
ungemütlich war, dass er seinen kleinen Sohn nun enttäuschen musste der nun lustlos, traurig und tief enttäuscht die Straße hinabschlenderte. Er wollte die Tränen nicht zeigen die ihm über das Gesicht kullerten, aber er war sehr traurig und enttäuscht, und auch etwas böse auf Papa.

"Sieh mal, da liegt eine kleine Tanne, die hat sicher jemand vergessen, " rief er plötzlich aus, wurde wieder ganz lebendig und fuchtelte aufgeregt mit den Händen durch die kalte aber glasklare Luft. Der näher kommende Vater besah das kleine verwachsene Bäumchen und meinte nur: "die ist ja auch so klein, krumm gewachsen und hässlich, dass sie niemand haben will wenn man auch noch teuer dafür bezahlen soll."

Max Gesichtchen aber erhellte sich und er bettelte: "Ach bitte, es ist aber ein Tännchen und sicher ebenso traurig wie ich, lass es uns doch mitnehmen hier liegt es so traurig und allein herum, das will doch keiner mehr. Der Baumverkäufer ist auch lange daheim, also ist das Bäumchen hier weggeworfen und zurückgelassen weil es niemand haben wollte, es kostet doch nun auch nichts mehr. Ist doch schon fast HL. Abend."
Papa willigte nach längerem Zögern ein, konnte er doch auch den traurigen Blick des Kleinen nicht gut länger ertragen, außerdem hatte er ein etwas schlechtes Gewissen. Gut nehmen wir ihn mit, mal sehen was man noch draus machen kann. So kam es dass am Abend das vorher so traurige Mäxchen ein schmuckes Tännlein in einem herrlichen Festtagskleid mit Lichtern geschmückt bewundern konnte wie immer.

Papa hatte sich große Mühe gegeben an den blanken Stellen Löcher in den kleinen Stamm zu bohren um dort die fehlenden Äste einzusetzen, sodass es am Ende ein ganz ansehnliches Bäumchen wurde. Das hatte er mit großem Geschick gemacht, wollte er doch auch dass sein kleiner Sohn glücklich war.
Als das Silberglöckchen ertönte und sich die Türe zum Weihnachtszimmer dann schließlich öffnete, strahlte die kleine Tanne mit Mäxchen um die Wette, denn niemals hatte es ein so wunderschönes Weihnachtsgewand getragen, war so schön geschmückt mit Kugeln, Kerzen, Sternlein und Engelshaar, so schön hatte man es sich nicht vorstellen können.

War es doch der größte Wunsch der winzigen verwachsenen Tanne gewesen auch einmal zu einem strahlend schönen Weihnachtstännlein zu werden, das die Augen der Kinder leuchten ließe, sie Weihnachtslieder singen hören würde, und unter ihm die Geschenke finden und sich darüber freuen könnten.
Max ahnte nicht dass er der kleinen. Tanne zum größten Wunsch verholfen hatte, und die kleine Tanne Mäxchen zu dem seinen. Jeder hatte die hässliche verwachsene Tanne verächtlich angeschaut und achtlos beiseite geworfen, sodass sie am Ende traurig und allein zurückblieb. ´Dich nimmt keiner mit heim`, hatten die großen, gerade und schlank gewachsenen Tannen immer gesagt wenn sie stolz fortgetragen wurden und die kleine arme Tanne war immer trauriger geworden. Sie würde wohl doch nie zum Weihnachtsbaum werden, die großen starken Bäume hatten wohl nur allein das Recht dazu. Und so lag es da frierend in der Kälte einsam und verlassen und stellte sich den Lichterzauber der anderen vor und wurde immer trauriger und wollte nur noch sterben, einschlafen und alles Böse was es gehört hatte vergessen.

Nun war es die stolzeste kleine Tanne die es je gegeben hatte, die krummen Äste sah man nicht, sie waren toll geschmückt, Papa und Mama hatten sich sehr bemüht, und nun wurde es geliebt und bewundert. Das war der schönste kleine Weihnachtsbaum den Mäxchen je gesehen hatte. Für alle wurde es ein recht glückliches Weihnachtsfest von dem sie noch später oft und gerne sprachen wenn sie an diesen HL. Abend zurückdachten der so unglücklich begonnen hatte.

So war das kleinste, schwächste und offenbar als hässlich angesehene Bäumchen zum allerschönsten geworden und es konnte gar nicht mehr aufhören zu strahlen vor lauter Glück.
Van der Vaart am 25.12.2012Eintrag melden
De Bescherung

Dat gifft wohl nichts Scheuneres, as Hilligavend-Namiddag in'ne Stuuv to sitten, scheun Tass Koffi vör di, to Proov all mol so'n lütte Zigarr to smöken un di wohl to föhlen.
So wär dat ok düssen Hilligavend, vun den ik berichten will. Ik wet dat noch nipp un nau, dat wär namid-dags so üm un bi Klock fief; ik seet in'ne Stuuv, smök mien Zigarr, drunk mien Koffi un laat mi dat goot gohn. Mien Fru Adele weer in de Köök togang, se meuk den Kantüffelsalat. Jo, dat is all Traditschion bi uns, Hilligavend gifft dat Kantüffelsalat un Knackwust. Adele maakt jümmer twee Sorten Salat, een för de Familie un een för mi persönlich. Nicht dat ik mi wat Beeteret dünk, nä so nicht. Nä, mien Salat mutt ohn Zibbeln sien - anners kann ik dat nich aff; is för mi sowat vun ekelig, op Zibbeln to bieten, kann ik mi rein vör schütteln. Un so krieg ik jümmer mien eegen Schöttel Kanntüffelsalat.
Hüüt Middag harrn wi blots 'n poor Schieven K'rinthenstuten mit Mettwust op. Dat is ok all Traditschion. An eersten Wiehnachtsdag gifft dat jo - so as jedeen Johr - de Wiehnachtsgoos. De maakt mien Adele besünners lecker, de ward mit Backplumm'n un Maronen füllt. Maronen, dat sünd Kastanien to'n eeten; liggt jo wat swaar in'n Magen, aver de smeckt wunnerbor, so'n beten nöötig. Över Eeten kunn ik jo stunnenlang vertellen, kann'k mi richtig rinkneen.
Aver ik wull jo ganz wat anneres vertellen. Wi geseggt, ik seet kommodig in'ne Stuuv, lat mi dat goot gohn un leet nochmol in Gedanken all'ns an mi vörbi trecken, ob ok all'ns op de Reeg weer, dormett de Höhe-punkt vun'n Hilligavend - de Bescherung - ok een Höhepunkt ward.
To Seekerheit güng ik ok nochmol mien Geschenkenlist dörch: De Handschen för den Öllsten, heff ik. De neemodsche Mütz för de Dochter, heff ik. De Playstääschen för den Enkel is dor. Un för de lütt' Enkelin heff ik sülven een Popp "Baby-Born" besorgt. Mien Adele sall dütt Johr mol nichts för de Köök hebben, sünners düttmol heff ik för ehr ganz wat besünneres, wat persönlikes: Een gülden Keet - weer bi Tchibo in't Angebot.
Jüss heur ik buten Kinder juchen. Jo, wahrrafftig, dor fohrt all 'n poor Göörn mit ehrn Sleern de Straat lang. Un so as sik dat Wiehnachten heurn deiht, rieselt liesen de Snee vun'n Heven dal - dat gifft witte Wiehnacht, wat wöllt wi mehr.
Aver ik bün all wedder vun mien Vertell'n afkamen, wo wär ik? Ach so, jo, de Geschenkenlist. Jo, sogar Opa heff ik dütt Johr nicht vergeeten; dormett de Ohl mi nicht wedder, so as verleden Johr, bi'n Wickel kriegen kann.
Dat mutt ik gau noch vertellen: Verleden Johr - weer wedder Wiehnachtstied un Tied för den Wunschzettel - un so fröög ik je ok mien Vadder, wat he sik wull wünschen düng. Dor fangt he an to resoneern: Nä, he hett jo all'ns un he bruukt jo ok nichts un wat sall dat ok, düsse gegensiedige Schenkeree, is all'ns nur un-nödiget Geldverschwenden, mutt man jo ni all'ns mitmoken. Jo, süh, un doran heff ik mi denn jo ok holn. Dat weer Bescherung un Opa kreeg nix. Jungedi dor harrn ji den Ohln mol heurn schullt: "Ji harrn jo ni op mi heurn musst, deiht sünst jo ok keen Oos", ranzt he mi an. "Oder hest du op mi heurt, as du de Peerkoppel verköfft hest?" "Aver Vadder", versöcht ik mi to retten, "wi harrn jo all lang keen Peer mehr." "Dat nich, aver ik wull dor noch 'n poor Schaapen op loopen laten. Un vun de suuer Wischen wull ik een Bolßplatz för de Göörn maken, aver mien Herr Söhn musst dat jo all`ns verköpen un verpachen, för so'n neemodschen Windmöhln." "Ok wenn ik seggt heff, ik bruuk nix, liekers harrn ji jo so'n lütt Stück för mi över hebben kunnt, so is dat jo gor keen Wiehnachten för mi." Un ik seeg dat de Ohl ganz rode Oogen kreegen harr. Dat is mi denn doch bannig to Harten schoten un denn heff ik so dohn, as ob de nee'e Piep gor nicht för mi vör-sehn weer, sünners för em un plinker mien Fru to; de nück ganz liesen un plinker torüch. Dor weer de Free-den wedder herstellt.
Dat passeehrt mi ni wedder, dütt Johr heff ik för em 'n scheunet Book, poor ordentliche Zigarrn un sien traditschionellen "Buddel Sluck". Mit anner Wöör, ik heff all'ns op de Reeg, Wiehnachten kann losgohn. - Un denn güng dat ok los; as miteens Adele ut de Köök ropen deiht: "Manni, wi wiet büst du eegentlich mit den Dannenboom?" - Dannenboom? Dannenboom? - Lat dat ni wohr sien. Ik heff doch, ik wull doch glieks hüüt Morgen, wat weer denn dor? Ik harr doch - ik heff doch - ik heff wahrafftig den Dannboom vergeeten!
Jungedi, dor harr ik aver all namiddags mien Bescherung - un dat nicht to knapp. De ganze Familie güng op mi dal; un to den Snee buten, geev dat bi uns noch een gewaltiget Dunnerwedder.
Neuß hebbt wi denn aver doch noch scheune Wiehnachten hatt. Ik kreeg vun Navers noch 'n poor Dannen-
twiegen, de hebbt wi in de groote Bodenvaas steken, poor Kugeln un Lametta an, poor Kerzen un fardig. Wi harrn jo nu nicht den gröttsten, aver den originellsten Wiehnachtsboom in de ganze Naverschop. Mien Familie hett mi denn ok vergeven; weer je ok dat "Freedensfest" un dat "Fest der Leev".
Blots annerdaags kreeg ik nochmol 'n gewaltigen Stüber. Dor vertellt mi mien Fru, wat uns teinjährige Enke-lin ganz bedrüppelt no ehr in'ne Köök kamen weer un ehr froogt harr: "Oma, hett Opa nu Alzheimer?" - Ik heff lang ni mehr so slucken muss, so'n dicken Klüten harr ik in'n Hals.
Un dor heff ik mi swoorn: Tokomen Johr'n ward de Dannenboom a'n eersten Advent kofft - un schullen denn viellicht Hilligavend de Dannennadeln oder so - wi hebbt jo noch jümmers de Navers un de groote Bodenvaas.
Sonja am 25.12.2012Eintrag melden
Frohe Weihnachten wünscht Ihnen, liebe wunderbare Mamus und Ihrer Familie die zu Tränen gerührte
Sonja B.

Afrikaans: Geseende Kerfees!
Albanisch: Gëzuar Krishlindjet!
Apache: Gozhqq Keshmish!
Arabisch: I'D Miilad Said!
Aragonese: Nabidà!
Armenisch: Shenoraavor Nor Dari!
Asturisch: Bones Navidaes!
Bandang: Mbung Mbung Krismie!
Bengalisch: Shuvo Baro Din!
Bislama: Mi wisim yufala eerywan one gutfala Krismas!
Bretonisch: Nedeleg laouen!
Bulgarisch: Vasel Koleda!
Chaha (Äthiopien): Bogem h n mh m!
Cherokee: Danistayohihv!
Cheyenne: Hoesenestotse!
Dänisch: Glædelig Jul!
Deutsch: Fröhliche Weihnachten!
Englisch: Merry Christmas!
Eskimo: Jutdlime pivdluarit!
Esperanto: Gajan Kristnaskon!
Estnisch: Rõõmsaid Jõulupühi!
Faroer: Gledhilig jól
Finnisch: Hyvää Joulua!
Flämisch: Zalig Kerstfeest!
Französisch: Joyeux Noël!
Friaulisch: Bon Nadâl!
Friesisch: Noflike Krystdagen!
Georgisch: Gilotsavt Krist'es Shobas!
Griechisch: Kala Christougenna!
Hausa: Barka da Kirsimatikuma!
Hawaiianisch: Mele Kalikimaka!
Hebräisch: Mo'adim Lesimkha!
Herero: Okresmesa ombwa!
Hindi: Shubh Naya Baras!
Holländisch: Vrolijk Kerstfeest!
Indonesian: Selamat Hari Natal!
Irisch: Nollaig Shona Dhuit!
Iroquois: Ojenyunyat Sungwiyadeson homungradon nagwutut!
Italienisch: Buon Natale!
Japanisch: Shinnen omedeto!
Javanesisch: Sugeng Natal!
Jiddisch: Gute Vaynakhtn!
Kantonesisch: Seng Dan Fai Lok!
Katalonisch: Bon nadal!
Kirundi: Noeli Nziza!
Kom (Kamerun): Isangle Krismen!
Korsisch: Bon Natale!
Krio: Appi Krismes!
Kroatisch: Sretan Bozic!
Kurdisch: Seva piroz sahibe!
Ladinisch: Bon Nadel!
Lakota: Wanikiya tonpi wowiyuskin!
Lettisch: Prieci'gus Ziemsve'tkus!
Littauisch: Linksmu Kaledu!
Luganda: Amazalibwa Agesanyu!
Luxembourgeois: Schéi Krëschtdeeg!
Malaysisch: Selamat Hari Natal!
Maltesisch: Nixtieklek Milied tajjeb!
Makassar: Salama' Natal!
Mandarin: Kung His Hsin Nien!
Manx: Nollick ghennal!
Maori: Kia orana e kia manuia rava!
Mazedonisch: Streken Bozhik!
Monégasque: Festusu Natale!
Ndogo: Esimano olyaKalunga gwokombandambanda!
Nepali: Krist Yesu Ko Shuva Janma Utsav Ko Upalaxhma Hardik Shuva!
Norwegisch: God Jul!
Palauanisch: Ungil Kurismas!
Polnisch: Wesolych Swiat!
Portugiesisch: Boas Festas!
Quechua: Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi !
Rapa-Nui: Mata-Ki-Te-Rangi!
Rätoromanisch: Bella Festas daz Nadal!
Roma: Bachtalo krecunu Thaj!
Rumänisch: Craciun fericit!
Russisch: Pozdrevlyayu s prazdnikom Rozhdestva!
Sámi: Buorit Juovllat!
Sardinisch: Bonu nadale!
Schottisches Gaelisch: Nollaig chridheil!
Schwarzfuß: I'Taamomohkatoyiiksistsikomi!
Schwedisch: God Jul!
Schwyzerdütsch: Schöni Wienacht oder E guëti Wiënachtä!
Serbisch: Sretam Bozic!
Sizilianisch: Bon Natali!
Slowakisch: Vesele Vianoce!
Slowenisch: Vesele bozicne praznike!
Spanisch: Feliz Navidad!
Suaheli: Krismas Njema Na Heri!
Tagalog: Maligayang Pasko!
Tahitisch: Ia ora i te Noera!
Thai: Suksan Wan Christmas!
Tschechisch: Prejeme Vam Vesele Vanoce!
Ukrainisch: Veseloho Vam Rizdva!
Ungarisch: Kellemes Karacsonyiunnepeket!
Vietnamesisch: Chuc Mung Giang Sinh!
Walisisch: Nadolig LLawen!
Weißrussisch: Winshuyu sa Svyatkami!
Yupik/Sibirisch: Quyanalghii Kuusma!
Zulu: Sinifesela Ukhisimusi Omuhle!
Konrad am 24.12.2012Eintrag melden
Das Grab ist leer.

Ich suche einen Toten in einer dunklen Höhle, aber das Grab ist leer.
Es ist nicht so, wie ich es mir vorstelle.
Ich will mich von etwas Gestorben geglaubten verabschieden,
aber das gestorbene ist nicht mehr hier.
Außerhalb des Grabes kommt mir eine lebendige Person entgegen,
und die fragt: "Was suchst Du".
Ich erkenne sie zuerst nicht,
und sage, dass man mir etwas wichtiges genommen habe,
und das ist nicht mehr da, wo ich es mir vorgestellt habe.
Schließlich erkenne ich, dass in der Person das gesuchte ist,
und dass dieses totgeglaubte Gesuchte sehr lebendig ist.
Ich glaube der Realität nicht mehr
und weiss nicht mehr, was ich machen soll.
Ich bin verwirrt.
Es ist das Gesuchte und es ist nicht tot,
wie ich geglaubt habe, sondern höchst lebendig.
Es ist außerhalb des Grabes.
Schließlich ist die Freude groß,
dass das tot geglaubte doch lebendig ist.
Die anfängliche Trauer weicht einer großen Freude.
Es ist nicht so, wie ich es mir vergestellt habe.
Es ist nicht dort, wo ich es mir vorgestellt habe.
Es ist nicht tot in einer dunklen Höhle,
sondern lebendig draußen in der Sonne.
Meine Fähigkeiten und Träume sind nicht tot in einer dunklen Höhle,
sondern lebendig draußen in der Sonne.
Ich singe laut in der Sonne:
"Meine Fähigkeiten und Träume sind wieder da"
und die Freude ist groß.

Frohe Weihnachten!
Marco Moll am 22.12.2012Eintrag melden
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Es war eine eisige Nacht in erfrorener Landschaft. Der Frost des Mondes brennt durch die verlassenen Straßen an diesem Weihnachtstag. Jeder hat sich in seine warme Stube eingepackt und wartete auf die fröhliche Bescherung, das festliche Essen, das große Familienglück.

Nur ein verarmtes Mädchen, in schmutzige Lumpen gehüllt, zittert frierend durch die Gassen, mit ihren Schwefelhölzern und klopft an jeder Tür und fragt nach Herberge, damit sie in dieser eisigen Nacht nicht erfriere. Anzubieten hat sie nur die Schwefelhölzer. Doch die Menschen waren mit zu christlichen Dingen beschäftigt, als dass sie sich ihrer erbarmten. Sie wollten sich ihre Weihnachtsstimmung nicht verderben lassen, von der Armut und Erbärmlichkeit dieser Welt. Die lassen sie lieber draußen. Doch diese Nacht ist kälter als die anderen Nächte.

So zieht das verarmte Weisenkind, dass Vater und Mutter verloren hat, durch die verlorenen Gassen und findet kein Erbarmen, kein Essen, keine warme Stube, ja nicht mal einen Stall mit ein wenig Stroh, auf dem sie sich legen könnte, um sich am Atem der Tiere zu wärmen.

Sie ist völlig erschöpft vor der bitteren Kälte und hat die Hoffnung bereits aufgegeben. Es ist ja Weihnachtstag. Sie saß sich vor ein Haus und blickte durch das Fenster. Darin war eine glückliche Familie zu sehen, ein geschmückter Tannenbaum, vor dem sie Weihnachtslieder singen. Lieder vom Christkind, von unserem Heiland und Erlöser. Sie sah wie die Kinder freudig die reichlichen Geschenke auspackten. Sie sah die köstlichen Leckerein, die sie verschmachteten. Es ist ja Weihnacht, und da hat jeder froh zu sein. Denn das Christkind hat uns alle erlöst. Doch sie war sich keiner Sünde bewusst.

So ein festliches Essen hat das Waisenkind noch nie gesehen. Doch auch sie freute sich immer auf Weihnachten. Ihre Eltern hatten nicht viel. Geschenke konnten sie sich nicht leisten. Doch haben sie das ganze Jahr durch Betteln Geld gespart. Und so gab es am Weihnachtstag ein warme Mahlzeit, wenigstens einmal im Jahr, da man nicht von dem Abfall der reichen Leute leben musste. Und die Familie war glücklich zusammen und man freute sich das ganze Jahr über auf diesen Tag der Gemeinschaft. Nur am letzten Weihnachtstag nicht. Da sind beide Eltern an Tuberkulose gestorben. Nur sie hat überlebt. Und seitdem fristet sie ihr Dasein durch den Verkauf von Schwefelhölzern, damit es die Reichen auch schön warm haben in ihrer gutgeheizten Stube. Nur heute hat sie kein einziges verkauft.


Dem Kind friert es sehr. So sank sie in sich zusammen und hüllte sich fester in ihre zerfransten ungewaschenen Lumpen. Doch die Kälte wurde immer bitterer.

So steckte es eines ihrer Schwefelhölzer in Brand
Und träumte von Vater und Mutter. Sah ihrer beider Angesicht. Sah sie wie Engel zu sich fliegen und hörte ihre tröstende Stimme.
Das Kind hörte die Engel singen. Ihr Atem wurde ruhiger. So entschlief sie von ihrer Armut So lag sie da, bleich und starr, doch mit einem verträumten Lächeln im Gesicht. Und die Engel knieten weinend neben ihr und sangen das Lied von ihrem Tod.

Es wird ganz still
kein Atemzug
rührt mehr Leben
Kein Laut ist zu hören
nur die klirrenden Tränen
der Engel.


Liebe Mamus und Familie.

Heute blicke ich zurück auf diese schöne Weihnachtsgeschichte. Deshalb habe ich sie neu verfasst. In den Sternen sehe ich das Kind heute noch leuchten, erlöst, vollendet und befreit von seinem unsagbaren Leid. Die Menschen feiern die Geburt des Christkinds, doch haben sie das Christkind, das vor ihren Häusern so bitterlich erfror, nicht beachtet. Doch ich glaub an Dich, Du Sternenkind. Du erscheinst mir an jedem Weihnachtstag in meinen Träumen und bist mir Vorbild, das Leid zu ertragen und den Tod.

Mut, Liebe und Stärke wünsche ich Ihrer Familie und ein gesegnetes Fest.
Daniela am 22.12.2012Eintrag melden
Engelstränen

Glänzend und klar,
wie Perlen gefädelt,
sind Engelstränen
nur morgens zu seh'n.
In Netzen von Spinnen
könn' nicht flieh'n,
nicht entrinnen
und auch nicht
verloren geh'n.
Zu kostbar,
zu selten,
vollkommen, wie's scheint,
sind Engelstränen
gerad' erst geweint.
Steff am 22.12.2012Eintrag melden
In unserem Autorenclub wird soeben dein Brief besprochen. Ich möchte dir und deiner Familie für Weihnachten folgendes Gedicht hierlassen, dass ich 2009 geschrieben habe:

Der gefallende Engel

Ein kleiner Engel, verbannd aus seiner Welt,
verflucht und in die Leere verschlagen.
Sein kleines Gesicht, vom Mondlicht erhellt,
weiße Federn nun vom Wind getragen.

Verirrt in der weiten Welt, gebrochen sein Stolz,
das Urteil traf ihn wie ein Stoß ins eigene Grab.
Verletzt stürzte er nun vom Himmel herab,
seine Flügel gebrochen, geschient mit Ebenholz.

Beschützen sollte er das unschuldige Erdenkind,
was er versäumte, sich nun in Lügen verfangen.
Er wollte wie Menschen sein, sein wie sie sind,
ein Fehler, ein Lügennetz, den er damit begangen.

Keine Menschenseele, keine schützende Hand,
verängstigt sitzt er nun in der Dunkelheit.
Niemand der ihn erlöst aus seiner Einsamkeit,
seiner Flügel beraubt sitzt er alleine im Sand.

Nun sehnt der Engel sich nach einen Licht,
doch dunkle Wolken vertreiben die Sterne.
Von stummen Tränen benetzt das Gesicht,
schaut er in die unendlich dunkle Ferne.

Seine gebrochenen Flügen berührt er verzagt,
mit ihnen zerbrach seine kleine Engels Seele.
Ein unterdrückter Schrei entflieht seiner Kehle,
er sinkt auf die Knie, von Verzweiflung geplagt.

Nun wünscht er sich, wie würden ihm vergeben,
seine Gefährten, geflügelt wie er es einst war.
Das Unglück, dass durch seine Fehler geschah,
will er zurück in sein einst himmlisches Leben.

Kann er ertragen, dieses schmerzliche Schicksal,
das Urteil ihn verband zu seinem irdischen Sein.
Tief in seinen inneren spürt er brennen die Qual,
das ihm das Herz zerbricht, als sei es ein Stein.

Ihm wurde alles genommen, es war nicht fair,
doch Nachsicht von ihnen erwartet er nicht.
Nun sitzt er dort, voller Sehnsucht nach Licht,
so blickt der gefallene Engel hinaus aufs Meer.

Er sieht nicht, dass jemand anderes trifft ein,
der Himmel hat ihm einen Boten gebracht,
Ganz plötzlich sieht er den hellen Schein,
der nun plötzlich erleuchtet die ganze Nacht.

Der gefallende Engel vor Schrecken erbebt,
voller Schmerz und Hass in seinen Herz.
Ein Erzengel der nun die Stimme erhebt,
„Nun fühlst du den gerechten Schmerz.“

„Gabriel, auch Engel der Rache genannt,
du hast mein schlimmes Urteil gesprochen.
Du bestrafst mich und hast mich verbannt,
du hast die Flügel und mein Herz gebrochen."

„Glaubst du, dass ich mich nicht bemühte,
ein Urteil zu fällen, das Gerechtigkeit entspricht?“
Der weise Blick Gabriels liegt voller Güte,
auf seinen doch so schönen Gesicht.

„Ich verbannte dich zu irdischem Leben,
vertrieb dich aus unseren himmlischen Reich.
Mein Auftrag ist aber auch, Gnade zu geben,
deshalb ist dein Schicksal mir nicht gleich.“

Nun lacht verbittert der verlorene Engel auf.
„Was soll es bringen, mein Dasein auf Erden?
Da nehme ich lieber meinen Tod in Kauf,
sagst aus Bestrafung soll Gnade werden?“

Da lächelt Gabriel kurz und spricht:
„Ich habe dir deine Flügel genommen,
aber begrabe deine Hoffnung nicht.
Trotzdem bist du doch weit gekommen.“

Nun spricht der Engel mit gebrochenen Mut.
„Ich weiß, dass ich deinesgleichen unwürdig bin.
Bin weder für euch, noch für Gott bin ich gut,
was hat mein Leben dann noch für einen Sinn?“

„Ich weiß, mein Urteil war hart, aber durchdacht,
dennoch hast du all meinen himmlischen Segen.
Leider hast du hast den Himmel Verrat gebracht,
dennoch kannst du dein eigenes Glück bewegen.“

„Gabriel, du sagtest du willst mir Gnade gewähren,
nun sag mir bitte Gabriel, was ist dein Gebot?
Wie kann ich den Menschen Gutes bescheren,
und meine Seele befreien aus der schmerzlichen Not?“

„Als gefallender Engel auf Erden ist es deine Pflicht,
zu schützen alle Menschenwesen, die Fehler gemacht.
Sei ihnen ein Freund und schenk ihnen das Licht,
dass ihnen erhellt den Weg in der dunklen Nacht.“

Seine Schuld muss er nun hier verbringen im Orte,
muss zeigen seine Güte und sein Geschick.
Der gefallene Engel vernimmt Gabriels Worte,
neue Hoffnung zeigt sich in seinen verlorenen Blick.

„Nach Gottes Vergebung möchte ich streben,
bis meine Seele ist von Unrecht rein.
Engel der Gnade ich möchte alles geben,
die Menschen bewahren vor Unglück und Pein.“

„Trau dich mein Engel deinen Weg zu gehen,
glaube an dich, auch in der schwersten Zeit.
Solange deine Hoffnung bleibt bestehen,
erhellt ein wunderschönes Licht die Dunkelheit.“

Die Worte von Gabriel klingen schon fern,
als der Erzengel seine Schwingen erbebt.
Am Himmel funkelt in der Ferne ein Stern,
während Gabriel ganz leise davon schwebt.

Sein kleines Engelsgesicht, vom Mondlicht erhellt,
weiße Federn werden nun leicht vom Wind getragen.
Die Hoffnung stirbt nicht, wenn er vom Himmel fällt,
nun muss der kleine Engel seinen eigenen Weg wagen.
Y.H. am 22.12.2012Eintrag melden
Ein ganz besonderer Weihnachtsengel

Paul hatte sich gleich gefragt, ob er für die Aufgabe wirklich der Richtige sei. Aber bitte, wenn sie es nicht anders haben wollten… Oberengel Vincent war schließlich der Leiter des Projekts, das sich „Engel auf Erden zur Weihnacht“ nannte, und wenn der meinte, Paul solle als Weihnachtsengel hinunterfahren, so tat er es eben.
Im Allgemeinen wurden ja als Weihnachtsengel eher zarte, blondlockige Mädchen gesandt, deren bloßer Anblick schon ein Wohlgefallen war, und nicht dickbäuchige männliche Engel mit schütterem Haar. Obendrein war Paul schon zu Lebzeiten extrem unaufmerksam gewesen, was ihn schließlich auch das Leben gekostet hatte, als er sich im Labor irgendein kräftiges Gift statt des Süßstoffs in den Kaffee gekippt hatte.
Beim Durchqueren der dicken Wolkendecke und dem anschließenden Flug durch heftiges Schneegestöber war Paul nicht ganz wohl zu Mute, und er hätte Vincent allzu gern verflucht, wenn sich das für Engel nicht streng verboten hätte. Als Erdwesen war er nie schwindelfrei gewesen, und er war noch nicht lange genug Engel, um diese Eigenschaft gänzlich abgelegt zu haben. Die Sicht war schlecht, selbst für einen Engel. Mit einem kräftigen Plumps landete er schließlich auf der Spitze eines Kirchturms, aus dem ihm ohrenbetäubendes Glockengeläut den Kopf dröhnen ließ.
Ehe er noch Zeit fand, sich nach einem besseren Platz umzusehen, hatte sich vor der Kirche schon eine große Schar Gläubiger versammelt und starrte zu dem rundlichen Himmelsboten hinauf. Der Priester und die Mönche des angrenzenden Klosters kamen herbeigeeilt, und alsbald erscholl ein vielstimmiges Halleluja-Geschrei zu ihm herauf.
Nun dachte sich Paul, da es schließlich seine Aufgabe sei, die frohe Weihnachtsbotschaft zu verkünden und die Menschen zu erfreuen, sei dies der geeignete Ort und Augenblick. Er setzte zum Fluge an und segelte – zugegebenermaßen ziemlich plump - herunter, wo er würdigen Schrittes, von der erregten Menge gefolgt, die Kirche betrat. Der Organist hieb und trat enthusiastisch in die Orgel, vergriff sich auch vor Erregung kräftig in den Tönen, was der großartigen Erscheinung eines leibhaftigen Engels in der Kirche aber keinen Abbruch tat.
Vom Priester, Abt, Ministranten mit weit aufgerissenen Augen und weichen Knien gefolgt, ging Paul auf den Altar zu, wo er Flügel und Arme ausbreitete. Die Gläubigen fielen auf die Knie, auf seinen Segen hoffend.
Wie gesagt, Paul war ein noch nicht sehr erfahrener Engel. Noch nie hatte er einen Segen erteilt oder eine Predigt gesprochen. Im Erdenleben hatte zwar ab und zu die Kirche besucht, die Predigten allerdings meist verschlafen.
„Valus, primus, sancta cruzcius, selectus!“, rief er mit heiserer Stimme. Wenigstens ein wenig Latein hätte man ihnen im Himmel beibringen können. Selbst die Lateinkundigen unter den Kirchgängern waren viel zu hingerissen von dem Erlebnis, um auf die Worte zu achten. Dem Priester jedoch klappte der Mund auf, und er starrte den Himmelsboten ziemlich verdattert an. Paul aber kam in Fahrt.
„Liebe Menschen“, rief er aus, „mein himmlischer Projektleiter, der heilige Vincent, hat mich bestimmt, euch die weihnachtliche Botschaft zu überbringen.“
Spätestens beim „himmlischen Projektleiter“ fuhren bei einigen Ministranten und jugendlichen Anwesenden verstohlen die Hände vor die Münder.
Unbeirrt fuhr Paul fort: „Seht, geradewegs in eure Kirche bin ich gekommen, um euch zu zeigen, dass wir Engel immer unter euch sind. Heute bin ich für euch ausnahmsweise sichtbar, doch meist schleichen wir unsichtbar zwischen euch herum und passen auf, dass euch nichts geschieht. Nachdem ihr mich nun gesehen habt, erzählt allen, dass es wirklich Engel gibt. So, nun habe ich noch viel zu tun auf der Erde, denn ich will mich noch vielen Leuten zeigen.“
Sodann patschte er dem Priester die Hand auf den Kopf und sagte: „Wie dieser hier, gehet nun in Frieden heim zu Frau und Kind, esst und trinkt, lasst es euch wohl sein mit meinem Segen.“
Des Priesters Gesicht lief dunkelrot an, angesichts der Engelsworte, er solle zu Frau und Kind heimkehren. Während nun doch einige sich krampfhaft auf die Lippen bissen, deutete er die Worte so, dass der Engel ihm zeigen wollte, dass er wisse, wie der Priester gegen das Zölibat verstoßen und heimlich mit der Haushälterin ein Kind gezeugt hatte.
„Vergib, vergib, ich werde beichten und mein Amt niederlegen“, murmelte er kaum hörbar.
„Na fein“, meinte Engel Paul, schritt aus der Kirche und flog davon.
Den genauen Ablauf seines Erdenfluges hatte er in seiner üblichen Schusseligkeit längst vergessen. Allerdings stellte sein bloßes Erscheinen ohnehin jede Planung in den Schatten.
Die lang gesuchten Juwelendiebe Hannes und Stefan ließen vor dem Juweliergeschäft ihr Einbruchswerkzeug fallen und ergriffen schreiend die Flucht, als sie des Engels ansichtig wurden. Dem Engel, dem keine Tür verschlossen war, kam daraufhin die Idee, mit einigen schönen Stücken aus dem Schaufenster Menschen eine Freude zu machen. Als ihm auf der stillen Fußgängermeile ein verträumtes Liebespärchen begegnete, gab er ihnen unversehens seinen Segen und legte dem zitternden Mädchen eine hochkarätige Kette um den Hals. Bevor sich die zwei noch von dem Wunder erholt hatten, erschien Paul am Tisch der ahnungslosen Familie Köhler. Als der beleibte Engel seine leuchtenden Hände hob und das Weihnachtsmahl segnete, verschluckte sich Vater Köhler an einem Gänseknochen. Die Kinder verkrochen sich angstvoll unter dem Tisch, und der alte Kater schielte böse und sträubte fauchend das Fell. Für den mühsam nach Luft ringenden Vater musste der Notarzt geholt werden.
Engel Paul jedoch gedachte nun der Kranken und erschien im städtischen Krankenhaus, wo der Chirurg vor Schreck prompt den eigenen Zeigefinger statt des vereiterten Blinddarmfortsatzes des Patienten abschnitt. Auch trug es später nicht zum guten Ruf des Krankenhauses bei, dass die ohnmächtige Oberschwester im Bett eines sehr attraktiven Patienten gefunden wurde.
Eine Frau, in deren Küche er erschien, um der fleißigen Köchin als erster der Familie seinen Weihnachtssegen zu spenden, ließ prompt den heißen Topf auf den neuen Küchenboden fallen, wo er eine hässliche Brandstelle hinterließ. Der Frau sagte man zukünftig nach, sie sei eine heimliche Trinkerin, nachdem sie den Schaden mit dem Erscheinen eines Engels begründet hatte.
Der Bürgermeister fiel zähneklappernd auf die Knie und gestand all seine Sünden, angefangen von den Reisen auf Steuerkosten bis hin zu der Beteiligung an zahlreichen Bauspekulationen, als Paul an seinem Tisch die Flügel ausbreitete und „Frohe Weihnacht, üb immer Treu und Redlichkeit!“ deklarierte.
Der Armen gedenkend, führte Engel Paul schließlich ein Heer von Obdachlosen in ein Nobelrestaurant, und während die Kellner zitternd auf die Knie fielen und die Gäste teils erbebten, teils die Hände falteten, gab er den Frierenden, Hungernden und Durstenden seinen Segen, sich an allem, was Küche und Bar hergaben, gütlich zu tun. Das Chaos, welches er hinterließ, lässt sich kaum in Worte fassen.

Bevor er jedoch noch weitere gute Taten anrichten konnte, kam aus himmlischen Höhen eine starke Hand, packte ihn im Genick und zog ihn schnurstracks in die Ewigkeit zurück.
In der von Paul heimgesuchten Stadt jedoch blieb dieses Weihnachtsfest unvergessen.
Die Gläubigen, die sein Erscheinen in der Kirche erlebt hatten, gerieten später in heftigen Streit. Einige glaubten fest an die Erscheinung, andere hielten das Ganze für einen bösen Streich. Der Priester, der unter dem Eindruck des Engels seine Untugend bekannt hatte, wurde exkommuniziert.
Das Pärchen aus der Fußgängerzone wurde wegen Einbruchs und Diebstahls verhaftet. Die Behauptung des Mädchens, ihr sei ein Engel erschienen, der ihr die Kette umgelegt habe, trug zwar nicht zu ihrer Entlastung bei, aber zu mildernden Umständen infolge mangelnder Zurechnungsfähigkeit.
Dem Familienvater musste der verschluckte Knochen operativ entfernt werden, so dass er sogar das Neujahrsfest noch bei Suppendiät im Krankenhaus verbrachte.
Dem Chirurgen konnte man zwar den Finger wieder annähen, doch zur Weihnachtszeit rührte er nie wieder ein Skalpell an.
Die noble Gaststätte musste nach dem üppigen Gelage der Obdachlosen in der Heiligen Nacht gänzlich renoviert, das Mobiliar teilweise erneuert werden. Die Obdachlosen dagegen schwelgten noch lange in Erinnerungen an das großartige Festmahl jener Weihnacht, in der der Engel erschien.
Bei den Juwelendieben führte die Begegnung mit dem Engel zu einer unerwarteten Wandlung. Sie gründeten eine freikirchlische Gemeinschaft mit dem Namen „Brüder des Engels“ und führten von da an ein untadeliges, frommes Leben.

Vincent wurde der weihnachtlichen Projektleitung enthoben, und nachdem er Pauls Chaos auf der Erde mit „der verdammte Idiot gehört auf die letzte Wolke“ kommentiert hatte, wurde er auch wegen Fluchens für einige Zeit in die Hölle als Heizer strafversetzt.
Paul ließ man jedoch nie mehr auf die Erde. Er wurde zum Putzen der Schneewolken abkommandiert und jeweils zur Weihnachtszeit unter strengster Beobachtung gehalten.


Copyright by Yvonne Habenicht

Liebe Mamus.
Ich hoffe, du und deine Familie könnt nun, trotz dem Schrecklichen, etwas lächeln. Eure Leidenszeit soll bald zuende sein, das wünsche ich eurer Familie.
Frohe Weihnachten!
Yvonne
Alexa am 22.12.2012Eintrag melden
Schrecklich und herzzerreisend!!! Ich bin sehr erschüttert.
Das Beste vom Allerbesten wünsche ich allen Beteiligten und Heilung der Seelen.
Xenia am 22.12.2012Eintrag melden
Ich bin so tief bewegt dass alle meine Worte schal und leer wirken müssen...
Alles alles Gute und Gottes Hilfe wünscht Ihnen liebe Mamus, Ihrem Sohn, seinen Vater und allen Angehörigen
Xenia

Am Heiligen Abend werde ich in der Christmette für Sie beten.
Bordi am 22.12.2012Eintrag melden
Hallo Mamus.

Ich möchte Ihnen aus meinem jahrelangen Erfahrungsschatz etwas über Borderliner erzählen, das Sie wahrscheinlich noch nicht wissen. Wie aus Ihrem Text unschwer erkennbar, ist ihr Sohn in einer Beziehung mit einer Borderlinerin.

Wenn das Gefühl der innigen Verbindung zu einem Menschen, die sogenannte Symbiose, verschwindet, gibt es bei einem Borderliner zwei Möglichkeiten wie damit umgegangen wird. Diese gleiten fließend ineinander über.
Zuerst geht der Betroffene in die Abwertung und baut sich Hassgefühle gegen den Partner auf. Die Person, die eben noch alles für einen bedeutete, wird nur noch als Negativ wahr genommen. Man nennt es auch gern das von „weiß“ auf „schwarz“ wechselnde. Hass und Wut sind die dazu gehörenden, negativen Emotionen.
Gleich danach gleitet man in das viel schlimmere, berüchtigte Gefühl der Leere ab. Man kann es so beschreiben das man sich selbst nicht mehr wirklich wahrnehmen kann. Man verliert jeden Bezug zu sich und zu seinem Körper. Egal was passiert man fühlt nichts mehr. Alles wo man zuvor Gefühle erleben konnte wird durch einen Zustand ersetzt der sich am besten mit „Es ist alles egal!“ erklärt werden kann. Nichts hat mehr eine Bedeutung. Egal ob gutes oder schlechtes passiert, es bewegt einen nicht mehr. Alles wo man früher mit Freude bei der Sache war, verliert jegliche Bedeutung. Eine wirkliche Interaktion mit anderen Menschen ist nicht mehr möglich. Man wird assozial.

Es ist schwer für gesunde Menschen sich vorzustellen wie sich diese Leere im Körper anfühlt, denn es ist für eine seelisch-geistig gesunde Person normal, das man immer Zugriff auf seine Emotion hat. Bei einer Borderline-Persönlichkeit ist diese Leere jedoch leider ein häufig anzutreffender Zustand. Offen gesagt, es ist die beständigste Phase im Leben eines Borderliners.

Da Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung besonders impulsiv und sehr instabil in ihren Gefühlsreaktionen sind, kommt es oft zu überraschenden und meist abrupten Stimmungswechseln. Für Außenstehende sind die damit einhergehenden Verhaltensweisen oft nicht nachvollziehbar, da sie meistens in keiner Relation zur aktuellen Situation stehen. Leidtragender ist in den meisten Fällen der Partner des BL. Aus diesem Grund werden Menschen mit Borderline Syndrom oft als beziehungsunfähig beschrieben, fühlen sich oft selbst nicht in der Lage, längerfristige Beziehungen zu führen.

Die jeweilig aktuellen Nicht-Borderline betroffenen Liebespartner empfinden die Beziehung zwar als sehr schwierig, aber auch sehr intensiv und emotional. Gerade am Anfang einer Partnerschaft wird die intensive Emotionalität, das hohe Maß an Zuwendung und die Abenteuerlichkeit des BL als sehr positiv und nie langweilig empfunden. Da die Partnerschaft in dieser anfänglichen Phase mit sehr hohen, meist aber auch nur vom BLer vorgespielter Liebe verbunden ist, kann man in diesem Stadium also nicht von Beziehungs- oder Liebesunfähigkeit sprechen.

Im längeren Verlauf einer Partnerschaft spielen Leidenschaft und Hingabe nicht mehr die entscheidende Rolle und erste Schwierigkeiten treten auf. Fähigkeiten zur Kompromissbildung, Frustrationstoleranz und Alltagsstruktur werden vom Borderliner als langweilig empfunden und sind nicht ausreichend entwickelt. Es entstehen beim Betroffenen destruktive Impulse, die „heile Alltagswelt“ zerstören zu wollen. Dies kommt einer selbsterfüllenden Prophezeiung gleich, nach dem Motto „es ist mir noch nie gut gegangen und es wird mir auch nie gut gehen“. Dazu kommt noch die Angst vor Neuem und vor Veränderungen.

Borderliner können sich nicht auf eine Beziehung einlassen, weil sie Traumata erfahren haben. Sie versuchen, sich zu schützen, indem sie frühzeitig Abstand herstellen und sich sehr schnell wieder trennen, bevor es der Partner tut. Da diese Mechanismen im ausgeprägten Stadium für den Partner unüberwindbar sind, sind längerfristige Beziehungen unmöglich. Bleibt die Beziehung dennoch bestehen, geht das meistens nur, wenn einer der beiden Partner sich selbst aufgibt.

Diese Fragen sollte sich der Partner eines BL unbedingt stellen:

-Bin ich mir meiner selbst und meiner Grenzen bewusst und kann ich Grenzen aufzeigen?
-Kann ich bei mir bleiben und seins/ihrs bei ihm/ihr lassen oder verliere ich mich leicht im Helfen/Retten wollen, Schuldgefühlen, Verlustangst, Angst etwas falsch zu machen?
-Bin ich mir bewusst, dass Borderline eine unheilbare geistige und seelische Krankheit ist, die eine schwere Behinderung darstellt?
-Bin ich bereit bzw. in der Lage dazu zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die der BL krankheitsbedingt einfach nicht ändern kann und will, auch wenn ich es selbst nicht verstehen kann?
-Bin ich bereit, mich selbst vollkommen aufzugeben und mich dem BL letztlich zur Gänze unterzuordnen?
-Wie weit geht meine Bereitschaft, Lügen, Ausreden und Demütigungen jeder Art hinzunehmen?
-Bin ich fähig zu erkennen, dass ich im Endeffekt längerfristig nicht in der Lage bin, dem BL zu helfen?
-Was sind eigentlich grundsätzlich meine Erwartungen an eine Beziehung mit unheilbaren geistig-seelischen Behinderungen?
Bordi am 22.12.2012Eintrag melden
Selbstschädigendes Verhalten

Potenziell selbstschädigende, häufig impulsive Handlungen wie zb: übermäßiges Geldausgeben, häufig wechselnde sexuelle Kontakte, Ritzen, Drogenmißbrauch, Diebstahl, rücksichtsloses Fahren & Eßstörungen.

Der Grund, warum Borderliner zu selbstschädigendem Verhalten zurückgreifen ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Betroffene haben den Drang, fast allem aus dem Weg zu gehen (Verweigerung von Selbstverantwortung). Dieser Mechanismus läßt sich mit Alkohol- und Drogenmißbrauch aufrechterhalten. Die Suchtanfälligkeit ist bei Borderlinern im Vergleich zu „Normalen“ Menschen ungleich höher. Meist führt dies zu einer Verschlechterung des Selbstwerterlebens, was letztendlich die anderen Symptome der Krankheit noch verstärkt.

Es ist große Hilflosigkeit die Betroffene zu diesen Verhaltensmuster treibt, die ihnen langfristig mehr Schadet, als es ihnen kurzfristig helfen konnte.

Selbstschädigendes Verhalten ist weit mehr als nur das berüchtigte Schneiden oder Ritzen. Sehr häufig kommt es zu Essstörungen wie übertriebenes, absichtliches Hungern, oder Freßanfälle. Durch impulsive Kaufräusche wird evtl. versucht sich kurzfristig Glücksgefühle zu verschaffen. Man kann auf fast alles eine Stoffliche – oder nichtstoffliche Sucht entwickeln. Was jedoch bei Borderlinern auffällig häufig vor kommt ist das „switchen“ zwischen den verschiedenen Methoden. Wenn sich der Betroffene z.B. bewusst wird das sein Alkoholkonsum Überhand nimmt, kann er den Alkohol jederzeit ersetzen. Es kommt ständig vor, dass man, je nach Ursache, zu einer anderen Sucht zurückgreift.

Die meisten Borderliner die ich kenne leiden an einer Essstörung und SVV wie ritzen etc.. Eigentlich kenne ich genauer gesagt keinen Betroffenen der dies nicht hat.
Bordi am 22.12.2012Eintrag melden
Instabile, Intensive Beziehungen

Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet
ist.

Betroffene zeigen einerseits eine überdimensionale Angst vor Trennungen und andererseits Furcht, Intimität zuzulassen. Dies führt zu instabilen Beziehungen. Der permanente Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und Versorgt werden, geht mit der Angst einher, völlig vereinahmt zu werden, was ein ständiges Tauziehen dieser beiden Seiten bedeutet. Borderline-Beziehungen folgen immer einer bestimmten Dialektik, also einer Abfolge von Wiedersprüchen. Häufig haben Betroffene einfach eine zu große Panik davor nahestehende Menschen an sich heran zu lassen.

Diese Probleme müssen sich nicht in allen Formen der zwischenmenschlichen Beziehungen auffällig werden. Borderliner sind i.d.R. nicht so stark sozial gestört das sie
nicht erfolgreich im Berufsleben sein können. Die Probleme entstehen nahezu ausschließlich in persönlichen, emotionalen Bindungen. Je intensiver oder intimer die Verbindung wahrgenommen wird, umso heftiger reagiert der Betroffene auch in seiner Zurückweisung. Für gewöhnlich nimmt die Borderlinepersönlichkeit diesen Widerspruch selbst wahr. Für den nicht Borderliner-Partner ist dieser ständige Wechsel zwischen Wunsch nach Nähe und Distanz schwer zu ertragen. Werden die widersprüchlichen Bedürfnisse von der Umgebung nicht erfüllt, kommt es rasch zu einer Abwertung bei BL gestörten Menschen. Instabile, kurze Beziehungen sind die Folge. Kleinste Zurückweisungen werden als Enttäuschung erlebt und führen in Beziehungen schnell zu einem generellen Mißtrauen, das sich mit jedem Widerholen zu einem Menschenhass (Misanthropie) entwickeln kann. Anfänglich wird dies in Beziehungen stets verdeckt.

Angehörige und Partner von Borderlinern wissen oft nicht mit diesem ständigen Wechsel von Idealisiert – und Abgewertet werden umgehen. Auch „normale“ Menschen gehen mit
diesem Verhalten unterschiedlich um. Entweder sie ragieren mit übertriebener Anteilnahme und Rücksichtnahme, was der Borderliner ebenfalls nicht ertragen kann. Für sie ist die Fürsorge eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig.

Typische Muster in der Borderline-Beziehung:

-Kontakte nicht zu pflegen, sich oft mehrere Tage, Wochen, Monate nicht bei angeblich Nahestehenden Personen zu melden.
-Flucht, einfach die Beziehung, oder auch die nähere Umgebung zu verlassen, ohne eine Aussprache zu suchen. Sehr oft kommt der Wunsch vor, irgendwo ein neues Leben zu beginnen.
-Manipulatives Verhalten aus Kontrollbedürfnis um den Partner bei sich zu halten, ohne ihn näher an sich heran zu lassen. Oft Verbunden mit Drohung von Trennung, Selbstverletzung oder Suizid.

Die Bindungen werden gerne auch unterschiedlich intensiv wahrgenommen. Sie sind abhängig davon, welche Funktion diese Bindung für den Betroffenen zu erfüllen hat. Die Kontinuität von Bindungen ist von der grundsätzlichen Akzeptanz des Partners abhängig. Er muss, um den Borderliner länger in der Beziehung halten zu können, zur vollkommenen Selbstaufgabe bereit sein.

Die Sprunghaftigkeit in engen Beziehungen wirkt sich sogar auf die Zusammenarbeit mit Therapeuten aus. Auch hier kann der Betroffene von anfänglicher Idealisierung bis hin zu Verachtung und totaler Ablehnung reagieren. Deshalb brechen viele Patienten die Therapie ab, oder können sich nicht erfolgreich auf die Bemühungen des Therapeuten einlassen.
Bordi am 22.12.2012Eintrag melden
Konsequenzen für Nicht-Borderline gestörte Partner nach einer Trennung


Das Scheitern einer Beziehung zu einer Borderline-Persönlichkeit, bleibt oft nicht ohne tiefgreifende Konsequenzen für den zurückbleibenden Partner. Zumeist zeigt ein Partner in der Borderline-Beziehung u. a. folgende Verhaltensweisen:

Ø Ständiges, genaues Beobachten des Betroffenen, um mögliche Gefahren rechtzeitig zu
erkennen.
Ø Bewusstes vermeiden von Konflikten, durch angepasstes Verhalten.
Ø Ignorieren, herabsetzen oder verdrängen eigener Gefühle und demzufolge auch das
Ø Ignorieren eigener Bedürfnisse und Wünsche.
Ø Permanente innere Auseinandersetzung mit Verantwortungsübergaben und Schuldzuweisungen.
Ø Dulden und Ertragen von Herabsetzungen, Übergriffen und Erniedrigungen.
Ø Auf sich selbst ausgeübter massiver Druck, alles richtig machen zu wollen, um keinen Anlass für übergriffiges Verhalten zu geben...

Derartiges Verhalten erfordert die Distanzierung vom Selbst. Sich in der Beziehung aufzugeben, wird aus Hilflosigkeit heraus, als der einzige Weg wahrgenommen, die Beziehung zu erhalten. Jeder Preis wird gezahlt, oft jeder Schmerz und jede Erniedrigung akzeptiert, um das Verlassenwerden zu vermeiden. Dieses Verhalten entspricht ganz dem eines Kindes, das seinen Bezugspersonen ausgeliefert ist und steht aus dem Hintergrund der Persönlichkeitsstruktur des Partners, auch in direktem Zusammenhang mit dem aktuellen Beziehungsverhalten. Wenn die Bindung dann doch zerbricht, ist der zurückbleibende Partner oft völlig entwurzelt.

Das, was seinen bisherigen Lebensmittelpunkt ausmachte und sein ganzes Denken, Fühlen und Sein beanspruchte, ist nicht mehr Teil seines Lebens. Zurück bleiben Emotionen wie totale Leere und Angst. Der Eindruck, versagt zu haben, lässt Scham und das Gefühl der Wertlosigkeit entstehen und aus der Gesamtheit dieses Fühlens und Denkens, entsteht die Annahme, nie mehr eine erfüllende Partnerschaft eingehen zu können. Diese Phase kommt einem völligen Zusammenbruch nahe, das Ausmaß des Verlustes, ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Leere, Angst, Scham und angenommene Wertlosigkeit – die Projektion der Borderline-Symptomatik auf den Partner, ist auch nach der Trennung beängstigend aktiv.

Das Ende einer Bindung zu einer Borderline-Persönlichkeit, ist mit einem „normalen“ Beziehungsende nicht zu vergleichen. Die beständige emotionale Fixierung auf den Partner, diente zwar einerseits einem scheinbaren Selbstschutz, ermöglichte aber auch eigenen Grundannahmen, wie z. B. „Wenn ich mich anpasse, werde ich dafür geliebt“, zu entsprechen. Die Beziehung zu einem Borderline-Partner, erscheint daher häufig als Sinn des Lebens, welcher nach der Trennung verloren geht. Je länger die Beziehung andauerte, je mehr der Partner den Bezug zum eigenen Ich verloren hat, desto intensiver wird das so wahrgenommen. Dies geht mitunter so weit, dass sich beim zurückbleibenden Partner nach der Trennung selbst Borderline-Strukturen bemerkbar machen. Das Anpassen an die Achterbahnfahrt der Gefühle des betroffenen Partners, bleibt nicht ohne Folgen. Impulsive Stimmungsschwankungen; drastische, emotionale Handlungsweisen zur Durchsetzung von Bedürfnissen; extreme Verlustängste; totale Hilflosigkeitsgefühle und emotionale Überflutungen, gehören zu den Auswirkungen. Dies ist ein durchaus logischer Prozess, denn eben das Anpassen an die Persönlichkeitsmerkmale des betroffenen Partners, ermöglichte ja den vermeintlichen Selbsterhalt an dessen Seite.
Im Grunde genommen haben die schwerwiegenden Konsequenzen einer Trennung, also nur bedingt mit dem Verlust des von Borderline betroffenen Partners zu tun. Tatsächlich geht es hier um die Persönlichkeit des Partners selbst. Aus einem Komplex eigener Strukturen heraus, wie z. B. ein geschwächtes Selbstbild oder einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil, zeigte sich, ähnlich wie bei dem Betroffenen, ein verzweifeltes Bemühen, das Verlassenwerden zu vermeiden. Auch und gerade um den Preis der Selbstleugnung, denn eben diese Art der Selbstfürsorge war vertraut. Trotzdem konnte das innere Kind des Partners die Angst nie verwinden, die Zuwendung seiner geliebten Bezugspersonen jederzeit zu verlieren. Es hat die Erfahrung gemacht nur wenig Einfluss darauf zu haben und trotz Selbstleugnung, nur bedingt Zuwendung zu erhalten. Das Trauma des Kindes – trotz aller Mühen immer wieder zurückgewiesen zu werden – wiederholt sich und soll, im Sinne der Selbstheilung auch wiederholt werden. Wie es für unverarbeitete traumatische Erfahrungen typisch ist, bleiben die dazugehörigen Emotionen, wie Schmerz, Angst oder Trauer immer im gleichen Ausmaß aktiv, wie sie auch in der erlebten traumatischen Situation erfahren wurden. Der Komplex schmerzhafter Gefühle um den jetzigen Verlust, vermischt sich mit den einmal erlebten, die im Zusammenhang mit Zurückweisungen oder Verlassenwerden bereits erfahren wurden.
Da die Zuwendung seiner Bezugspersonen für ein Kind einmal lebensnotwendig war, erfährt es den Entzug oder die Distanzierung aktueller Bindungspartner als vernichtend und lebensbedrohlich. Alte unverarbeitete Erfahrungen vermischen sich mit dem aktuellen Erleben
des Erwachsenen, der von seinem Partner getrennt wird.
Für sich selbst oft völlig unerklärlich, empfindet er den Verlust wie ein inneres Sterben....
Von Birgit am 21.12.2012Eintrag melden
Der Jüngling weilt in einem Blütengarten Und schaut mit Lust des Lebens Morgenrot; Auf seinem Antlitz ruht ein schön Erwarten, Die Welt ist Himmel ihm, der Mensch ein Gott. Ein Morgenlüftchen streut ihm duftge Rosen Mit leisem Finger in das Lockenhaar; Sein Haupt umflattert mit vertrautem Kosen Ein bunt Gevögel, singend wunderbar. Seid stille, stille, dass die flüchtgen Gäste Ihr nicht dem Jünglinge verscheucht; denn wisst: Die Jugendträume sind es, wohl das beste, Was ihm für diese Welt beschieden ist. Doch, weh! ihm naht mit eisern schwerem Gange Die Wirklichkeit, und fort auf ewig fliehn Die Vögel, und dem Jüngling wird so bange, Da er sie weiter sieht und weiter ziehn. Nikolaus Lenau (1802-1850)

Alles Gute und frohe Weihnachten.
Frank Laser am 21.12.2012Eintrag melden
Anfang bis Ende


Er war ein junger Mann,
den fast jeder leiden kann.
Doch irgendwann da kam die Wende
Er bahnte sich den Weg zum Ende

Er wünschte sich Glückseeligkeit,
wusste nichts anzufangen mit seiner Zeit.
Es gab neue Dinge die er machte,
er wusste nicht, das es ihm nichts brachte .

Er war über Drogen schon informiert,
hat es jedoch trotzdem ausprobiert.
Er wollte doch nur einmal probieren,
stattdessen fing er an sie zu konsumieren.

Er fing an Haschisch zu rauchen,
er dachte er kann dies High sein gebrauchen.
Doch dieses bewehrte sich einfach nicht,
weil er nicht hinterher kam, mit seiner Pflicht.

Nach kurzer Zeit da ging es weiter,
er stand schon auf der Absturz Leiter.
Er wollte mehr Erfahrung machen
und griff sich schließlich noch andere Sachen.

Er besorgte sich nun schon Pillen
und wollte immer weiter chillen.
Hat alles mögliche an Chemie genommen,
und weiß jetzt wie es ist nen Absturz zu bekommen.

Doch jegliche Warnung hat ihn nicht interessiert,
er hat für die Drogen alles riskiert.
Er hat schon alles aufgegeben,
seine Arbeit, seine Freunde und auch sein Leben.

Er hat sich an die Drogen gebunden,
und nicht mehr in die Realität gefunden.
Doch irgend wann hat er’s übertrieben,
am Tag so fünf, sechs, sieben....

Dieser Tag dachte er wird ein Fest,
doch leider gaben sie ihm den Rest.
Heut ist er weg und kommt nie wieder,
Deswegen widmen seine Freunde ihm Lieder.

Sie wissen nicht wie’s so sein kann,
er war doch so ein junger Mann.
Sie trauern ihm noch hinterher,
denn der Abschied war so schwer.

An alle die, die mit Drogen wohnen,
hört besser auf, es wird sich nicht lohnen...!
K.L. am 21.12.2012Eintrag melden
DAS ALLES ENDLICH GUT WIRD ist mein Weihnachtswunsch für alle hier!
Rowena am 21.12.2012Eintrag melden
Ich habe seit drei Tagen Ihren Brief gelesen. Ich studiere ihn regelrecht. Es ist furchtbar. Ich hoffe, dass es bei uns nicht so weit kommt. Aber Lügen und KLauen, auch das kennen wir. Ich hoffe. es wird besser. Was hilft? Es ist bei uns nicht ganz so schlimm. Aber der Gedanke, dass es so kommt, der bleibt. Ich hoffe sehr für deinen Sohn, dass er das Leben meistern kann, genau wie ich es jedem anderen auch wünsche.. Ich glaube, ich befinde mich mitten in der Coabhängikgkeit und ich kann nichts dagegen tun. Man liebt seine Kinder eben. Und das ist das Problem.
Frank Laser am 20.12.2012Eintrag melden
Und wieder beginnt ein neuer Tag
Auf dem Weg nach Nirgendwo

die Glieder schmerzen, ihr Kopf droht zu explodieren
auch Heute wird die Sucht ihren Willen regieren
ihre Wohnung wirkt auf sie wie ein Sarg
Ihre Hände zittern, ihr Gesicht ist fahl und weiß
kein Geld und der Druck nach der Droge ist groß
denkt sich wie schaffe ich das Heute bloß
mal ist ihr kalt, mal heiß
Diebstahl oder der Strich sind ihre Möglichkeiten
in den Geschäften der Stadt hat sie Hausverbot
hat zuviel geklaut in ihrer Not
schon lange hat sie verloren, Scham und Eitelkeiten

Ungewaschen, wie narkotisiert, geht sie los
ohne Gefühl, die Sucht treibt sie voran
an den vielen anderen verlorenen Seelen entlang

Ein Wagen hält, darin ein alter dicker Mann
behandelt sie wie ein Tier, in seiner Gier
mit geschlossen Augen entwindet sie sich dem Hier
nur so sie es ertragen kann
Mit brennenden Schmerzen im Schritt
sie mit letzter Kraft ihren Dealer erreicht
auch er macht es ihr nicht leicht
interessiert es nicht wie sehr sie litt

Berauscht und in Trance liegt sie im Bahnhofsklo
Sie ist erst siebzehn Jahre alt
hat sich verlaufen im Drogenwald
auf dem Weg nach Nirgendwo

©by Frank Laser


Dies ist eine goldene Kerze für Julius Lolom Erstling

Am 07.11.2012 wurde diese goldene Gedenkkerze online für Julius Lolom Erstling auf Kerze-anzuenden.de entzündet und damit ein einzigartiges Online-Gedenken erstellt.

Die goldene Kerze zum Gedenken an Julius Lolom Erstling wurde 1.300.000 besucht. Es wurde bisher 1.025 mal Mitgefühl ausgedrückt. Gerne können auch Sie jetzt den Hinterbliebenen gegenüber Ihr Mitgefühl ausdrücken und einige Worte zum Verstorbenen oder ein Spruch/Gedicht verfassen. Nutzen Sie hierfür den Link "Mitgefühl verfassen".

Diese Kerze brennt ewig.